Guido Sander startet beim Köln-Marathon

Emotionale Reise in die Vergangenheit

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Ein Kamera-Team des WDR begleitete Guido Sander (2.v.l.) einige Stunden in seinem Alltag und sprach mit ihm über seine persönliche Geschichte.

Wagenfeld - Wenn Guido Sander am 13. Oktober beim Köln-Marathon startet, dann ist das für ihn zwar eine sportliche Herausforderung, aber eigentlich nichts Außergewöhnliches. Für den Wagenfelder ist täglicher Sport im Leistungsbereich inzwischen ein unverzichtbarer Bestandteil seines Lebens. Doch wer die Geschichte des 46-Jährigen kennt, der weiß, dass das nicht so selbstverständlich ist, wie es scheint.

Sander wog 193 Kilo, als er sich 2016 entschloss, die Reißleine zu ziehen. Er krempelte sein Leben komplett um und nahm in zehn Monaten gut 120 Kilo ab (wir berichteten). 2017 begann er mit dem Laufen. Vor dem Hintergrund des Köln-Marathons hat nun auch der WDR seine Geschichte aufgegriffen. In der vergangenen Woche hat ihn ein Kamerateam einige Stunden im Alltag begleitet. Das Ergebnis ist am Mittwoch ab 19.30 Uhr in der Sendung „Lokalzeit“ zu sehen. „Ich bin gespannt, was sie daraus machen. Ich finde mein Leben gar nicht so aufregend“, sagt Sander, der am Mittwoch gemeinsam mit seiner Frau Renate selbst gespannt vor dem Fernseher sitzen wird, denn auch er hat den Bericht noch nicht gesehen.

Die Dreharbeiten in seinem Haus waren für den Wagenfelder interessant, aber auch sehr emotional, denn er wurde mit einer Zeit in seinem Leben konfrontiert, die eigentlich in den Hintergrund gerückt ist – auch wenn ein Banner mit seinem übergewichtigen Ebenbild noch immer in seinem Büro hängt. „Es war überraschend, dass ich noch einmal so in die Vergangenheit geschossen wurde“, bekennt Sander.

Das Team dokumentierte, wie er sein tägliches Training auswertet, sich ernährt und im eigenen Garten Ruhe und Entspannung findet. „Das ist mir heute viel wichtiger als früher“, so Sander. Auch seine Frau, die ihn auf seiner langen Reise begleitet hat, kommt zu Wort.

Vorbereitung auf den Marathon: In Siegburg lief Guido Sander über zehn Kilometer eine persönliche Bestzeit.

„Man denkt vielleicht mal, es wäre toll, so was zu erleben. Aber es ist dann doch ganz anders, als man es sich vorgestellt hat“, erinnert sich der Wagenfelder an die Dreharbeiten am Mittwoch. „Es war überraschend entspannt.“ Das Kamerateam sei sehr nett gewesen und habe ihn genau instruiert, wo er stehen und wohin er schauen solle.

Am vergangenen Sonntag begleitete ihn das Kamerateam noch einmal bei den Deutschen Meisterschaften im Zehn-Kilometer-Straßenlauf in Siegburg. Beim Warmmachen und am Start war es hautnah dabei. „Da konnte ich die Kamera ganz gut ausblenden. Ich bin dann so im Tunnel, dass ich kaum mitbekomme, was um mich herum passiert“, so Sander. Der 46-Jährige startete in der Altersklasse. Im Hauptfeld der Profis kam der Wagenfelder zwar nur im hinteren Bereich des Feldes auf Platz 281 ins Ziel, ein Erfolg war das Rennen für ihn dennoch. Denn mit 41:06 Minuten lief er seine persönliche Bestzeit. Vor vier Wochen bei einem Lauf in Damme sei er noch etwa 30 Sekunden langsamer gewesen, berichtet Sander.

Mit den jüngsten Zehn-Kilometer-Läufen, bei denen er seinen Fokus auf die Erhöhung seiner Geschwindigkeit gelegt hat, sieht sich der 46-Jährige gut vorbereitet für den Marathon mit bis zu 7000 Startern in knapp vier Wochen in Köln.

Am Ziel ist Guido Sander noch nicht. Er möchte sich weiter verbessern und noch schneller werden. Aber er weiß auch: Die Schritte werden künftig kleiner. Es geht nicht mehr darum, sich um Minuten zu verbessern, sondern um wenige Sekunden.

„Ich bin selber gespannt, wie die Reise weitergeht“, sagt Sander. „In den Bereich, in dem ich mal war, kann ich nicht mehr zurück“, steht für ihn fest. Zum Leistungssport gibt es für ihn derzeit keine Alternative, denn er weiß, „dass ich es noch nicht geschafft habe“. Er habe eine Veranlagung dazu, in Stresssituationen essen zu wollen. Der Sport sei eine Art „Ersatzsucht“. Daran habe sich nichts geändert. Darum bleibt das Halten seines Gewichts für ihn eine Lebensaufgabe.

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