Stammzellspender dringend gesucht

Diagnose Blutkrebs: Plötzlich war das Leben von Ralf Kröger auf den Kopf gestellt

Ein Bild aus besseren Zeiten im Urlaub in Grömitz. Im Sommer wurde bei Ralf Kröger aus Wagenfeld Leukämie diagnostiziert. Jetzt sucht er einen Stammzellspender.
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Ein Bild aus besseren Zeiten im Urlaub in Grömitz. Im Sommer wurde bei Ralf Kröger aus Wagenfeld Leukämie diagnostiziert. Jetzt sucht er einen Stammzellspender.

Im Sommer erhielt Ralf Kröger aus Wagenfeld die schockierende Diagnose Leukämie. Seither wartet der 61-Jährige auf einen passenden Stammzellspender. Viel Zeit bleibt ihm wahrscheinlich nicht mehr.

Wagenfeld – Im ersten Moment hatte Ralf Kröger die Tragweite der Diagnose gar nicht richtig realisiert. Blutkrebs! „Ich dachte, mit ein bisschen Blut auswechseln wäre das erledigt“, beschreibt der 61-jährige Wagenfelder seine erste Reaktion, nachdem er Anfang Juni die Diagnose erhalten hatte. Es dauerte allerdings nicht lange, bis ihm dämmerte, dass es so einfach nicht ist, dass die Krankheit sein Leben und das seiner Familie völlig auf den Kopf stellen würde. Und dass er ohne eine Stammzellspende nicht mehr lange überleben wird. Ein Wettlauf mit der Zeit begann.

Da die weltweite Suche nach einem „genetischen Zwilling“ bislang erfolglos blieb, haben seine Familie und Freunde nun gemeinsam mit der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) eine Online-Registrierungsaktion gestartet. „Wir sind froh, dass wir über diesen Weg zur Registrierung aufruhen können“, sagt seine Tochter Saskia. „Es ist jetzt wichtig, dass viele Menschen mitmachen und sich als potenzielle Stammzellspender registrieren.“

So funktioniert die Stammzellspende

Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, kann sich mit wenigen Klicks die Registrierungsunterlagen nach Hause bestellen. Die Registrierung geht einfach und schnell. Mithilfe von drei medizinischen Wattestäbchen und einer genauen Anleitung kann jeder nach Erhalt des Sets selbst einen Wangenschleimhautabstrich vornehmen und diesen zusammen mit einer Einverständniserklärung per Post zurücksenden. Im Labor werden anschließend die Gewebemerkmale bestimmt.

Besonders wichtig ist laut DKMS, dass die Wattestäbchen nah dem erfolgten Wangenschleimhautabstrich zeitnah zurückgesendet werden. Erst wenn die Gewebemerkmale bestimmt wurden, stehen Spender für den weltweiten Suchlauf zur Verfügung. Die DKMS weist darauf hin, dass einmal in die Datenbank aufgenommene Daten auch weiterhin weltweit für Patienten zur Verfügung stehen.

Die DKMS ist eine internationale gemeinnützige Organisation, die sich dem Kampf gegen Blutkrebs verschrieben hat. Sie wurde 1991 in Deutschland gegründet. Weltweit mehr als zehn Millionen Spender sind in ihrer Datenbank registriert.

Auch Geldspenden können helfen, Leben zu retten. Laut DKMS entstehen für jede Neuaufnahme eines Spenders Kosten in Höhe von 35 Euro. DKMS-Spendenkonto: IBAN DE07700400608987000253, Verwendungszweck: RKW 001

Bis zum Juni war die Welt für den 61-Jährigen in Ordnung. Er ging mit Leib und Seele seinem Beruf als Anlagenfahrer nach und verbrachte seine Freizeit am liebsten mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern. Ruhe und Entspannung fand er bei der Gartenarbeit und seinen Hühnern. Mit seinem handwerklichen Geschick war er stets zur Stelle, wenn Familie oder Freunde Unterstützung brauchten. „Wenn irgendwas ist, ist Papa immer der Erste, der da ist“, erzählt Tochter Saskia.

Doch plötzlich fühlte sich Ralf Kröger schlapp und träge, hatte tagelang Erkältungssymptome. Als trotz Behandlung keine Besserung auftrat, machte sein Hausarzt eine Blutkontrolle. Danach ging alles ganz schnell. Noch am selben Abend habe er den alles verändernden Anruf bekommen, erinnert sich der 61-Jährige. Die schockierende Diagnose: AML, eine aktue Form von Leukämie. Wenig später habe er sich schon in der Notaufnahme des Vechtaer Krankenhauses befunden. Von dort sei er in das Klinikum in Oldenburg verlegt worden. Eine Krankenschwester habe ihn mit dem Satz verabschiedet: „Sie schaffen das schon.“ „Da habe ich gemerkt, dass es wirklich ernst ist“, blickt Ralf Kröger zurück.

Dank der Medikamente gehe es ihm körperlich momentan gut, aber seelisch sei es natürlich eine Belastung, erzählt er. Zumal er kaum Möglichkeiten hat, sich abzulenken. „Ich darf ja nichts machen“, sagt Kröger, denn er muss sich zwingend vor allen Keimen schützen. Seine Zeit verbringt er darum weitestgehend allein in seinem Zimmer, schaut Fernsehen oder „daddelt“ auf dem Tablet. Wenn er das Zimmer verlässt, dann nur gut geschützt mit Maske, Handschuhen und Schutzkittel. Selbst seine Frau und seine Töchter müssen auf Abstand bleiben, an Besuch ist gar nicht zu denken. Kontakte zu Freunden sind ausschließlich telefonisch oder über Textnachrichten möglich.

Auch die kulinarische Abwechslung hält sich in Grenzen. Nüsse, Früchte, frische Milchprodukte, selbst gemachte Marmelade, Mett – alle frischen Produkte, die Keime enthalten könnten, sind im verboten.

Eine der wenigen Ablenkungen sind Spaziergänge an der frischen Luft. Aus der Ferne beobachtet er dann auch seine Hühner, denn zu nahe kommen darf er ihnen nicht.

Aktuell seien seine Blutwerte recht gut, berichtet Ralf Kröger. Das gibt ihm Hoffnung, dass er vielleicht ein bisschen länger Zeit hat, auf einen passenden Spender zu warten. Gewissheit bekommt er am 1. Dezember, wenn das Ergebnis einer Knochenmark-Untersuchung vorliegen soll. Dann werde sich entscheiden, ob er warten könne oder eine weniger geeignete Stammzellspende annehmen müsse, so Kröger. Die würde sein Leben vielleicht etwas verlängern, aber nicht retten.

Blutkrebs und Stammzellen

Blutkrebs ist ein Sammelbegriff für verschiedene bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems, bei denen Blutzellen entarten und sich unkontrolliert vermehren. Diese entarteten, bösartigen Zellen verdrängen die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten).

Rote Blutkörperchen transportieren normalerweise Sauerstoff, weiße Blutkörperchen bekämpfen Infektionen und Blutplättchen stoppen Blutungen. Werden diese gesunden Blutzellen von funktionsuntüchtigen, kranken Zellen verdrängt, kann das Blut seine lebensnotwendigen Aufgaben nicht mehr übernehmen.

Die Stammzellen, die für eine Transplantation benötigt werden, befinden sich im Knochenmark aller Knochen, in geringer Konzentration auch im peripheren Blut. Sie sind die Mutterzellen aller Blutzellen und für die Blutbildung zuständig. Quelle: DKMS

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