Mangelware Bauholz

Handwerker kämpfen mit explodierenden Holzpreisen: Waldbauern profitieren nicht

Zimmermann Andreas Dietzmann aus Wagenfeld.
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Der Wagenfelder Zimmermann Andreas Dietzmann hat es momentan schwer, an Bauholz zu kommen.

Bauholz ist knapp, die Preise explodieren, Handwerksbetriebe kämpfen mit Nachschubproblemen und Kalkulationen. Die Waldbauern haben von der gestiegenen Nachfrage indes nichts.

Wagenfeld/Rehden/Lemförde – Bauholz für den Dachstuhl des neuen Hauses? Gibt’s gerade nicht. Fensterrahmen aus Holz? Vielleicht in drei Monaten. Natürlich nur zu den dann gültigen, vermutlich deutlich höheren Preisen. Wer aktuell ein Haus bauen oder renovieren möchte, braucht viel Geduld und starke Nerven. Baumaterialien sind generell knapp und entsprechend teuer – auf dem Holzmarkt explodieren die Preise geradezu, obwohl wegen der Borkenkäferschäden eigentlich reichlich Nadelholz verfügbar ist.

Ein wesentlicher Grund dafür ist der Bau-Boom in den USA und China. Weil dort deutlich höhere Preise gezahlt werden, liefern die großen Sägewerke lieber nach Übersee, statt die heimische Nachfrage zu bedienen. Ein weiterer Grund: In der Corona-Krise haben die Menschen mehr Zeit, sich um Haus und Garten zu kümmern – die Nachfrage nach Baumaterial steigt. Hiesige Handwerker stellt das vor ganz neue Herausforderungen. Die Situation ist zum Teil geradezu absurd: Die Auftragsbücher sind voll, aber die Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, weil Material fehlt.

Handwerker bekommen nicht genug Bauholz: Holzpreise explodieren

So weit ist es bei der Zimmerei Dietzmann in Wagenfeld noch nicht. Doch schwierig ist die Lage allemal. Inhaber Andreas Dietzmann wird deutlich: „Es ist eine Katastrophe. Die Mengen sind nicht so verfügbar, wie wir sie brauchen. Und die Holzpreise sind seit Januar explodiert.“ Zum Teil seien sie seit 2020 um 300 Prozent gestiegen. „Wir können keine Angebote machen und vernünftig kalkulieren. Wir reden inzwischen von Tagespreisen“, beklagt der Zimmerer-Meister.

Seine Kunden hätten ihm anfangs gar nicht geglaubt, dass Holzpreise in so kurzer Zeit so stark steigen können. „Es ist für beide Seiten schwer“, weiß Dietzmann. Denn wer ein Haus baue, könne in der Regel nicht einfach so 30.000 Euro mehr aus dem Ärmel schütteln.

Andreas Dietzmann sieht den wesentlichen Grund für die Probleme im Export. Aktuell würden 22 Millionen Festmeter verschifft, in früheren Jahren seien es nur etwa neun Millionen gewesen. „Die Häfen in Bremerhaven und Rostock liegen voller Holz.“ Sägewerke stornierten zum Teil Aufträge, wenn sie woanders mehr Geld bekämen. Oder man könne Holz mit einer Lieferzeit von neun Wochen bestellen – allerdings ohne zu wissen, wie viel es dann koste.

Dietzmann würde sich in dieser Situation Unterstützung vom Staat wünschen. „Wir reden immer vom Klimaschutz. Holzbau ist nachhaltig und klimafreundlich“, betont er. Statt das zu unterstützen, werde Holz in großen Mengen in die USA exportiert.

Joachim Hafer, Inhaber der Tischlerei Hafer in Hüde, hat ebenfalls damit zu kämpfen, genügend Material zu bekommen. Beispiel Fensterholz: Vor gut einer Woche hat er eine Lieferung erhalten. „Der Händler sagte mir, ich hätte das letzte bekommen, was da ist“, so Hafer.

Bislang hat er nach eigener Aussage immer genug Material bekommen, damit der Betrieb läuft, aber er müsse es sich bei mehreren Lieferanten zusammenkaufen. „Vor allem bei heimischen Hölzern ist der Nachschub ein Problem, inzwischen aber auch bei exotischem Holz.“ Besonders schwierig wird es bei Bauelementen, die nach den Wünschen der Kunden gefertigt werden, beispielsweise Zimmertüren. Da betrage die Lieferzeit aktuell drei bis vier Monate.

Auch für den Hüder Tischler ist das Kalkulieren schwierig. „Im Moment arbeiten wir die Aufträge aus den vergangenen Monaten ab“, berichtet Hafer. Da ändere sich an den mit den Kunden vereinbarten Preisen natürlich nichts. Aber bei aktuellen Bauvorhaben sage er seinen Kunden klar, dass die Preise deutlich steigen könnten.

