Ende einer Tabuzone?

Friedhof-Diebstahl: „Bringen sie die Taten unbedingt zur Anzeige“

+
Ein Friedhof, im Bild die Anlage an der Straße „Am Hundeort“ in Wagenfeld, sollte ein Ort der Ruhe und Besinnung sein. Friedhöfe sind jedoch immer öfter das Ziel von Dieben. In der Region halten sich die Diebstähle glücklicherweise im Rahmen. 

Lemförde/Rehden/Wagenfeld - Von Marcel Jendrusch. Kriminelle Energie kennt keine Grenzen. Selbst Friedhöfe sind für Diebe keine Tabuzonen mehr. Längst werden nicht mehr „nur“ Blumen von den Gräbern gestohlen, gewissenlose Zeitgenossen nehmen alles mit, was nicht niet- und nagelfest ist – vor allem teure Grablampen- oder -schalen aus Bronze, Messing, Granit beziehungsweise Marmor. Wie sieht das in der Region aus?

„Im Bereich ,Lemförde, Rehden und Wagenfeld‘ hatten wir in den vergangenen Jahren nur ganz wenige Diebstähle solcher Art“, erklärt Arno Zumbach, Pressesprecher der Polizeiinspektion Diepholz.

In vielen Teilen Deutschlands sieht das anders aus. Wer beispielsweise die Begriffskombination „Grab“ und „Diebstahl“ in die Internetsuchmaschine „Google“ eintippt, findet zahlreiche Seiten, auf denen über entsprechende Delikte berichtet wird. Immer wieder im Fokus: Grablichter, Heiligenfiguren oder an Grabsteinen angebrachte Buchstaben.

Für die Angehörigen der Verstorbenen ist das doppelt bitter. Neben dem teils hohen finanziellen Verlust, die Beträge können schnell vierstellig werden, muss auch der Frust über die Zerstörung der Grabstelle und der mangelnde Respekt vor dem Toten bewältigt werden.

„In Lemförde ist das glücklicherweise kein nennenswertes Thema“, sagt Pastor Eckhart Schätzel im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch Anne-Cathrine Szczawinski von der Samtgemeindeverwaltung „Altes Amt Lemförde“ sind keine Fälle bekannt. 

Ähnlich äußert sich Angela Brüning, in der Samtgemeinde Rehden zuständig für Bestattungen.

Dörthe Meyer vom Pfarrbüro der St.-Antonius-Kirchengemeinde Wagenfeld ist auf Grabdiebe überhaupt nicht gut zu sprechen. „Wir haben hier in Wagenfeld zwar auch keine großen Probleme, aber es ist in den vergangenen Jahren durchaus vorgekommen, dass Dinge von Gräbern gestohlen worden sind. Ich verstehe nicht, wie Menschen so etwas tun können.“ In Wagenfeld habe man in der jüngsten Vergangenheit aber eher Probleme mit Sachbeschädigung, vor allem an der Kapelle, gehabt.

Einen wirksamen Schutz gegen den Diebstahl von Grabausstattung gibt es kaum. Zwar ist es möglich und auch in Mode, ein Grab teilweise mit Granitplatten abzudecken, in die dann Vasen, Lampen oder Schalen eingelassen sind, die Kosten dafür sind jedoch auch entsprechend höher.

Diverse Versicherungsgesellschaften bieten zudem sogenannte Ruhestätten-Schutzbriefe an. Ob Kosten und Nutzen bei dieser Art von Police in Einklang stehen, sei dahingestellt.

Arno Zumbach vermutet, dass die tatsächliche Anzahl der Taten höher ist, als die Statistik ausweist. „Ich denke, dass der Großteil der Betroffenen auf eine Anzeige verzichtet. Nach dem Motto: ,Bringt ja sowieso nichts‘.“ Zwar sei es in der Tat schwer, gestohlene Grabutensilien zu finden, da diese schnell weiterverkauft oder eingeschmolzen würden, dies solle die Bürger jedoch nicht abhalten, sich bei der Polizei zu melden. Zumbach betont: „Ich kann nur jedem raten: Bringen sie die Taten unbedingt zur Anzeige.“

Mehr zum Thema:

Manchester-Attentäter soll IS-Kontakt gehabt haben

Manchester-Attentäter soll IS-Kontakt gehabt haben

Manchester nach dem Anschlag: Ein Bild von Trauer und Wehrhaftigkeit

Manchester nach dem Anschlag: Ein Bild von Trauer und Wehrhaftigkeit

Abend der Talente an der Realschule Verden 

Abend der Talente an der Realschule Verden 

In diesen 10 Berufen arbeiten die glücklichsten Menschen

In diesen 10 Berufen arbeiten die glücklichsten Menschen

Meistgelesene Artikel

Sportpark-Feuer: Jugendstrafen mit Bewährung 

Sportpark-Feuer: Jugendstrafen mit Bewährung 

Gunter Gabriel: „Die Vilser vertragen ungehobelte Sprüche“

Gunter Gabriel: „Die Vilser vertragen ungehobelte Sprüche“

Eindrucksvoller Beweis: „Drebber kan dat“

Eindrucksvoller Beweis: „Drebber kan dat“

Kommentare