Trockene Sommer richteten viel Schaden an

Baumkletterer Axel Tatgenhorst aus Wagenfeld pflegt Bäume auf die sanfte Art

Der Wagenfelder Baumkletterer Axel Tatgenhorst rückt Bäumen mit Kletterausrüstung und Motorsäge zu Leibe.
+
Der Wagenfelder Baumkletterer Axel Tatgenhorst rückt Bäumen mit Kletterausrüstung und Motorsäge zu Leibe.

Wagenfeld – Der Wagenfelder Baumkletterer Axel Tatgenhorst hat momentan gut zu tun. Zwei Gründe sind die extrem trockenen Jahre 2018 und 2019, die manchen Baum dahin gerafft haben, und die Corona-Pandemie, die vielen Menschen viel Zeit für den eigenen Garten beschert.

Mit einem Kettensägenlehrgang fing alles an. Den musste Axel Tatgenhorst absolvieren, als er für den BUND Diepholzer Moorniederung in der Moorpflege tätig war. Die Arbeit mit Bäumen machte dem Wagenfelder soviel Spaß, dass er später in der Starkholzfällung im Harz arbeitete und begann, sich auch intensiv mit der Baumpflege zu beschäftigen. Vor etwa sechs Jahren machte er sich als „Baumkletterer“ selbstständig.

Aktuell kann sich der 37-Jährige nach eigener Aussage über mangelnde Beschäftigung nicht beklagen. „Mein Betrieb wächst wie Unkraut“, scherzt er. Dafür nennt er vor allem zwei Gründe: Viele Bäume sind an den Folgen der extrem trockenen Sommer 2018 und 2019 zugrunde gegangen und müssen gefällt werden. Außerdem haben in diesem Corona-Jahr viele Menschen sehr viel Zeit, sich mit ihrem Garten zu beschäftigen.

Schonender Baumschnitt mit Seil- und Klettertechnik

Axel Tatgenhorst und sein Team kümmern sich um die ganze Bandbreite der Baumpflege vom Kronenschnitt bis zum kompletten Abtragen. Wenn möglich, erfolgt der Schnitt mit Seil- und Klettertechnik, um sowohl den Baum als auch Grund und Boden zu schonen. Bei Bedarf kommt aber auch schweres Gerät zum Einsatz.

Neben Privatleuten aus einem Umkreis von etwa 35 Kilometern zählen auch einige Kommunen zu Tatgenhorsts Kunden – so wie die Gemeinde Wagenfeld, für die er die regelmäßigen Baumpflegearbeiten erledigt. Dazu gehört im kommenden Winter auch wieder das Fällen zahlreicher Bäume, die die extreme Trockenheit nicht überstanden haben. Im vergangenen Jahr waren es, wie berichtet, etwa 250 Bäume, in diesem Jahr werden es laut Tatgenhorst ähnlich viele werden.

Trockene Jahre 2018 und 2019 schädigten viele Bäume

„2018 und 2019 haben enorme Schäden angerichtet“, weiß der 37-Jährige. Auf den ersten Blick falle das oft nicht auf. „Aber wenn man mit dem Fahrrad die Straßen entlang fährt, sieht man, dass unheimlich viele Bäume tot sind.“ Nicht nur an den Straßen selbst, sondern auch in den Privatgärten.

Für umfangreichere Arbeiten hat Axel Tatgenhorst inzwischen einen Fällkran in seinem Fuhrpark.

Die Liste der Baumarten, die mit dem sich verändernden Klima so ihre Probleme haben, ist lang: Fichten, Birken, Buchen, Pappeln, Erlen – und sogar mächtige, alte Eichen, die sich nicht mehr so flexibel anpassen können wie jüngere Bäume. Einige Ahorn-Arten, Platanen oder Zedern kämen zwar besser mit der Trockenheit zurecht. „Aber auch sie bekommen Stress, weil sie mit ihren Wurzeln nicht hinterherkommen, wenn das Wasser schnell absinkt“, erklärt Tatgenhorst.

