Eiszeit beginnt

Bruno Ferreira und Antonia Leporeddu übernehmen verwaiste Eisdiele in Wagenfeld

Wieder Eis in Wagenfeld: Immobilienbesitzer Heribert Altenwerth (l.) mit dem neuen Pächterpaar Bruno Ferreira und Antonia Leporeddu. Mitte Januar möchten sie das Eiscafé Antonia an der Oppenweher Straße wieder eröffnen.
+
Wieder Eis in Wagenfeld: Immobilienbesitzer Heribert Altenwerth (l.) mit dem neuen Pächterpaar Bruno Ferreira und Antonia Leporeddu. Mitte Januar möchten sie das Eiscafé Antonia an der Oppenweher Straße wieder eröffnen.

Die langen Monate der Schließung sind bald vorbei. Mitte Januar soll die Eisdiele in Wagenfeld mit den neuen Pächtern Bruno Ferreira und Antonia Leporeddu wieder öffnen.

Wagenfeld – Nicht nur die Wagenfelder hatten lange Zeit mit der „großen Dürre“ in den Sommermonaten zu kämpfen. Heiße Temperaturen – doch die Türen der Eisdiele im Wagenfelder Ortskern blieben verschlossen. Auch Radfahrer und Ausflügler aus der näheren Umgebung suchten vergeblich nach der beliebten Erfrischungsmöglichkeit. Das hat nun ein Ende: Denn schon in wenigen Wochen herrscht in der Ortschaft endlich wieder Eiszeit. Bruno Ferreira und Antonia Leporeddu hauchen der verwaisten Eisdiele neues Leben ein.

Die beiden sind in der Region keine Unbekannten. Elf Jahre lang haben sie eine Eisdiele, das Eiscafé „Antonia“ im nordrhein-westfälischen Espelkamp geführt. Unter diesem Namen werden sie auch jetzt ihre Gelateria in Wagenfeld eröffnen. „Ich hab über Bekannte und die Vorgänger davon gehört, dass hier ein neuer Pächter gesucht wird“, sagt Bruno Ferreira. Er und seine Ehefrau Antonia überlegten nicht lange, suchten das Gespräch mit Heribert Altenwerth, dem Eigentümer der Immobilie.

„Die Chemie stimmte sofort“, freut sich der Hausbesitzer, der direkt nebenan ein Radio- und Fernsehgeschäft betreibt. Eine „ganze Batterie“ an Bewerbungen habe er nach der öffentlichen Nachfolgesuche erhalten, einige Vorstellungsgespräche geführt. „Doch die Chemie muss stimmen“, sagt Altenwerth, dem vor allem daran gelegen war, eine langfristige, gute Lösung für Eisliebhaber aus Wagenfeld und der näheren Umgebung zu finden. „Als die Verträge unter Dach und Fach waren, hab auch ich freudestrahlend drei Kreuze gemacht.“

„Warum ist die Eisdiele zu?“ „Wann macht sie wieder auf?“ „Gibt es schon neue Betreiber?“ – Immer wieder wurde Altenwerth mit Fragen dieser Art über die ganze Zeit des Leerstands bombardiert. „Irgendwann kannst du es nicht mehr hören, aber ich konnte mir halt keinen Nachfolger aus dem Hut zaubern. Ich hab mir selbst auch nichts mehr gewünscht, als dass dort vor allem im Sommer wieder richtig Leben herrscht.“ Denn seit mehr als 25 Jahren war in den Räumen immer eine Eisdiele vor Ort.

Doch bevor die Familie Ferreiera/Leporeddu den Zuschlag bekam, hatte sich Heribert Altenwerth ein wenig im Internet und im Bekanntenkreis schlau gemacht, fand zahlreiche Positiv-Meldungen und Berichte über die „Antonia“-Eisspezialitäten. „Die beiden sind für ihre Eiskreationen über die Grenzen Espelkamps hinweg bekannt. Der gute Ruf war ihnen gewissermaßen voraus. Und es gibt endlich wieder Eis aus italienischer Hand.“ Wenigstens zur Hälfte, denn Antonia ist Italienerin, ihr Mann Bruno gebürtiger Portugiese.

