Projektentwickler informiert Rat über Pläne

Biogasanlage in Ströhen: Skepsis bleibt

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Zahlreiche Zuhörer verfolgten in der Auburg die Diskussion über eine in Ströhen geplante Biogasanlage.

Wagenfeld - Von Melanie Russ. Es ist ein Unterfangen von gewaltiger Dimension. Täglich knapp 100 Tonnen Biomasse soll die Biogasanlage in Energie umwandeln, die Prokon Regenerative Energien am Erlenweg in Ströhen errichten möchte.

Während der Projektentwickler Norbert Bachmann von einem zukunftsweisenden Unternehmen spricht, das der Überdüngung der Äcker entgegenwirken kann, sind Nachbarn, Rat und Verwaltung skeptisch. Am Dienstagabend stellte er das Vorhaben in Sitzung des Rates in der Auburg erneut vor und beantwortete Fragen der zahlreichen Zuhörer.

Die Prokon Regenerative Energien hatte den Bau der Anlage am 21. Dezember 2018 beim Gewerbeaufsichtsamt Hannover beantragt. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens wurde die Gemeinde Wagenfeld um eine Stellungnahme gebeten, die bis zum 28. Februar in Hannover eingehen muss.

Die Anlage soll jährlich aus 35 000 Tonnen Biomasse Methangas produzieren, das ins Gasnetz eingespeist werden soll. Bei den Rohstoffen handelt es sich in erster Linie um Geflügelkot, Rindermist sowie Rinder- und Schweinegülle. Etwa drei Tonnen bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen wie Maissilage oder Grünschnitt. „Wir werden aus ethisch-moralischen Gründen keinen Mais verwenden“, betonte Bachmann. Eine Ausnahme könnten verdorbene Chargen sein, Mais vom Feld werde aber generell nicht verarbeitet. In Kooperation mit der Universität Osnabrück wolle man erforschen, wie der Anteil von Grünschnitt aus der Umweltpflege erhöht werden könne.

Auf Nachfrage eines Zuhörers, woher Mist und Gülle denn kommen sollen, verwies Bachmann auf die Zusammenarbeit mit dem Maschinenring Diepholz/Sulingen. Geschäftsführer Stefan Wöbse hat schriftlich zugesichert, dass die Nährstoffe aus einem Umkreis von maximal 30 Kilometern stammen werden. Ihre Herkunft werde lückenlos dokumentiert.

Aus Sicht Bachmanns sind für die Gemeinde Wagenfeld nur zwei Fragen wesentlich: Ist das Vorhaben im Rahmen des bestehenden Bebauungsplans möglich, und reichen die Kapazität der Druckleitungen und die Leistung der Pumpstationen aus, um das Abwasser (etwa 18800 Kubikmeter im Jahr) zur Kläranlage zu transportieren? Bachmann selbst beantwortet beide Fragen mit Ja - eine Einschätzung, die nicht alle Beteiligten teilen.

So hatte der Planer Michael Schwarz, der an der Aufstellung des Bebauungsplans mitgewirkt hatte, in der jüngsten Bauausschusssitzung erklärt, er gebe eine so große Biogasanlage nicht her. Bürgermeister Matthias Kreye möchte sichergestellt wissen, dass alle Pumpstationen auf dem Weg zum Klärwerk mit der zusätzlichen Abwassermenge umgehen können und genügend Kapazitäten für weitere Unternehmen bleiben, für die die Gemeinde gerade ein großes Gewerbegebiet ausweist. Norbert Bachmann erklärte diesbezüglich, es sei möglich, in der Anlage Abwasser zurückzuhalten und zu Zeiten in das Netz einzuleiten, in denen es weniger ausgelastet sei.

Die Nachbarn in Ströhen beschäftigen vor allem drei Fragen. Zum einen ist da der Verkehr auf dem Renzeler Weg. Laut Bachmann werden über diese Zufahrt an jedem Werktag etwa neun Lkw die Biogasanlage anfahren. Gelegentliche Fahrten an Samstagen seien möglich. Als die Firma Tacke dort noch aktiv gewesen sei, seien es täglich etwa 17 Fahrten gewesen, erinnerte er. Der Renzeler Weg sei für dieses Verkehrsaufkommen ausgelegt.

Die Anwohner sehen das anders. Sie verwiesen in der Sitzung zum einen auf den schon jetzt „arg demolierten“ Zustand der Straße. Sie fürchten, bei einer Sanierung kräftig zur Kasse gebeten zu werden. Zum anderen sehen sie eine erhöhte Gefährdung ihrer Kinder auf dem Schulweg. In Wagenfeld wolle man die Bushaltestelle am Marktplatz verlegen, damit die Kinder nicht die Hauptstraße überqueren müssten, erinnerte eine Ströherin. „Es kann nicht sein, dass unsere Kinder bei so viel Verkehr auf der Straße fahren sollen.“ Es müsse zumindest ein Fahrradweg eingerichtet werden. „Ich habe Angst um meine Kinder“, machte ein Ströher unmissverständlich klar. „Warum baut man die Anlage hier und nicht da, wo der Mist entsteht“, fragte er und meinte damit die Region Vechta/Cloppenburg. Denn er ist wie viele andere skeptisch, dass in der näheren Umgebung genügend Biomasse für die Anlage produziert wird.

Sorgen machen sich die Ströher auch wegen einer möglichen Geruchsbelästigung, die laut Norbert Bachmann allerdings praktisch ausgeschlossen ist. Die Gülle wird demnach direkt vom Lkw in die Anlage gepumpt, der Mist wird in einer Halle gelagert, in der Unterdruck herrscht. Dadurch könne bei geöffnetem Tor keine Luft entweichen. Auf Einladung Bachmanns wollen sich einige Einwohner bei einem Ortstermin bei einer ähnlichen Anlage über deren Arbeitsweise informieren.

„Ich habe das Gefühl, viele von ihnen wissen gar nicht, worüber wir reden“, verteidigte Diplom-Ingenieur Reinhard Meiners, der das Anlagenkonzept für das Genehmigungsverfahren erstellt, das Vorhaben. „Wir wollen verhindern, dass noch mehr Stickstoff ins Grundwasser gelangt.“ Das Projekt entspreche den Zielen der Bundesregierung.

Um sicherzustellen, dass die Interessen der Gemeinde Wagenfeld im Genehmigungsverfahren ausreichend berücksichtigt werden, hat die Verwaltung mit Zustimmung des Rates einen Fachanwalt hinzugezogen.

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