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Entwurf des Einzelhandelskonzepts für Wagenfeld: Mehr Gastronomie und ein Baumarkt gewünscht

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Von: Melanie Russ

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Einzelhandelsentwicklung soll künftig vorwiegend im rot umrandeten zentralen Versorgungsbereich möglich sein.
Einzelhandelsentwicklung soll künftig vorwiegend im rot umrandeten zentralen Versorgungsbereich möglich sein. Kleine Änderungen in der Abgrenzung sind noch möglich. © Cima Beratung und Management

Wagenfeld – Verhungern und Verdursten müssen die Wagenfelder und Ströher nicht. Denn mit Anbietern von Nahrungs- und Genussmitteln ist die Gemeinde überdurchschnittlich gut versorgt. Was den Einwohnern laut einer Online-Umfrage fehlt, sind eine größere Auswahl an Geschäften, mehr Gastronomie und ein Baumarkt.

Diese Erkenntnisse sind Teil des Einzelhandelskonzepts, das die Firma Cima Beratung und Management aus Hannover derzeit im Auftrag der Gemeinde erstellt. Den Entwurf stellten Projektleiter Benjamin Kemper und Mathias Dingerdissen am Mittwochabend den Mitgliedern des Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschusses vor.

Das Konzept schlüsselt die Einzelhandelssituation in Wagenfeld und Ströhen detailliert auf, beleuchtet die Nachfrage und die Wünsche der Einwohner, zeigt aber auch auf, wo sowohl inhaltliche als auch räumliche Potenziale für eine Weiterentwicklung liegen.

Die Firma Cima hatte sich in den vergangenen Monaten zum einen den Einzelhandel in Wagenfeld und Ströhen genau angeschaut. Die Analyse von Angebot und Nachfrage ergab, dass in der Gemeinde Wagenfeld insgesamt eine gute Nahversorgungssituation vorliegt, der Ortsteil Ströhen aber unterversorgt ist. 23 Prozent der Einwohner können fußläufig innerhalb von zehn Minuten einen Nahversorgungsbetrieb erreichen.

Das Konzept führt auf, dass in der Gemeinde Wagenfeld 48 Einzelhandelsbetriebe mit einer Verkaufsfläche von insgesamt 15220 Quadratmeter ansässig sind. Allein 16 Betriebe bieten in ihrem Hauptsortiment Nahrungs- und Genussmittel an. In der Warengruppe Bekleidung und Wäsche, laut Cima dem wichtigsten Leitsortiment einer zentralen Ortskernlage, sind sechs Betriebe vorhanden. Darüber hinaus ist das Angebot sehr breit gefächert von Körperpflege über Zeitschriften, Schreibwaren und Unterhaltungselektronik bis hin zu Fahrradhandel und Möbelgeschäft. In diesen Bereichen gibt es jedoch eine deutlich geringere Auswahl.

Die Betriebe sind hauptsächlich im Ortsteil Wagenfeld und dort im Wesentlichen im Ortskern angesiedelt. Vier Betriebe sind im Ortskern von Ströhen verortet.

Das Nachfragepotenzial im stationären Einzelhandel beziffert Cima auf 38,8 Millionen Euro jährlich. Davon entfallen 16 Millionen Euro auf Nahrungs- und Genussmittel, 3,6 Millionen Euro auf Bekleidung und Wäsche sowie 3,3 Millionen Euro auf Baumarktartikel, Pflanzen und Zooartikel. Die Käufer kommen überwiegend aus der Gemeinde selbst, in geringerem Maß aber auch aus den Nachbarkommunen.

Das Einkaufszentrum am Marktplatz ist ein Schwerpunkt im zentralen Versorgungsbereich.
Das Einkaufszentrum am Marktplatz ist ein Schwerpunkt im zentralen Versorgungsbereich. © Russ

Eine Online-Befragung mit 356 Teilnehmern – überwiegend aus Wagenfeld und Ströhen – ergab, dass knapp zwei Drittel der Befragten fast täglich den Ortskern besuchen, 92 Prozent besuchen ihn mindestens einmal pro Woche. Fünf Prozent kommen nur einmal im Monat oder seltener in den Ortskern. Gründe sind Einkaufen, Dienstleistungen, Gastronomie und die Sportstätten. 84 Prozent kommen mit dem Auto.

Danach befragt, was passieren müsste, damit sie den Ortskern häufiger besuchen, nannten die Befragten hauptsächlich ein verbessertes und erweitertes Geschäftsangebot sowie die Aufwertung des Ortsbildes. Letzteres wird im Rahmen der Ortskernsanierung bereits in Angriff genommen. Außerdem wurden mehr Gastronomie sowie Schuh- und Bekleidungsgeschäfte genannt. Am stärksten vermisst wird ein Baumarkt. Vorwiegend kaufen die Befragten Drogeriewaren (91 Prozent) und Lebensmittel (85 Prozent).

Positiv bewerteten sie das Parkplatzangebot, die Öffnungszeiten des Einzelhandels und den Wochenmarkt, schlechter wurden das Gastronomieangebot und die Aufenthaltsqualität bewertet. 28 Prozent der Befragten besuchen den Ströher Ortskern mindestens einmal pro Woche, 60 Prozent weniger als einmal im Monat oder nie.

Anhand der erhobenen Daten hat die Firma Cima einen zentralen Versorgungsbereich abgesteckt, der im Wesentlichen entlang der Hauptstraße vom Marktplatz bis Fahrrad Henke reicht mit Schwerpunkten am Einkaufszentrum am Marktplatz und im Bereich Combi/Magro. Dort soll die Einzelhandelsentwicklung künftig im Wesentlichen erfolgen.

Potenzialflächen, um die Entwicklung zur Stärkung des Ortskerns zu ermöglichen, sind im zentralen Versorgungsbereich vorhanden – und zwar östlich des Aldi und im Bereich zwischen Töbelmann und Combi. Die Frage von Ratsherr Ralf van der Ahe (UWG), ob man nicht den gesamten Bereich von der Hauptstraße bis zur Höhe Postenbörse und Reifenhandel einbeziehen könne, verneinte Benjamin Kemper. Für die Abgrenzung gebe es vom Gesetzgeber enge Vorgaben. Geringe Anpassungen seien aber noch möglich.

Für Ströhen wurde kein zentraler Versorgungsbereich ausgewiesen, weil es dort zu wenige und zu zerstreut liegende Betriebe gibt.

Als Ziel für die Einzelhandelsentwicklung nennt das Konzept, dass großflächiger Einzelhandel für Nahrungs- und Genussmittel, Drogerieartikel, pharmazeutische Artikel, Bücher, Bekleidung, Elektrogeräte, Haus- und Heimtextilien, Spielwaren, Sportartikel, Schmuck, Glas, Hausrat und vieles mehr ausschließlich im zentralen Versorgungsbereich angesiedelt werden soll. Bestehende Betriebe außerhalb dieses Bereichs haben Bestandsschutz, neue dürfen aber nicht hinzukommen. Nicht-zentrenrelevante Sortimente wie Bau- und Gartenmarktartikel, Tierbedarf, Fahrradhandel, Möbel oder Kfz sind vorzugsweise ebenfalls im zentralen Versorgungsbereich anzusiedeln, sind aber auch an anderen Standorten möglich. Eine umfassende Sortimentliste ist im Einzelhandelskonzept aufgeführt.

Ob und welche Änderungen des Entwurfs noch erforderlich sind, darüber werden die Fraktionen in den kommenden Wochen beraten. Am 29. März soll der Rat das Einzelhandelskonzept beschließen.

Von Melanie Russ

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