Sägewerk-Betreiber Heinz Weitz: Probleme auf Holzmarkt zum Teil hausgemacht

Nach Einschätzung von Heinz Weitz, Eigentümer des Sägewerks in Dickel, sind die Probleme zum Teil hausgemacht. Weil viele Kunden in der Vergangenheit nicht bereit gewesen seien, für Holz angemessene Preise zu zahlen, und weil die Politik durch die Ausweisung von Nationalparks, in denen kein Holz geschlagen werden dürfe, den Rohstoff verknappt habe, nennt er zwei Beispiele.

Der Preis für Bauholz habe über Jahrzehnte fast unverändert bei rund 400 DM gelegen, noch 2015 habe er für einen Kubikmeter Nadelholz 230 Euro gezahlt, berichtet Heinz Weitz. Hätten sich die Holzpreise seit den 60er-Jahren ähnlich entwickelt wie Autopreise, hätte Nadelholz vor sechs Jahren rund 2400 Euro kosten müssen, rechnet er vor.

Warum er diesen Vergleich wählt? Er möchte damit die fehlende Wertschätzung für das umweltfreundliche und nachhaltige Produkt Holz verdeutlichen. Bauholz werde beispielsweise für einen Dachstuhl verwendet, von dem man erwarte, dass er ein ganzes Leben lang halte, ein Auto nutze man dagegen nur einen Bruchteil seines Lebens.

Auch am Sägewerk von Heinz Weitz gehen die aktuellen Turbulenzen nicht spurlos vorbei. „Aber unsere Versorgung ist dank der guten Zusammenarbeit mit den Forst-/Waldbauern gesichert“, so der Geschäftsführer. Sein Betrieb verarbeite eigentlich in erster Linie Buchen- und Pappelholz, inzwischen aber auch vermehrt Nadelholz, weil gerade Buchen momentan schwer zu bekommen seien, erklärt er. Auch bei Buchenholz seien die Preise in den letzten Monaten gestiegen, allerdings „nur“ um etwa 20 Prozent. „Im Moment rechnet es sich noch, aber wenn die Forst-/Waldbauern ihre Preise drastisch erhöhen, wird es schwierig“, so Weitz.

Waldbauern bekommen trotz gestiegener Nachfrage weniger Geld für ihr Holz

Die Waldbauern haben wenig von den aktuellen „Mondpreisen“. „Wir bekommen gerade so viel Geld, dass die Kosten gedeckt werden“, berichtet Försterin Anne Wittenberg vom Forstamt Ankum. Doch das Forstamt hat keine Wahl, es kann mit dem Einschlag nicht warten. Denn in ihrem Revier, zu dem auch Lemförder Waldflächen gehören, haben Anne Wittenberg und ihre Kollegen schwer mit dem Borkenkäfer zu kämpfen, der sich infolge der trockenen Jahre stark vermehrt und erhebliche Schäden in den Fichten-Beständen angerichtet hat. Die befallenen Bäume müssen sofort entfernt werden. „Aber wir werden in diesem Jahr kein frisches Holz schlagen“, so die Försterin.

Die Forstinteressenschaft Wagenfeld, die Waldflächen am Bockeler Berg bewirtschaftet, ist besser dran. Sie kann die aktuelle Situation aussitzen und auf höhere Preise warten. Für den Festmeter Nadelholz bekomme man etwa 30 Euro, vor der Krise seien es 40 bis 50 Euro gewesen, erklärt Vorsitzender Wilfried Meyer. Die Forstinteressenten haben ihre Konsequenzen gezogen. „Wir haben den Einschlag eingestellt“, so Meyer. Der Wald sei auf einem guten Stand, auch im kommenden Herbst seien nur einige Pflegemaßnahmen, aber kein Einschlag erforderlich. Die laufenden Kosten könnten aus den Rücklagen finanziert werden.

Der Wald am Bockeler Berg in Wagenfeld ist von Borkenkäfern weitestgehend verschont geblieben.

Mit Borkenkäfern haben die Forstinteressenten keine Probleme. „Wir haben 200 Bäume auf 124 Hektar verloren“, berichtet Wilfried Meyer. Das sei praktisch gar nichts bei insgesamt etwa 400.000 Bäumen. Meyer führt das auf die gute Mischung von Nadel- und Laubbäumen und den hohen Anteil an Douglasien zurück, die es den Käfern schwerer machen als eine Fichten-Monokultur.

Handwerker und Waldbauern hoffen auf Normalisierung des Holzmarkts im kommenden Jahr

Und wie geht es weiter? Ist ein Ende der Lieferengpässe und der steigenden Preise absehbar? „Meine Lieferanten sagen mir, dass es in den kommenden Monaten sogar noch schlimmer wird“, berichtet Joachim Hafer. Wie Heinz Weitz und Wilfried Meyer erwartet er, dass sich die Situation im Laufe des kommenden Jahres beruhigt. Andreas Dietzmann hofft, dass sich die Lage im Sommer vorübergehend etwas beruhigt, wenn Urlaubszeit ist und etwas weniger gebaut wird. „Im nächsten Jahr fällt die Branche in ein tiefes, tiefes Loch“, fürchtet er.

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