Gefühlswelten

Drei Künstler stellen ihre Arbeiten im Dienstleistungszentrum Wagenfeld aus

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Sigrun Wolffs (l.) „Spaziergang im Watt I“; ein gebrauchtes Ding ist die Stalltür von Gabriele Döpke-Sieber; Gary Westall neben seinem Alpenmassiv. 

Wagenfeld - Von Simone Brauns-Bömermann. Die jüngste Vernissage im Dienstleistungszentrum Wagenfeld war nicht nur Aufbruch in eine neue Kunstsaison, sondern es fand sich der Platz für Minuten der Trauer für Maler, Künstler, Philosoph und Lehrer Janusz Duda, der Anfang Januar unerwartet verstorben war. Künstler und Besucher trauerten gemeinsam bei einem ihm gewidmeten Musikstück von Saxofonist Rainer Potzkai. Ergriffenheit war sichtbar im Publikum aus Gästen und Künstlern.

Im Mittelpunkt der Vernissage zur Ausstellung „Impressionismus trifft Gefühlswelten“ standen die drei ausstellenden Künstler Sigrun Wolff (Lübbecke), Gabriele Döpke-Sieber (Rahden) und Gary Westall (Espelkamp).

Die Ausstellung, die Monika von Platen-Nimbs eröffnete und mit Brunhild Buhre die Gäste animierte mit den Künstlern zu sprechen, umfasst rund 100 Werke.

Die Vorsitzende des Vereins „Kunst in der Provinz“, Brunhild Buhre, freute sich: „Wir begrüßen heute Künstler jenseits der Grenze. Sie kommen alle aus Nordrhein-Westfalen.“ Die drei seien aber auch Mitglieder im Verein „Kunst in der Provinz“. Beim späteren Rundgang und im Gespräch mit den Künstlern stellte sich heraus, dass hier nicht nur Kreis- und Landesgrenze verschwanden, sondern auch Staatsgrenzen, wie in den ausgestellten Werken des Engländers Gary Westall. Beispiel: Sein Werk „Kingfisher/Eisvogel“ zweisprachig betitelt, oder wenn der Maler die Klippen von Dorset mit denen von Rügen mischt im Werk „Dorset/Rügen“. „Als mich die Diskussion um den Fortbestand Europas frustrierte, malte ich das Prinz-Albert-Denkmal in London und nannte es „Europa“. Westall ist ein aktueller Impressionist, malt Plein Air (Malerei unter freiem Himmel) und ist kritisch. „Als ich ein von der Deutschen Presseagentur veröffentlichtes Bild der Alpenschönheit und Erhabenheit sah, musste ich sie malen.“ Westall setzte dem Motiv, das motivisch als „Landschaftsschinken“ out ist, einen klitzekleinen Menschen hinzu und demonstrierte damit den Größenbezug. Das Bild nannte er prägnant „Die wahren Größen“. Es spiegelt eine neue Seite des sonst so filigranen Eindrücke-Sammlers, der brillant ist im Malen von hohen Himmeln, schäumenden Wassern, leuchtenden Moor- und Heidelandschaften quer durch Europa. Sein Credo: „Seht Euch die Natur an, der Lohn wird Frieden sein.“

Sigrun Wolffs Werke stehen im direkten Kontrast zu Westalls: Sie sind abstrahiert, spiegeln nicht weniger Gefühle. „Ich nehme mir die Freiheit, meine Gefühle durch meine spezielle Malerei auszudrücken“, sagt die Künstlerin und führt zu zwei Werken, die das gleiche Motiv, das Watt, zeigen, aber gemalt wurden nach jeweilig anderem Kenntnisstand. „Spaziergang im Watt I“ entstand an einem sonnendurchfluteten Tag mit meiner Tochter und heraus kam dieses lichte Werk.“ Ein Bild mit zarten Grüntönen, durchzogen von Farbigkeit, strotzend vor Fröhlichkeit. „Spaziergang im Watt II“ ist in warmen herbstlichen Braun- und Rottönen gehalten. „Zu dem Zeitpunkt hatte ich mich über das Watt, das Leben im Untergrund schlau gelesen.“ „Vertrautheit“ heißt ein anderes Werk in einnehmenden Lila-Nuancen mit dutzenden von Grautönen. Wolff malt Gefühle und blendet Konkretes aus.

Ganz konkret verarbeitet Gabriele Döpke-Sieber Relikte und Baumaterialien vergangener Epochen. „Ich liebe gebrauchte Dinge, Vergangenheit und die Geschichten dazu“, sagt die quirlige Künstlerin aus Rahden, die ganze oder Teilstücke aus Gebäuden und Bauelementen neu arrangiert und ihnen eine zweite Chance außerhalb von Müllkippe oder Feuer gibt. Döpke-Sieber fängt die Betrachter mit der „Erinnerung an Oma´s Küchenmaschine“ mit krummem Ofenrohr oder mit Arrangements aus Farbe, Patina, Holzriegeln und rostigen Nägeln ein. Sie versteht sich ein wenig als Retterin und Bewahrerin von ehemaliger Handwerkskunst. Da ist es nicht verwunderlich, dass das Werk „Erinnerungen an Oma Sofie´s Hühnerstall“ kein Bild im Fotoalbum ist. Die Malerin lässt den Stall der Kindheit entstehen, sie nimmt die gerettete Kette, ein Holzfragment und wie von Archäologen gehütete kleine Schätze, kombiniert sie mit der gemalten Doppeldör und das Bild ist komplett. „Ich lasse meine Augen an Orten spazieren gehen.“

Die Ausstellung ist bis zum 2. Mai zu sehen.

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