Schüler kontrollieren Biotonnen

Dem Plastik in Wagenfeld auf der Spur

Deckel auf: 70 Biotonnen haben Julian, Ben, Lennard und Tim (von links nach rechts) bei ihrer Runde kontrolliert. Bei Fehlwürfen wurden Aufkleber angebracht.
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Deckel auf: 70 Biotonnen haben Julian, Ben, Lennard und Tim (von links nach rechts) bei ihrer Runde kontrolliert. Bei Fehlwürfen wurden Aufkleber angebracht.

Wagenfeld / Diepholz – Jugendliche gehen bei Flutlicht ihrem Fußballtraining nach, in den Straßen kehrt Ruhe ein und die herbstliche Dunkelheit legt sich über die Gemeinde Wagenfeld. Zu einer Uhrzeit, an der andere nur noch den Tag ausklingen lassen möchten, machen sich Tim, Julian, Ben und Lennard mit einer Taschenlampe und anderen Utensilien auf den Weg.

Ihr Ziel: Die Biotonnen, die schon für die Abholung am nächsten Tag auf die Straße gestellt wurden. Die Schüler der Graf-Friedrich-Schule Diepholz führen zusammen mit Dominik Albrecht von der Abfall-Wirtschafts-Gesellschaft des Landkreises Diepholz (AWG) eine Tonnenkontrolle durch. Die daraus erstellte Statistik wird Bestandteil einer Reportage, die das Quartett im Zuge des Projektes „Digitale Lernallianzen“ der Handwerkskammer Hannover plant.

„Digitale Lernallianzen“ fördert die Zusammenarbeit von Schülerinnen und Schülern mit Unternehmen. Im Zuge des Projektes lösen die Gruppen über mehrere Monate hinweg eine berufsbezogene Aufgabe. Die AWG hat sich hierfür je einer Klasse der KGS Leeste und der Graf-Friedrich-Schule Diepholz angenommen. „Da wir mit einer groß angelegten Kampagne momentan die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises über die Verunreinigung des Bioabfalls durch anorganische Abfälle aufmerksam machen, haben wir gedacht, wir binden auch unsere Schulgruppen mit in die Kampagne ein“, erklärt Dominik Albrecht, PR-Beauftragter der AWG mit Sitz in Bassum.

Korrekte Abfalltrennung für die AWG von großer Wichtigkeit

Um die Wichtigkeit der korrekten Abfalltrennung aufzuzeigen, sollen die Schüler laut Albrecht eine Reportage zum Thema „Plastik in der Biotonne“ verfassen, die am Ende auf www.awg-bassum.de für alle einsehbar ist. Wie die Recherchen dazu aussehen, bleibe den Schülern überlassen, die AWG greife nur bei Bedarf ein.

Plastiktüten seien ein wiederkehrendes Ärgernis in der braunen Tonne, so Albrecht. Aktuell würden vor allem vermeintlich „kompostierbare“ Plastiktüten ihren Weg in den Bioabfall finden. „Durch die Anbieter wird der Eindruck vermittelt, dass die Verbraucher mit dem Kauf etwas Gutes tun, immerhin sollen die Tüten sich ja komplett zersetzen“, schildert Albrecht. In Wahrheit gehörten aber auch diese Tüten nicht in den Bioabfall. Der AWG-Mitarbeiter bezeichnet die Produkte daher als „ökologische Blindgänger“: „Damit die Tüten ,biologisch abbaubar‘ genannt werden können, müssen sie sich nach zwölf Wochen soweit zersetzen, dass nur noch zehn Prozent der Bestandteile größer als zwei Millimeter sind. Unser Kompostwerk erzeugt den Humus aber innerhalb einer erheblich kürzeren Zeit von acht Wochen.“ Im Ergebnis zerfallen nicht aussortierte Bestandteile in Mikroplastik und finden ihren Weg zurück in die Umwelt.

„Leuchte mal in die Tonne. Ich glaube, hier haben wir wieder etwas.“ Julian ist derweil auf etwas gestoßen, sofort kommt die Taschenlampe zum Einsatz. Eine Plastiktüte liegt auf dem sonstigen Grünabfall. Ein Aufdruck auf der Tüte bestätigt die Vermutung: ein Vertreter der „kompostierbaren“ Abfalltüten.

Vorbereitete Statistikbögen

Die Gruppe notiert die Art des Fehlwurfes auf den vorbereiteten Statistikbögen, nimmt einen Flyer mit erklärenden Infos für den Briefkasten aus dem Rucksack und bringt einen Aufkleber mit der Aufschrift „Trenn‘ dich hier und jetzt von deiner Plastiktüte“ auf der Biotonne an. Auf dem Weg zum Briefkasten stößt die Gruppe auf die dazugehörige Anwohnerin, die das Geschehen aus der Ferne beobachtet hatte. Mit dem Flyer in der Hand sucht Albrecht aktiv den Kontakt zu ihr. „Machen Sie sich keine Sorgen“, beruhigt er mit einem Lächeln und klärt über das Projekt auf. Die Anwohnerin reagiert mit Verständnis. „Ich wusste gar nicht, dass die biologisch abbaubaren Tüten da nicht reindürfen. Dann werde die nicht mehr nutzen“, erklärt sie.

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Die Gruppe zieht weiter durch das Wohnviertel. 70 Behälter haben sie nach einer Stunde auf ihrem Weg durch die Straßen Am Entenplatz, Gänseweg, Schwanenweg, Storchenweg und Jettsfeld kontrolliert. „Ich hätte nicht gedacht, dass schon in den ersten zehn Tonnen direkt so viele Plastiktüten waren“, gibt Tim zu, der sich an die vier falsch befüllten Tonnen zu Beginn erinnert.

Immerhin habe sich die Quote mit fortlaufender Kontrolle noch relativiert. 18 Behälter wiesen insgesamt Fehlwürfe auf. Lennard kann den Fehlwürfen aber auch positive Anzeichen entnehmen. „Man merkt, dass die Leute versuchen, umweltbewusst zu handeln.“ Ben pflichtet ihm bei, sieht aber auch, „dass die Leute nicht wissen, dass kompostierbare Plastiktüten doch nicht so gut sind. Da muss man mehr aufklären.“

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