„Een Engel up Bewährung“ feiert Premiere auf der Freilichtbühne Wagenfeld / Darsteller überzeugen mit großem Talent

Rückkehr auf die Erde: Ehen stiften – Flügel verdienen

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Der Engel auf seiner Mission: Hans (Carsten Falldorf, r.) arbeitet hart an der Stiftung von drei Ehen, damit er seine Flügel bekommt. Bei Magda (Bianca Mackenstedt) und Alwis (Hermann Spreen) hat er schon fast Erfolg gehabt. Sie kommen sich näher.

Wagenfeld -Von Simone Brauns-Bömermann. „Da ist noch Luft nach oben“, war die erste Reaktion der Organisatoren an der Kasse der Freilichtbühne Wagenfeld. Lediglich 160 Gäste wollten die Premiere des Stücks „Een Engel up Bewährung“ sehen. Dies war jedoch eine Verdopplung der Premierenbesucher aus dem vergangenen Jahr. Dass Premieren eher schlechter besucht sind, das Publikum aber letztlich den Ausschlag für das Gelingen der gesamten Spielsaison geben wird, ist bekannt. Wenn die, die vor Ort waren, eine gute Kritik liefern, läuft die Saison gut.

Wilhelm Falldorf, früherer Wagenfelder Bürgermeister, war zufrieden: „Nach dem Start wusste ich erst nicht, wo das alles hingehen soll. Es ist ein so ganz anders geartetes Stück als sonst. Aber die Schauspieler wachsen ja förmlich über sich hinaus“.

Zum Stück sei gesagt: Es schien wirklich jeder die Rolle seiner Bestimmung gefunden zu haben und die Laiendarsteller fanden genau das Maß zwischen realem Spiel und Überspitzung ihrer jeweiligen Charaktere. In drei Akten gaben sie mal mehr, mal weniger einfach dem „Engel up Bewährung“ (Carsten Falldorf), die Chance drei Ehen auf Erden zu stiften, um sich seine Flügel zu verdienen.

Frohlockende, weiche Wolken im Himmel oder reinigendes Fegefeuer in der Hölle, ein wenig Einfluss, wohin die Reise später geht, hat der Mensch auf Erden schon. Nur schade, dass der sündige Hans ein Jahr zu früh stirbt. Er kommt mit Sonderrechten ausgestattet zurück auf die Erde. Ob er schon ankam, das kontrollieren wortgewandt und neckisch am Ende des ersten Aktes fünf „Lernengel“ und eine „Engelchefin“ (Plattsnackers). Für Hans‘ Hinterbliebene kehren schnell die Sorgen wieder ein, wenn ausgerechnet der reiche Willi Schmuser (Walter Rogge) auftaucht mit einer ganzen Aktentasche voller Schuldscheine des Verstorbenen und ein Auge auf seine Witwe Emma Maurer (Henrike Heine) wirft.

„Willi ist der reichste Bauer aus Wagenfeld“, Emma muss ihn nur heiraten, um ihre Sorgen ad acta zu legen. Tochter Gabi (Janine Hagelmann) findet schnell an dem emanzipierten jungen Bernd Schmuser (Frederik Tepe) Gefallen. Der kann kochen, putzen, waschen, bügeln, backen, wickeln, häkeln und mehr.

Frederik Tepe brilliert in seiner ersten Rolle bei den Laienspielern, die ihn direkt auf die Karriereleiter hoben, ihn von den Plattsnackern holten und mit einer witzigen Rolle versahen. Wie aber als Paar Magda (Bianka Mackenstedt) und den trinkfreudigen Alwis (Hermann Spreen) verbandeln? Die List von Hilfsengel Hans geht auf: Magda ist einsam und wartet schon lange auf den „Richtigen“ zum Heiraten. Alwis hört sein Gewissen (Hans Maurer, der Engel): „Magda, Du bist meine Buße“.

Das Stück hat ruhige Passagen, in denen die Schauspieler sich Zeit lassen, ihre Rollen dezidiert und tiefer zu spielen. Eine existenzielle Alterssorge drückt: „Wie soll es hier mit den Schulden weitergehen?“, fragen sich die drei zurückgelassenen Frauen (Mutter, Witwe und Tochter) beim Beerdigungskaffee.

Wunderbar gespielte Wein- und Schluchzer-Szenen mit großem schauspielerischem Talent und hervorragender Gestik und Mimik wechseln mit rasanten Radfahrszenen auf der Bühne von Alwis. Überhaupt scheint Hermann Spreen die Rolle seines Lebens gefunden zu haben. Brigitte Spreen „ist“ für zwei Stunden die verschlagene Hilda Raffke und Henrike Heine eine mehr als überzeugende mal traurige, mal lustige Witwe. Bianca Mackenstedt verkörpert eine authentische „Oma Magda“ in Kittelschürze, mit Gehstock und gebeugtem Gang. Ohne Küssen geht im Stück gar nichts, entweder freiwillig oder vom Engel mit unsichtbarer Hand erzwungen.

Die Zuschauer können sich zusätzlich auf pfiffige pyrotechnische Effekte freuen. Ein Engel kommt ja nicht einfach so um die Ecke und im Stück hat er eine gar nicht so ungefährliche Rolle.

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