Alte Wände dienen junger Kunstrichtung

Digitale Bild-Kompositionen von Gabriele Beutner-Kijewski in der Auburg

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Verdrehte Realität: Gabriele Beutner-Kijewski fotografiert auch auf Baustellen. Die Bauelemente dreht und doppelt sie und komponiert damit die eigene Sichtweise auf die Dinge. 

Wagenfeld - Von Simone Brauns-Bömermann. In der Auburg dienen die alten Wände seit Samstag einer ganz jungen Kunstrichtung. Mit digitalen Bild-Kompositionen ist die Asendorfer Mediengestalterin und – wie sie sich nennt Composerin – Gabriele Beutner-Kijewski nach Wagenfeld gereist und eröffnet mit ihren Kompositionen eine neue Sicht-Welt.

„Ich rede nicht von Prachtvillen, die mit drei Millionen Euro gehandelt werden“, eröffnet Carmen Finkenstädt (Zweite Vorsitzende des Vereins Kunst in der Provinz) die neue Ausstellung. „Ich spreche von digitaler Fotografie. Konkret von Andreas Gurskys neuster Ausstellung in London und einem Werk, das diesen horrenden Erlös brachte“.

In der Auburg hängen aber nicht nur die Werke der Photo-Composerin, sondern nebendran ihre lyrischen Gedanken zum jeweiligen Thema.

Finkenstädt wählt mit dem Interview mit der anwesenden Künstlerin eine neue Form der Einführung in das Werk. Und dann sitzen zwei Frauen den Vernissage-Gästen gegenüber, die Fragen auflösen. Zur Künstlerin, ihrer Triebfeder des Genres, Meilensteine und der Bilder in Wagenfeld. „Gabriele Beutner-Kijewski war zehn Jahre in Düsseldorf leitend in einer Werbeagentur tätig, kam nach Asendorf und ist Gründerin der Plattform für Künstler- und Kunst-Präsentationen „Kunst-Schiene“ und der Galerie „Kunstschuppen“. Für sie ist es wichtig, dass Bilder nicht unbedingt schön sind, sondern vielmehr eine Aussage haben. „Und schauen Sie sich erst die Bilder an, dann die Texte, sonst sind Sie vorbelastet“, empfiehlt sie für den späteren Rundgang.

„Ich bringe verschiedene Motive und Techniken zusammen“

Finkenstädt möchte wissen, wie sie sich von anderen digital Fotografierenden unterscheidet. „Digital ist heute ein Klick. Ich verstehe mich als Composer, ich bringe verschiedene Motive und Techniken zusammen“. Die Ausstellung trägt den Namen „So gesehen …“, die Mediengestalterin meint damit den anderen Blickwinkel oder durch ein drittes Auge als zusätzliche Dimension. Es kann aber auch als Einsicht verstanden werden, wenn man eine Betrachtungsweise kritisch reflektiert.

Ihre Werke rückt sie in die Nähe der Surrealisten. Viele Motive nähern sich der Vorstellung an, etwas darzustellen, das Züge des Realen aufweist, aber traumhaft unwirklich erscheint. Beispiel: Salvador Dalis Bild „Die Beständigkeit der Erinnerung“, die scheinbar zerfließenden Uhren als surreale Tatsache.

Bei Beutner-Kijweski sind es ein Tiger, der aus einer kargen Hochhauslandschaft flieht, die Lok, die durch sich teilende Wasserfluten oder durchs Universum rattert oder die schwebenden Planeten im Vogelnest.

Verbinden und Verfremden von unterschiedlichen Motiven

Die zweite Vorgehensweise ist das Verbinden und Verfremden von unterschiedlichen Motiven am Rechner. Hai-Tech zeigt ein Portrait eines Haies mit Mercedes Benz Kühlergrill und Scheinwerfern. Bei dem regionalen Motiv der Mensa in Bruchhausen-Vilsen, die zur Multifunktionshalle umgebaut wurde, erinnert sich die Gestalterin: „Während der Bauphase habe ich unterschiedliche Fotoaufnahmen gemacht, sie später arrangiert und koloriert. Es entstand aus einer Kalksandsteinwandansicht, Staub auf der Linse und dem Licht eines Baustellenstrahlers in der Komposition eine völlig neue Ansicht, aber noch erkennbar“.

Baumaterialien verfremdet sie durch Drehen, Makroaufnahme oder Vereinzeln zu Raumfluchten und Eigenleben. Sattes Rot wird zu einer Art visuellem Kaminfeuer im Trauungszimmer der Auburg. Vor ihr ist nichts sicher: Die Brausetablette, die ins Wasser sinkt, die Niete am Stahlträger einer Brücke, die Noppenwalze in einer Fabrikhalle, die Wellbetondachplatte einmal vertikal gehängt. Ein Objekt sticht hervor: Es ist aus Pappmaschee und zart bemalt. Der Start eines Schmetterlings oder einfach ein Wesen aus der Ursuppe, meint die Künstlerin. Freundin und Weggefährtin Anett Molyrier (Ehrenburg) liest aus ihrer Lyrik zu den Hängungen für die Besucher.

Die Ausstellung bleibt bis zum 7. April in der Auburg.

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