Im defekten Fernseher steckt noch Leben

Reger Betrieb bei der Premiere des Reparatur-Treffs in Wagenfeld

+
Zum Auftakt des Reparatur-Treffs in Wagenfeld herrschte gleich reger Betrieb in den Räumen der früheren Post.

Wagenfeld - Bei Andreas Rosenbohm aus Wagenfeld keimt Hoffnung auf, dass er seinen defekten Fernseher weiter nutzen kann. „Da steckt noch Leben drin, vermutlich ein Fehler in der Spannungsversorgung. Das könnte am Netzteil liegen“, stellt Dieter Pörtner nach mehreren Messungen schnell fest. „Ich nehme das Gerät mal mit nach Hause, da hab ich mehr Ruhe“, bietet der gelernte Radio- und Fernsehmechaniker seinem Gegenüber an. Verbindet damit aber den Hinweis, dass das die Ausnahme bleibt. „In der Regel nehmen wir Reparaturen nur hier vor.“ Wenn Ersatzteile nötig wären, würde er zeitnah anrufen, verspricht der 62-Jährige.

Pörtner ist einer von vier ehrenamtlichen Mitarbeitern, die am Sonnabend zum ersten Mal ihren Reparatur-Treff im früheren Postamt an der Hauptstraße in Wagenfeld öffneten. Im Monat zuvor hatte das rührige Handwerker-Quartett auf Cordings Diele am Friedhof bereits einen Probelauf gestartet und sich anschließend nach einer festen Bleibe umgeschaut. Fündig wurden sie bei Hans-Georg Töbelmann, der gut 40 Quadratmeter seiner Räumlichkeiten in der ehemaligen Post für den guten Zweck zur Verfügung stellt.

Nun nahm das Unternehmen „Reparatur-Treff“, das unter der Regie der Initiative „Lebendiges Wagenfeld“ im Heimatverein läuft, richtig Fahrt auf. Schon beim Auftakt registrierte Wilfried Albers, der für die notwendige schriftliche Dokumentation verantwortlich ist, insgesamt 16 Kunden. Sie kamen nicht nur aus Wagenfeld, sondern auch aus dem benachbarten Stemwede, aus der Ortschaft Oppenwehe genau.

Nichts zu machen: Hermann Mallü (l.) ließ seinen alten Staubsauger von Wilhelm Winkelmann-Bünte unter die Lupe nehmen. 

Von dort waren Hermann Mallü und Sabine Tatgenhorst angereist, um fachkundige Blicke auf ihre defekten Elektrogeräte werfen zu lassen. Mallü hatte seinen Staubsauger mitgebracht, die Kundin ließ ihre kaputte Tischnähmaschine inspizieren. Während die Oppenweherin ihr Gerät künftig wieder benutzen kann, war der Staubsauger von Mallüh nicht mehr zu retten und wurde gleich fachgerecht entsorgt. Trotz der unterschiedlichen Ergebnisse waren beide Kunden zufrieden: „Die Überprüfung haben wir für billiges Geld bekommen“, betonten Mallü und Tatgenhorst unisono.

Weil die Arbeiten ehrenamtlich durchgeführt werden, fütterten die beiden Kunden aus dem Ostwestfälischen das Spendenschwein. Wohlwissend, „dass wir in einer normalen Werkstatt viel Geld bezahlt hätten.“ Ähnlich äußerte sich Andreas Rosenbohm: „Eine Werkstatt, wo denn? Ich kenne keine qualifizierte Anlaufstelle für defekte Fernseher.“ Und dort wären die Kosten vermutlich so hoch gewesen, dass man auf eine Reparatur verzichtet hätte.

Die Handwerker hatten bei der Premiere gut zu tun. Während sich der 75-jährige Wolfgang Rempe, in früheren Jahren beruflich als Starkstromelektriker im Bergbau tätig, näher mit einem defekten Akku-Staubsauger beschäftigte, zerlegte Dieter Pörtner eine Kaffeemaschine in ihre Einzelteile. Wilhelm Winkelmann-Bünte prüfte eine elektrische Heckenschere auf Herz und Nieren. Unterdessen klärte Wilfried Albers über rechtliche Rahmenbedingungen des Reparatur-Treffs auf. „Wir sind keine kostenlosen Reparaturdienstleister. Bei uns geht es vielmehr um eine im gegenseitigen Interesse liegende Hilfe zur Selbsthilfe“, machte der 66-Jährige den Besuchern deutlich

Noch zu retten: Andreas Rosenbohm (r.) hatte seinen defekten Fernseher mitgebracht, mit dem sich Dieter Pörtner intensiv befasste.

Rolf und Ingrid Scheer aus Wagenfeld, die sich nach eingehender Überprüfung ihres Haushaltsgeräts schweren Herzens von ihrem nicht mehr reparablen Akku-Staubsauger trennen müssen, waren deswegen nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil: „Den Reparatur-Treff finden wir richtig gut, so etwas hat in Wagenfeld gefehlt.“ Und einen kleinen Obolus in die Spendenkasse gab es obendrein.

Wilhelm Winkelmann-Bünte, beruflich zeitlebens als Elektromaschinenbauer im Einsatz und inzwischen in den (Un-)Ruhestand gewechselt, erinnerte kurz an die Anfänge des Reparatur-Treffs. „Wir machen das, was wir können“, begründete er den zusätzlichen Service vom „Lebendigen Wagenfeld“. Der 64-Jährige erinnerte an die Informationsfahrt zu einem ähnlichen Angebot in Barnstorf und stellte klar, dass der Reparaturtreff keine Konkurrenz zu örtlichen Firmen sei. Ferner appelliert er an weitere Männer und Frauen mit handwerklichem Geschick, ehrenamtlich bei ihnen mitzumachen. Zudem wies er darauf hin, dass sich die Türen der ehemaligen Post am Samstag, 7. Dezember, für den zweiten Reparatur-Treff in Wagenfeld öffnen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

US-Senat unterstützt Proteste in Hongkong - China schäumt

US-Senat unterstützt Proteste in Hongkong - China schäumt

"Hawala-Banking": Dutzende Tatverdächtige im Visier

"Hawala-Banking": Dutzende Tatverdächtige im Visier

Immer mehr Schweinepest-Fälle nahe deutscher Grenze

Immer mehr Schweinepest-Fälle nahe deutscher Grenze

„Wenn die Pizza nicht lange genug im Ofen war“ - Netzreaktionen zu neuer Pizarro-Frisur 

„Wenn die Pizza nicht lange genug im Ofen war“ - Netzreaktionen zu neuer Pizarro-Frisur 

Meistgelesene Artikel

Ärger über Bon-Pflicht am Bäcker-Tresen: Mehr Transparenz heißt auch mehr Müll und Kosten

Ärger über Bon-Pflicht am Bäcker-Tresen: Mehr Transparenz heißt auch mehr Müll und Kosten

Hachelauf mit neuen Disziplinen - Organisatoren geben Details bekannt

Hachelauf mit neuen Disziplinen - Organisatoren geben Details bekannt

Feuer in Stuhrer Druckerei: Feuerwehr löscht Brand in Kabelbahn

Feuer in Stuhrer Druckerei: Feuerwehr löscht Brand in Kabelbahn

Ausgeknuspert: Stoffregen schließt Filiale am Syker Mühlendamm

Ausgeknuspert: Stoffregen schließt Filiale am Syker Mühlendamm

Kommentare