Landfrauenverein Diepholz und DRK-Ortsverein Lemförde nähen Atemschutzmasken

„Damit sollte jeder draußen rumlaufen“

Organisiert vom Landfrauenverein Diepholz stellen fleißige Näherinnen derzeit Behelfsmasken her. Über eine Lieferung freute sich unter anderem schon die Sozialstation Diepholz der Diakonie. Foto: Landfrauenverein

Wagenfeld - Von Melanie Russ. In einigen Ländern gibt es sie schon, in Deutschland wird noch über eine Atemschutzmasken-Pflicht für alle im öffentlichen Raum diskutiert. Einige Virologen wie Christian Drosten von der Berliner Charité raten zum Tragen einer Behelfsmaske oder wenigstens eines Tuchs oder Schals, der Mund und Nase bedeckt – nicht um sich selbst zu schützen, sondern die anderen. Vor dem Hintergrund dieser Diskussion hat der Landfrauen-Kreisverband Diepholz alle, die mit einer Nähmaschine umgehen können, dazu aufgerufen Behelfsmasken zu nähen.

Die entsprächen natürlich nicht den Anforderungen, die beispielsweise für medizinisches Personal notwendig seien, betont Ulrike Meyer, Vorsitzende des Landfrauenvereins Diepholz. Zielgruppe sind vielmehr die Menschen, die zwar keine professionelle Atemschutzmaske tragen müssen, aber den Mindestabstand von zwei Metern nicht einhalten können.

Nach dem Auftakt vor einer Woche hat die Aktion beim Landfrauenverein Diepholz inzwischen richtig Fahrt aufgenommen, die Nähgruppe besteht aus gut 20 Frauen. Bei den Barnstorfer und Sulinger Landfrauen läuft die Aktion gerade erst an. „Es sind schon weit über 300 richtig tolle Stücke entstanden“, berichtet Ulrike Meyer. „Deshalb sind wir schon jetzt in der Lage, zwei Pflegedienste und drei Seniorenheime bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Außerdem werden auch die Hausarztpraxen nach und nach ausgestattet.“ Es habe auch schon Anfragen aus Stolzenau gegeben, so Meyer. Die habe sie aber an die dortigen Landfrauen verwiesen. Denn die Produktion im Südkreis Diepholz soll auch den Organisationen vor Ort zugutekommen, die anderen Menschen helfen. Privatleute zeigen ebenfalls Interesse. Für sie stellt Meyer Kontakt zu den Unterstützerinnen her, die auch beruflich nähen. „Wir Landfrauen verkaufen überhaupt keine Masken“, betont Meyer.

Die Masken werden aus dichtgewebtem Baumwollstoff, beispielsweise Tischdecken oder Bettwäsche gefertigt. Zur Befestigung nutzen die Näherinnen in der Regel Gummibänder. „Die werden aber knapp“, so Meyer.

Der DRK-Ortsverein Lemförde hat ebenfalls einen Aufruf zum Nähen von Behelfsmasken gestartet, wie dessen Vorsitzende Monika Meier-Rüffer berichtet. Jeder, der eine Nähmaschine hat, kann sich beteiligen. Auch Spenden von Stoffresten sind gern gesehen.

Es gebe bereits eine Vereinbarung mit der Burg-Apotheke und der Löwen-Apotheke in Lemförde, die Behelfsmasken dort gegen eine kleine Spende von ein oder zwei Euro an Interessierte abzugeben, so Meier-Rüffer.

Einer der „Kunden“ der Landfrauen ist die Hausarztpraxis von Dr. Gerd Bunge in Wagenfeld. Der Allgemeinmediziner ist ebenfalls ein Befürworter der Behelfsmasken für alle. In seiner Praxis verwendet er die selbst genähten Exemplare nicht, denn dort ist ein höherer Schutzstandard erforderlich. „Aber draußen sollte damit jeder rumlaufen“, findet Bunge. Wichtig sei, dass die Stoffmasken regelmäßig bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Dann seien die Viren kaputt.

„Die Maske schützt mich nicht, aber ich schütze damit andere“, erklärt er, warum sie aus seiner Sicht absolut Sinn macht. Etwa 80 Prozent der mit dem Coronavirus Infizierten hätten keine Symptome, wüssten also gar nicht, dass sie andere anstecken können. Mit der Maske schütze man andere vor der eigenen feuchten Atemluft, in der sich die Viren halten können. Das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit könne auch das Bewusstsein in der Bevölkerung stärken, dass man nicht nur sich selbst, sondern auch sein Gegenüber vor einer Ansteckung schützen müsse.

In Bunges Praxis herrscht übrigens bereits Maskenpflicht für alle. „Wer klingelt, bekommt als erstes eine Maske auf die Nase.“

Mitmachen

Wer die Aktion der Landfrauen oder des Deutschen Roten Kreuzes Lemförde unterstützen möchte, sei es mit dem Nähen von Masken oder Stoffspenden, kann sich an folgende Ansprechpartner wenden.

Landfrauen Diepholz: Ulrike Meyer, Tel. 0171/6419253 (am liebsten per WhatsApp)

Landfrauen Barnstorf: Imke Abeling, Tel. 05442/8055901

DRK Lemförde: Monika Meier-Rüffer, Tel. 05443/929557

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