„Das Herstellen von Eis war schon immer meine Leidenschaft“, so der 46-jährige, der für die kulinarischen Genüsse im Hause Ferreira/Leporeddu zuständig ist. Ehefrau Antonia, zugleich Namensgeberin des Eiscafés, kümmert sich um den Service und den Außer-Haus-Verkauf.

„Wir haben bisher in Espelkamp nur einen ganz kleinen Gastraum gehabt. Hier ist viel mehr Platz, um drinnen wie draußen unsere Gäste zu verwöhnen“, sagt Bruno. Der kreative Spielraum bei der Eisherstellung sei über die Jahrzehnte durch die Vorgaben der Gesundheitsämter und die Lebensmittelindustrie immer mehr beschnitten worden. „Wir dürfen zum Beispiel kein frisches Ei mehr hinzugehen und Früchte müssen wegen der erforderlichen Reinigung tiefgefroren sein“, nennt er Beispiele. Es sei „das ausgetüftelte Spiel“ mit den frei variierbaren Zutaten, dass dem Eis die individuelle Note verleihe, wie beispielsweise ein hoher Fruchtanteil. Was für den Eismann von großer Bedeutung ist, ist die Verarbeitung möglichst deklarationsfreier natürlicher Zutaten.

Seit Ende Oktober wird in den Räumen an der Oppenweher Straße 1 renoviert und vor allem saniert. „Ich habe die komplette Elektrik neu gemacht“, erzählt Bruno Ferreira. Auch moderne Maschinen zur Eisherstellung haben mit dem neuen Pächterpaar Einzug gehalten. „Hygiene und Ordnung ist bei mir das A und O und vielleicht auch ein Teil des Geschmacksgeheimnisses“, sagt Ferreira. Ehefrau Antonia ergänzt schmunzelnd: „Schon in seiner bisherigen Eisküche sah es aus, wie im Hygienelabor eines Krankenhauses.“

Neben zahlreichen Eissorten und Eisspezialitäten, möchten die neuen Pächter warme Leckereien wie frische Waffeln, Crepes und eine kleine Tortenauswahl anbieten. „Für die Torten möchte ich zur Oppenweher Straße hin einen eigenen Sichtbereich abteilen“, erläutert Ferreira weiter.

Das Ehepaar möchte zukünftig nicht nur die Wagenfelder Bevölkerung mit Eis versorgen. Auch sie selbst planen mit ihren beiden Kindern in Wagenfeld ihre privaten Zelte aufschlagen. Sein kleines Eisparadies in Espelkamp konnte Bruno Ferreira an einen befreundeten Mitbewerber übergeben.

„Wir hoffen, dass wir spätestens mitte Januar eröffnen können. Wichtig ist vor allem, dass der Glasfaseranschluss bald funktioniert, damit wir die Kasse ans Laufen kriegen“, sagt Bruno Ferreira. Auch mit der Personalsuche habe man begonnen. „Wir suchen für den Service noch Unterstützung in Vollzeit, aber auch noch Aushilfskräfte nach Absprache.“

Dass sie den Neustart gerade in Pandemiezeiten wagen, verursacht beiden zwar ein wenig Magendrücken. „Aber es wird laufen“, sind sie sich sicher. „Die Chance war jetzt da, nicht erst in ein oder zwei Jahren.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Einbruch: 90-Jährige schläft während der Tat vor dem Fernseher

Einbruch: 90-Jährige schläft während der Tat vor dem Fernseher

Einbruch: 90-Jährige schläft während der Tat vor dem Fernseher
Drei Schließungen in der Diepholzer Innenstadt

Drei Schließungen in der Diepholzer Innenstadt

Drei Schließungen in der Diepholzer Innenstadt
Rettungswache muss Alltag an Corona-Gefahren anpassen

Rettungswache muss Alltag an Corona-Gefahren anpassen

Rettungswache muss Alltag an Corona-Gefahren anpassen
Infiziert, aber negativ getestet: Wie sicher sind Testzentren?

Infiziert, aber negativ getestet: Wie sicher sind Testzentren?

Infiziert, aber negativ getestet: Wie sicher sind Testzentren?

Kommentare