Wettbewerb der Landwirtschaftskammer

Azubis melken in Ströhen um die Wette

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Der Argentinier Santiago Morinigo macht eine Ausbildung zum Landwirt bei der Johanning Snack Gmbh (Rehden). Er ist nach Deutschland gekommen, weil ihn die moderne Agrartechnik reizt. Obwohl er noch nie gemolken hat, macht er beim Wettbewerb mit. Er schlägt sich gut – beim Schalmtest (Bild) und beim Melken.

Wer melkt am besten? Um diese Frage drehte sich ein Azubi-Wettbewerb der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Dabei waren Fingerspitzengefühl und Fachwissen gefragt. Auch Schnelligkeit zählte – und zwar nicht nur beim Anlegen des Melkgeschirrs.

Ströhen – Es ist früher Abend und die Ströher Landwirtin Anna Kastens ist gerade im Fernsehen zu sehen. Gefühlt halb Ströhen verfolgt, wie sie in der Doku-Serie „Zwischen Tüll und Tränen“ ihr Hochzeitskleid abstecken lässt. Während sie auf den Bildschirmen in einen Traum aus Stoff und Spitze gehüllt ist, steht Anna Kastens in Wirklichkeit im Melkstand. Mit Gummistiefeln, Arbeitshose und Melkschürze. Sie selbst hat keine Zeit, ihren TV-Auftritt anzuschauen. Denn zeitgleich zur neuesten Folge der Brautmoden-Sendung ist auf dem Hof von ihr und ihrem Mann Thomas, den sie bereits vor ein paar Wochen in einem perfekt sitzenden Kleid geheiratet hat, ein Melkwettbewerb gestartet.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat Auszubildende aus den Landkreisen Diepholz und Nienburg eingeladen. 37 haben sich angemeldet. Es gibt drei Austragungsorte: bei Christoph und Ilka Grimmelmann in Bruchhausen-Vilsen, bei Busse-Lempfer in Rehburg (Landkreis Nienburg) – und eben bei Kastens.

Die Ladys kommen

So stehen neben Anna Kastens und einer Mitarbeiterin sechs Preisrichter und eine Handvoll Lehrlinge im Melkstand. Bei Kastens treten elf Azubis an. Während die einen noch bei Joghurt und Pudding beisammensitzen, stehen die anderen zwischen den Melkgeschirren bereit.

Ein Gatter öffnet sich und die ersten Kühe trotten herein. „Jetzt kommen sie, die Ladys“, kommentiert Ruth Beatrix Hainke. Sie beobachtet das Geschehen als Ausbildungsberaterin der Landwirtschaftskammer. Die Tiere gehen schnurstracks an die richtigen Positionen und stellen sich Schulter an Schulter, die Euter den Menschen zugewandt. Diese stehen etwas niedriger, sodass sie bequem an die Zitzen herankommen.

In dem Swing-Over-Melkstand bei Kastens können die Geschirre zwischen Kühen auf der linken und auf der rechten Seite hin- und hergeschwungen werde. In einer Vertiefung in der Mitte ist Platz für die Melker – in diesem Falle sind das die Wettbewerbsteilnehmer. Während die ersten Kühe gemolken werden (links), wartet die „Lady“ rechts noch.

Den Wettbewerb gibt es seit vielen Jahren, erzählt Hainke. Er sei auf freiwilliger Basis, das Ergebnis fließe nicht in die Abschlussnote ein. Zu gewinnen gibt es Sachpreise – „einmal quer durch den Baumarkt, was Jugendliche eben so gebrauchen könnten“, sagt die Ausbildungsberaterin.

Über mögliche Gewinne scheinen sich die Teilnehmer in diesem Moment keine Gedanken zu machen. Sie sind aufs Melken fokussiert. Als erstes vergewissern sie sich, dass keine Schläuche verdreht sind. Zudem prüfen sie das Gummi an den Melkbechern – das sind die Teile, die an die Zitzen gesetzt werden. Dann sprechen die Azubis „ihre“ Kuh an und streicheln deren Euter oder Bein mit dem Handrücken. Anschließend melken sie ein bisschen mit der Hand ab und prüfen die Milch. Sieht sie gut aus? Oder schwimmen vielleicht Flocken darin? Ist alles okay, legen die Teilnehmer das Melkgeschirr an, und die Technik übernimmt den Rest. Zum Schluss müssen die Wettkämpfer nur noch einmal kurz Hand anlegen, um die Zitzen in ein Pflegemittel zu dippen.

Während des Prozederes stehen die Kühe ruhig da. Ein bisschen neugierig scheinen sie schon zu sein, wer denn da alles in „ihrem“ Melkstand steht. Aber die „Ladys“ lassen sich von dem Trubel nicht wirklich stören. Zweimal am Tag stehen sie im Melkstand, morgens und abends.

250 Kühe leben auf dem Hof Kastens. Im Durchschnitt gibt jede rund 35 Liter Milch pro Tag. Anna Kastens melkt normalerweise zusammen mit einer Mitarbeiterin. Die beiden machen dann im Prinzip dasselbe, was die Wettbewerbsteilnehmer auch machen – nur, dass das „Tagesgeschäft“ routinierter und schneller abläuft. Alle 250 Kühe einmal zu melken, dauert üblicherweise zwei Stunden.

Übrigens: Eine Kuh per Hand zu melken, nimmt um die acht Minuten in Anspruch. Es bedarf keiner großen Rechenkünste, um festzustellen, dass Anna Kastens und ihre Mitarbeiterin den Melkstand wohl nie verlassen könnten, müssten sie alle Tiere per Hand melken. In der Umgebung kennen aber weder Anna Kastens noch Ausbildungsberaterin Hainke oder die Richter des Wettbewerbs einen Betrieb, dessen Mitarbeiter noch komplett per Hand melken.

„Vorsicht, die Kuh kackt!“

Den richtigen Melkgriff, den können die Jugendlichen trotzdem noch. „Wer das Basiswissen nicht weiß, kann später die Fehler nicht erkennen, die in der Routine auftauchen können“, sagt Erwin Wohlking. Als einer der Richter des Wettbewerbs achtet er darauf, dass die Teilnehmer sauber, in der richtigen Reihenfolge und ordnungsgemäß gekleidet arbeiten (die Hose gehört in die Gummistiefel!). Neben dem Melkvorgang ist der Schalmtest Teil des Wettbewerbs. Dabei wird eine Testsubstanz mit der Milch verrührt. Bilden sich Schlieren, weist das auf Entzündungen im Euter hin.

Auch auf Schnelligkeit kommt es an. Beim Anlegen des Melkgeschirrs, aber auch beim Ausweichen, wenn es zwischendurch heißt: „Vorsicht, die Kuh kackt!“

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