Emma Sonnengrün stellt in Auburg aus/Arbeiten sind noch bis September zu sehen

Kunst ohne Verrenkungen

+
„I will love you until 70“ der Titel des Bildes, das Künstlerin Emma Sonnengrün „nicht so gerne verkauft“.

Von Simone. Brauns-Bömermann

WAGENFELD

Seit Freitag beherbergen die Wände der Auburg eine neue Biographie: Die von der Malerin und Künstlerin Emma Sonnengrün. Sie heißt eigentlich Emilia Ledenkova und stammt aus Kasachstan. Ihr Lebensweg, den sie selbst wie einen Lebensozean beschreibt, der nie ganz zur Ruhe kommt, führte sie 1989 nach Deutschland. Sie lebt in Bohmte.

Ihre frühe Liebe zur Kunst, Emma besuchte bereits mit zehn Jahren neben der Regelschule eine Kunstschule, treibt sie bis heute um. Mit zwölf Jahren malte sie ihr erstes Stillleben mit Geige, realistisch naturgetreu. Dieser Gegenständlichkeit ist die Künstlerin bis heute treu geblieben, hält die Welt in Stillleben fest. Für die Zukunft, wie sie meint. „In einem Zeitalter von Umweltverschmutzung und Klimaveränderung und in dem seitens unserer Gesellschaft große Unvernunft im Umgang mit der Natur herrscht, habe ich das Verlangen, die noch bestehende Schönheit der Natur in meinen Bildern festzuhalten. Denn so, wie sie momentan noch zu sehen ist, wird sie in ein paar Jahrzehnten nur noch in der Erinnerung der heutigen Generationen vorhanden sein“, sagt Sonnengrün.

Sie hält Feldwege, Herbstgold, Torf, Hügel, Küsten und Meere fest. Malt eine rot verliebte Sonne beim Untergehen, den Seeblick im Wolkenfeld und ein Liebespaar im Ballsaal innig schwebend. Sein Titel „I will love you until 70“ wirft sofort die Diskussion bei den Betrachtern auf. Wer ist die unbekannte Schöne, wer der Jüngling? Sind sie noch ein Paar? Wie endete der Tanz? Am Bild steht bescheiden: Wird nicht so gerne verkauft. So ist die Malerin, bescheiden und zurückhaltend. Sie malt bekannte Orte, Bauwerke der Region: Den Mittellandkanal, die Schelenburg in Schledehausen und das Ippenburger Schloss. Das Heger Tor in Osnabrück, die Wassermühle in Bad Essen oder einfach nur die Fachwerkhäuser am Markt.

Noch in Kasachstan in der Kunstschule erlernt sie von der Pike auf, ihrem Talent folgend, das Zeichnen in Blei und Kohle, die Aquarell- und Guachemalerei. Bei der Ölmalerei fasziniert sie die bleibende Farbechtheit und Sinnlichkeit im Malprozess. Ihre große Stärke liegt jedoch im scheinbar Unvollkommenen. In der schnellen, hingehuschten Skizze in Blei oder koloriert, für sie ein Leichtes, ein flüchtiges Tun, für den Betrachter Schönheit.

Der Titel ihrer Ausstellung „Ein Stillleben muss nicht still sein“ räumt mit einem Vorurteil auf. In ihren Stillleben, geht es rund: Im Tanz, am Meer, am Instrument. Die Klarinette tanzt aus ihrem Koffer, die Gitarre wartet auf den nächsten Rock. Nur für den Malprozess sind die Objekte einmal ruhig, eben still.

Emma Sonnengrün malt nach dem Credo: „Unsere Erde ist eine winzige bewohnbare Insel in einem unendlichen Universum“ und so haben Mensch, Natur, Musik und Liebe für sie einen hohen Stellenwert.“ „Ihre Malerei versteht der Betrachter sofort und ohne große Verrenkungen“, sagte Professor Georg Bezold 2006 im Wallenhorster Rathaus zu einer Ausstellung von Sonnengrün. Für den individuellen Betrachter ist es wohl mehr als das. Die aktuelle Ausstellung in der Auburg kann noch bis September besichtigt werden.

Mehr zum Thema:

Neue Tragödie im Mittelmeer

Neue Tragödie im Mittelmeer

Grippewelle 2017: Ende zeichnet sich langsam ab

Grippewelle 2017: Ende zeichnet sich langsam ab

"Sewol"-Bergung in Südkorea macht Fortschritte

"Sewol"-Bergung in Südkorea macht Fortschritte

TôsôX vermischt Kampfsport und Aerobic

TôsôX vermischt Kampfsport und Aerobic

Meistgelesene Artikel

21-Jährige aus Diepholz gründet erfolgreich Firma 

21-Jährige aus Diepholz gründet erfolgreich Firma 

Nach 26 Jahren: Mann soll Heim verlassen

Nach 26 Jahren: Mann soll Heim verlassen

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Kommentare