Unsachgemäßer Schnitt schadet Bäumen

Neben der Trockenheit können auch Krankheiten einen Baum dahinraffen, die nach Tatgenhorsts Erfahrung zum Teil ihre Ursache in einem unsachgemäßen Baumschnitt haben. Richtig gesetzt, kann ein Schnitt das Wachstum oder den Obstertrag befördern. Ein falscher Schnitt dagegen kann im Extremfall den schleichenden Tod eines Baumes bedeuten. Der Baumkletterer hat nach eigener Aussage in dieser Hinsicht schon einiges gesehen. Schadenverursacher waren dabei nicht nur Eigentümer, die wild drauf losgesägt haben, sondern manchmal auch Landschafts- und Gartenbauer. Immer wieder müsse er Bäume fällen, die nach einem unsachgemäßen Beschnitt abgestorben oder unrettbar krank seien, berichtet der 37-Jährige.

Allgemeingültige Regeln für den richtigen Schnitt und die richtige Jahreszeit gibt es laut Tatgenhorst nicht. Walnussbäume beschneide man am besten im Spätsommer, die meisten Obstbäume am besten im Frühjahr. „Die Kranzreduktion ist der Klassiker. Die kann man das ganze Jahr über machen, am besten aber im Sommer.“ Bei der Kranzreduktion einer Eiche beispielsweise sollten keine Äste entfernt werden, die mehr als zehn Zentimeter Durchmesser haben, erläutert der Baumkletterer. Denn je größer die Wunde, desto länger brauche der Baum, um sie zu schließen, und desto leichter könnten Pilze eindringen und den Baum schädigen. Lieber viele kleine Schnitte als ein großer, lautet sein Credo. „Bei einer guten Kranzreduktion sieht man als Laie nicht, dass der Baum beschnitten wurde.“

Die Eiche wurde so unsachgemäß gestutzt, dass sie abstarb und gefällt werden musste.

Um Bäume vor Krankheiten, langfristigen Schäden oder einer unnötigen Fällung zu bewahren, bietet Axel Tatgenhorst kostenlose Baumkontrollen an und berät die Eigentümer zum weiteren Vorgehen. „In erster Linie geht es mir ums Baumwohl“, betont der 37-Jährige.

Besonders schmerzt es ihn, wenn Eigentümer alte Bäume fällen lassen wollen, weil ihnen die Entsorgung des Laubs zu viel wird. Darum bietet er seit Kurzem auch einen Gartenservice an, in dessen Rahmen er und sein Team sich um das Laub kümmern.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

DFB-Frauen schlagen Griechenland - Bilanz bleibt perfekt

DFB-Frauen schlagen Griechenland - Bilanz bleibt perfekt

An diesen vier Zipfeln endet Deutschland

An diesen vier Zipfeln endet Deutschland

Die heilende Kraft der Aloe vera

Die heilende Kraft der Aloe vera

Stadt der Gegensätze - In Mumbai ist das kein Klischee

Stadt der Gegensätze - In Mumbai ist das kein Klischee

Meistgelesene Artikel

Gemeinde Wagenfeld plant 7,5 Hektar großes Baugebiet an der Fritz-Cording-Straße

Gemeinde Wagenfeld plant 7,5 Hektar großes Baugebiet an der Fritz-Cording-Straße

Gemeinde Wagenfeld plant 7,5 Hektar großes Baugebiet an der Fritz-Cording-Straße
Tim Bendzko beim Bassum Open Air dabei

Tim Bendzko beim Bassum Open Air dabei

Tim Bendzko beim Bassum Open Air dabei
Frauenleiche in Hüde: 33-Jährige durch Schläge auf den Kopf getötet

Frauenleiche in Hüde: 33-Jährige durch Schläge auf den Kopf getötet

Frauenleiche in Hüde: 33-Jährige durch Schläge auf den Kopf getötet

Kommentare