„Das Böse ist unter uns, immer und überall“

Duo „dulabi“ lädt zum „Kriminaltango“ in die Wagenfelder Auburg ein

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Die Musikerinnen bekamen „Unterstützung“ durch ihre Handpuppen Celina Python und Götz E. 

Wagenfeld - Von Simone Brauns-Bömermann. Angekündigt waren sie als Duo – ehemals „Duo LadyBirds“, jetzt „dulabi“ – das sind Heike Michaelis (Klavier, Gesang, Marimba und Rezitation) und Regina Fischer (Saxophon, Klavier, Gitarre, Rezitation). Gekommen waren die Vollblutmusikerinnen mit Hang zum Schauspiel mit Celina Python, laszive Schlangendiva mit Sinn für Oper und Götz E., Dichter, Raucher, Weintrinker. Letztgenannte in Grün und Blau, liebevolle Handpuppen durch ihre Puppenspielerinnen Heike und Regina zum Leben erweckt.

Einen Ritt durch die Kriminalgeschichte der letzten Jahrhunderte in Musik, Literatur und Film erlebte das Publikum der Auburg am stürmischen Samstagabend. Genau die Stimmung, die Agatha Christie und Miss Marple so lieben, wenn die Dunkelheit einen Schleier auf Grauen und Unwirtlichkeit legt, der Wind um die Ecke heult. „Kriminaltango“ hieß das Programm der zwei Musikerinnen aus dem Raum Frankfurt, die beide mehrere Instrumente spielten, sangen, rezitierten und mit viel Spielwitz ihr Publikum zum Staunen brachten.

Es war nicht Primetime der Krimibegeisterten, kein Sonntagabend im Fadenkreuz des Klassikers „Tatort“, aber Michaelis und Fischer machten die Bühne in der Auburg zu ihrem Tatort: Keine Recherche hatten die schauspielaffinen Musikerinnen gescheut, um den Querschnitt möglichst breit aufzustellen aus den Tiefen der menschlichen Boshaftigkeit. Ging es noch nett mit dem Schlager „Ohne Krimi geht die Mimi nicht ins Bett“, der Bill Ramsey und Trude Herr in Erinnerung rief, los, feuerten die Damen mit mörderischer Literatur weiter.

Die Sprache brutal, cool, gruselig

Friedrich Holländer schrieb das Lied „Die Kleptomanin“, Celina singt mit Heikes Stimme obsessiv das Lied vom Klauen, Rauben, Stehlen. Dann erscheint das blaue Krokodil Götz E. aus dem Kasten mit Regina und rezitiert, rauchend und ziehend wie Helmut Schmidt die Moritat von Frank Wedekind „Der Tantenmörder“. Die Sprache brutal, cool, gruselig. Nicht genug dieser Art literarischer Auseinandersetzung mit dem Thema Verbrechen: Die Damen fanden von Heinrich Heine „Ein Weib“, von Friedrich Schiller „Ein Räuberlied“ und von Erich Kästner die „Ballade vom Nachahmungstrieb“. Man mag kaum daran denken, was Kästner da so geschrieben hatte, den man sonst mit dem „Der 35. Mai“ oder „Pünktchen und Anton“ in Verbindung bringt. „Sie hatten das Büble“ aufgehängt, an der Teppichstange in der Bleiche, die Spielkameraden, das Büble war dod“, rezitiert Regina alias Götz eiskalt und in astreinem Badisch.

Weil das den beiden aber doch zu gruselig ist, lassen sie ohne weiter nachzudenken die Hells Bells von AC/DC läuten, rocken die Bühne mit Head Banging und Rockergruß. Wenn zwei Menschen den gleichen Gedanken hegen, die Versicherung zu betuppen, kommt dabei eine Mordgeschichte wie die von Jan Schröter heraus. „Gattenglück“ hieß die, von Regina gelesen und musikalisch von Heike begleitet.

Musikerinnen voller Power

Die gar nicht so braven Musikerinnen sind voller Power, sie können „Killing“ in der Form von „Killing me softly“ wie einst Roberta Flack und „Killing in the name of“ metallisch wie „Rage against the machine“. Um gleich danach ins Rom des beginnenden 19. Jahrhunderts zu switchen zu Mario und Tosca, des Maestros Puccini. Brillante Arien von Heike, die Celina die Stimme leiht. Zwar werden final aus Celina Python und Götz E. nicht das Gangsterpaar Bonnie und Clyde aber immerhin ein Duett wie Robbie Williams und Nicole Kidman mit Song „Something Stupid“.

„Das Böse ist unter uns, immer und überall“, hatte Heike philosophiert und im Kriminalmedley auf die Mithilfe der Soundtracks bekannter Krimis aus dem Publikum gehofft: Darunter Inspektor Clouseau, Derrick, Magnum, Der Kommissar, Miss Marple, Tatort, Law and Order, Der Alte, Ein Fall für zwei und Skyfall.

Ihren Mann bekam die Besucherin der ersten Reihe lebendig wieder: Heike lieh sich den Herrn zum „Kriminaltango“ von Piero Trombetta im „Crime-Events“. „Puh, das ging ja noch mal gut…“.

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