Bodenexperte Thomas Bandel: „Weitermachen wie bisher ist keine Option“

„Ausgebeutet und tot“

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Für Tobias Bandel sind Böden global generell zu stark beansprucht.

Ströhen - Der Bodenexperte Tobias Bandel machte am Donnerstag Zwischenstopp in den „Moorwelten“ in Ströhen zwischen seiner Reise von China nach Ägypten. Der Fachmann befasst sich mit der Pflege des Bodens als ökologische und ökonomische Notwendigkeit, berät große Konzerne auf der ganzen Welt zu nachhaltiger Bewirtschaftung und Schonung der Bodenressourcen.

Bandel kommt aus der Landwirtschaft, wirtschaftete schon viele Jahre in Ägypten, bevor er vor acht Jahren seine Firma Soil & More gründete, die unter anderen mit der Weltbank und dem US Entwicklungsministerium zusammenarbeitet. „Ich glaube ich habe Landwirtschaft in der DNA und liebe den Boden“, so der Experte. Für den wissenschaftlichen Leiter des EFMK, Dr. Geerd Smidt, war das Jahr des Bodens 2015 längst überfällig: „Wir erwirtschaften 90 Prozent der Nahrungsmittel darin, deshalb gilt dem Boden besondere Aufmerksamkeit.“

In China arbeitete Bandel mit dem chinesischen Landwirtschaftsministerium an einem Projekt „Klimafreundliche Landwirtschaft“ und evaluierte Landwirte da hingehend. In Ägypten werde er nach der Pfingstpause für einen privaten Auftraggeber Betriebe beraten, um Investitionen zu schützen.

In Ströhen stand der sich als pragmatisch herausstellende Fachmann Bürgern, Gartenfachleuten, Landwirten, Biologen, Wissenschaftlern und Dr. Jochen Thiering, Kreisverbandsgeschäftsführer des Landvolkes Diepholz gegenüber. Schnell stellte sich heraus, dass der Titel des Vortrages „NährBODEN für nachhaltige Landwirtschaft“ global zu werten war, nicht wie vielleicht einige fragende Gesichter erhofften, ganz praktische Tipps zur Kompostierung lieferte. Bandel stellte allen Fakten voran, wie aus dem Weltagrarbericht hervorging: „Business as usual is no option“ (Weitermachen wie bisher ist keine Option), gemeint der Umgang mit der Ressource Boden, aufgrund des Grades von Technisierung und Einsatz von Dünge- und Spritzmitteln in der aktuellen Landwirtschaft.

Er erläuterte den Wahnsinn im Umgang mit Düngemitteln und Wasserverbrauch in Ländern wie Südamerika, Afrika, Indien und China. „Die meisten Böden sind inzwischen ausgebeutet und tot.“ Er führte dies auf falsche Beratung zu Düngemittel- und Herbizideinsatz zurück. Viel zu viele Rückstände fänden sich später im Wasserkreislauf. „So liegen zum Beispiel Grünabfälle in Afrika auf Halde, teurer Dünger wird in Europa eingekauft. Ein Wahnsinn“, wie er findet. Jahrelange Düngung versalze die Böden, Wasser wird nicht mehr aufgenommen und fließt bis ins Grundwasser. Viele große Firmen gäben Studien in Auftrag, nicht weil sie so ökologisch dächten, sondern weil die fehlende Bodengesundheit mehr und mehr ein Problem in der Produktion und damit in der Effizienz darstelle. Nachhaltigkeitsbestrebungen passierten sowohl auf ökologischer wie auf sozio-ökonomischer Ebene, so Bandel. Der Boden sei das schwarze Gold des Landwirtes, er spiele eine zentrale Rolle. Je lebendiger er sei, desto resistenter sei er bei Krankheiten und Erosion. „Auf dem landwirtschaftlichen Betrieb gibt es keinen Abfall“, die perfekte Überleitung zu natürlicher Düngung aus dem Rezeptbuch der Vorväter, dem Kompost. Bandel stellte die Zutaten vor, die verschiedenen Verfahren und die Neuerungen wie flüssigen Kompost-Tee. Kompost sei ein wichtiger Bestandteil zur Verbesserung der Bodenstruktur.

„Irgendwo ist die Erkenntnis, dass Landwirtschaft ein Kreislauf ist, auf unserem Weg, dass technisch und chemisch nahezu alles machbar ist, verschüttet gegangen“ gab er zu bedenken. Nur ein ganzheitlicher Ansatz führe zu wirklicher Nachhaltigkeit: Fruchtfolge, Zwischenfrüchte, Bodenbearbeitung, Düngung/Kompost und das Verhalten der Konsumenten. Hier appellierte er ausdrücklich an Letztere: „Lebensmittel müssen neu bewertet werden.“

sbb

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