Tollwut-Erkrankungen in Deutschland

Fakten auf einen Blick

Impfung Foto: Ole Spata / DPA

Wie groß ist die Gefahr durch Tollwut?

Die Gefahr, sich hierzulande mit Tollwut zu infizieren, ist sehr gering. Seit 2008 gilt Deutschland offiziell als tollwutfrei. Ausgenommen davon sind jedoch Infektionen durch Fledermäuse, die einen anderen Erregerstamm haben und nach wie vor als Überträger gelten.

Seit 2001 sind in Deutschland sechs Menschen an Tollwut gestorben. Sie haben sich überwiegend im Ausland infiziert, wo die Krankheit noch ein großes Thema ist. Zuletzt wurde in Deutschland im Jahr 2006 die Tollwut bei einem Wildtier entdeckt – ausgenommen Fledermäuse. Hier in der Region wurde noch vor etwa einem Jahr eine infizierte Fledermaus in Barnstorf entdeckt. Das Veterinäramt gibt jedoch Entwarnung: Der Fall sei äußerst selten und bei vorsichtigem Umgang mit Wildtieren bestehe kaum eine Gefahr.

Welche Symptome treten auf?

Fünf bis acht Wochen ohne Behandlung dauert es, bis der Erreger das Gehirn erreicht und seine tödliche Wirkung entfaltet. Innerhalb der ersten 30 Tage nach der Infektion muss mit der Behandlung begonnen werden. Sobald der Erreger die Blut-Hirn-Schranke überwindet und die ersten Symptome auftreten, gibt es für den Patienten keine Hilfe mehr. Am Anfang sind es Kopfschmerzen, ein Juckreiz und Appetitlosigkeit. Später sind es die Angst vor Wasser, Schluckstörungen und eine vermehrte Speichelbildung. Innerhalb weniger Tage werden die Symptome schlimmer. Lähmungserscheinungen treten auf. Am Ende fällt der Infizierte in der Regel ins Koma und stirbt mit Anzeichen von Atemlähmung oder Lähmung der Herzmuskulatur.

Wie wird die Krankheit nachgewiesen?

Die Krankheit kann bei Menschen und Tieren nur auf eine Art festgestellt werden: durch eine Gehirn-Untersuchung des Verstorbenen. Ob Lena Kunz also wirklich mit dem Virus EBLV-1 infiziert war, lässt sich nicht feststellen.

Stehen Medikamente zur Verfügung?

Trotz weltweit immer wieder auftretender Engpässe, betonen die Hersteller der Impf-Präparate, dass die Versorgung in Deutschland gesichert ist. Die offiziellen niedersächsischen Notfall-Depots in Braunschweig, Emden, Georgsmarienhütte, Göttingen, Hannover, Lüneburg und Stade verfügen jederzeit über Vorräte, auf die aber ausschließlich Apotheken zurückgreifen können. Auch in Bremen gibt es ein Depot. Viele Krankenhäuser haben eigene kleine Notfall-Depots.

Hierzulande wird eine Tollwut-Präventivimpfung nur noch bei Risikogruppen durchgeführt. Die Behandlung hat mitunter starke Nebenwirkungen, wie Glieder-Steifheit, Schwindel, Kreislauf- und Magen-Darm-Probleme, sowie Hautausschläge.

Erste Hilfe beim Fledermaus-Fund

Wer eine verletzte Fledermaus entdeckt oder Fragen zu den Tieren hat, kann sich an die örtlichen Fledermausbeauftragten wenden. Für den Landkreis Diepholz ist das Carola Anders aus Barnstorf. Sie ist erreichbar unter 0175 / 82 92 328 oder per E-Mail an anders_carola@web.de. Jeder, der eine geschwächte Fledermaus dennoch anfasst, sollte dicke Handschuhe tragen.

LUKA SPAHR

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