Ehepaar mit vier Kindern soll in den Kosovo zurückkehren

Familie in Angst: Abschiebung droht

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Familie Krasniq lebt seit dem Herbst 2014 in Wagenfeld.

Wagenfeld - „ Es schaudert einen, wenn Besarta und Gazmen von den gewalttätigen Übergriffen berichten, die sie im Kosovo von ihren albanischen ,Nachbarn‘ erdulden mussten“, sagt Pastor Michael Steinmeyer aus Wagenfeld. Seit dem Herbst 2014, nach der Flucht, lebt das Paar mit seinen vier Kindern in Wagenfeld. Jetzt droht der Familie die Abschiebung.

Denn das Kosovo gilt nach deutschem Recht als sicheres Herkunftsland. Dorthin sollen die Eltern mit ihren Kindern Sinan (8), Esmer (5), Islam (4) und Erkan (sechs Monate) zurückkehren. Aber für sie sei der Kosovo nicht sicher. „Denn sie sind Roma“, mahnt Pastor Steinmeyer.

Allein aufgrund der Rechtslage sei der Asylantrag der Familie abgelehnt worden. „Eine Klage gegen die Ablehnung ist noch anhängig, hat aber keine aufschiebende Wirkung“, erläutert Michael Steinmeyer. Aber viele Menschen aus Wagenfeld (335 Erwachsene und 132 Kinder) hätten bereits mit ihrer Unterschrift an die Behörden appelliert, Sinan und seiner Familie einen gesicherten Aufenthalt in Wagenfeld zu ermöglichen – bisher vergeblich. „Auch die Härtefallkommission beim Niedersächsischen Innenministerium hat es abgelehnt, den Fall zur Beratung anzunehmen“, so der Pastor. Die Ausländerbehörde beim Landkreis verlängere die Duldung nur noch um jeweils zwei Wochen: „Somit könnte die Familie jederzeit abgeschoben werden.“ Damit sei die Angst wieder da – „und Angst macht krank“, so Michael Steinmeyer. Sinans Vater Gazmen habe bereits einen Psychotherapeuten aufgesucht, der ihm eine schwere depressive Episode attestierte. Nach Auskunft der Ausländerbehörde genüge das aber nicht „den Mindestanforderungen für die Darlegung und Glaubhaftmachung einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung“. Gazmen sagt: „Wenn wir zurückkehren, bringen sie uns um.“

Und Michael Steinmeyer fragt: „Wozu besucht dann Sinan seit über einem Jahr hier die Schule? Er ist jetzt in der zweiten Klasse. Wozu gehen Esmer und Islam in die Kindertagesstätte?“

„Sinan hat seit seiner Einschulung große Fortschritte gemacht“, zitiert er die Mitarbeiterin seiner Schule – und weiter: „Er hat sehr schnell Deutsch gelernt und ist gut in den Klassenverband integriert. Wenn andere Kinder sich streiten oder gar prügeln, leidet Sinan unübersehbar darunter und versucht zu schlichten.“ Die Mitarbeiterin betont: „Man verlangt von uns, dass wir mit Kindern wie Sinan arbeiten, die es auf der Flucht zu uns verschlägt. Wozu denn, wenn in seinem Fall unsere Arbeit zwar erfolgreich, aber trotzdem vergeblich ist?“

Damit die Familie in Wagenfeld bleiben kann, hat Pastor Steinmeyer eine Petition im Internet (www.change.org) veröffentlicht. Sie schließt mit den Worten: „Wir appellieren an den Landkreis Diepholz und an das Land Niedersachsen: Nutzen Sie Ihren Ermessensspielraum zugunsten von Besarta Smaqi, Gazmen Krasniq, Sinan Krasniqi, Esmer Krasniqi, Islam Krasniqi und Erkan Smaqi! Ermöglichen Sie der Familie einen gesicherten Aufenthalt in Wagenfeld, damit sie sich hier eine neue Existenz aufbauen kann!“

Wie bewertet die Ausländerbehörde beim Landkreis Diepholz den Fall? Kreisrat Markus Pragal verweist auf die bundesweite Rechtslage. Bevor ein Land als sicher eingestuft werde, sei eine gründliche Prüfung und Gefahreneinschätzung erfolgt: „Das gilt auch für ethnische und religiöse Gruppen.“ Die Abschiebung in ein sicheres Herkunftsland werde in der Regel erst verfügt, „wenn alle rechtsstaatlichen Möglichkeiten ausgeschöpft sind“.

Zum Einzelfall dürfe er aus Gründen des Datenschutzes nicht Stellung nehmen, so der Kreisrat. Dass sich Menschen für das Bleiberecht der Familie einsetzen, könne er gut verstehen. „Trotzdem sind wir an Recht und Gesetz gebunden“, so Pragal. Im Landkreis würden mittlerweile rund 500 Ausreisepflichtige leben – in einer Zeit, in der die Städte und Gemeinden nicht mehr wüssten, wo sie die vielen Flüchtlinge noch unterbringen sollen. Deshalb würden die Kommunen an den Landkreis appellieren, zu handeln.

Es bestehe auch die Möglichkeit einer freiwilligen Ausreise, so der Kreisrat. In einem solchen Fall könnten Ausreisepflichtige Rückkehrförderung erhalten. Grundsätzlich seien bis zu 1200 Euro Starthilfe möglich, ergänzt Teamkoordinator Bernd Hardemann. Wieviel Geld genau fließe, müsse im Einzelfall geprüft werden. Die Reisekosten würden bei einer freiwilligen Ausreise übernommen.

Grundsätzlich bestehe auch die Möglichkeit, ein Visum für die Wiedereinreise nach Deutschland zu beantragen. Bei Vorlage einer Zusage für einen festen Arbeitsplatz und vorbehaltlich der Genehmigung der Agentur für Arbeit sei eine Einreise dann wieder möglich – wobei der Betreffende den Lebensunterhalt für seine Familie sicherstellen müsse.

sdl

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