Auburg beherbergt Paris, Wien, Berlin und London

Streifzug durch die Welt der Operette mit Marianne Lohaus und Leta Henderson

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Marianne Lohaus (Gesang) und Leta Henderson (Klavier) begeisterten ihr Publikum in der Auburg.

Wagenfeld - Von Simone Brauns-Bömermann. Das Fazit von Marita Kleemeyer des späten Sonntagnachmittags sprach vielen der rund 80 Besucher der Auburg aus der Seele: „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah.“ Ein Stück „Theater an der Wien“ war für zwei Stunden Operetten-Highlights und stilvoll ausgesuchte Melodien aus Filmen mit den heimischen Künstlerinnen Leta Henderson (Klavier und Moderation) und Marianne Lohaus (Sopran) nach Wagenfeld gekommen.

Viel Applaus, große, manchmal feuchte Augen, erwartungsvolle Stille und Raunen zur Anmoderation charakterisierten den Frühabend. Anlass des Programms mit dem Titel „Meine Liebe zu Dir…“ war die 20-jährige Zusammenarbeit der beiden Musikerinnen mit immer wieder neuen belebenden Projekten. Das Programm als Dank an die ganz besondere Freundschaft mit Geduld, Verständnis, Inspiration und Freude, und für Fans und Publikum.

Das geplante letzte Lied sollte genau diese Arbeit beschreiben: „Das gibt´s nur einmal, das kommt nicht wieder“ aus dem Ufa-Tonfilm „Der Kongress tanzt“. Aber damit sollte der Exkurs in die Welt der kleinen Schwester der Oper, der Operette, nicht enden. Als Zugabe erklang aus dem Film „Mädchen in Weiß“ der Titel „Ich bin auf der Welt, um glücklich zu sein“, als Wunsch aus der Seele.

Doch erst auf null hieß das: Wenn der Mitschnitt des Konzertes auf dem Musikkanal You Tube zu sehen und hören ist, flattern den zwei Musikerinnen vielleicht die Angebote anderer Kulturveranstalter ins Haus. Und das Prädikat am Liveabend sollte vom Publikum „Premium“ heißen. Das war fachkundig, durch Besuche in Operette und Musik auf Tonträgern, konnte Titel beenden, Texte mitsingen und strahlte bis übers letzte Ohr, wenn die Blockbuster-Songs aus vergangenen Zeiten erklangen. Auch die Zuordnung zu den Werken kein Problem fürs Publikum.

Amüsante Moderation füllt Verständnislücken

Trotzdem war die Moderation von Leta Henderson amüsant und füllte einige Lücken im Verständnis der zitierten Songs. Sopranistin Lohaus schlüpfte in die Christel von der Post aus Carl Zellers „Vogelhändler“ und in die der Kurfürstin mit Liebeslied „Als geblüht der Kirschbaum“. Dieses Pathos, das Timbre und viele gelungene Spitzen zogen sich durch das Konzert. Zu den meisten Melodien war ein Mitsingen oder zartes Mitsummen zu vernehmen. Wie die Stimmung „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ das Gefühl, dass man mit den Rosen ein Stück von sich selbst mit hineingibt als Schenker. Ja, es ging um Liebe und um Liebende, in Operette und Film, um ein Stück Himmel. Aber nicht nur, denn den Ruf, der leichten Kost in Operette erfüllten die zwei Musikerinnen nur bedingt. Die Lanze schlagen für das Genre, das oft zu Unrecht als seicht betitelt ist, war auch ein Anliegen. Leta schaffte das mit ihrem dezidierten Spiel am Flügel, der Lohaus Gesang umrankte, unterstützte, forderte. Bei Marianne Lohaus meinte man, sie könne noch zwei weitere Parts ohne Probleme singen.

Die Auburg beherbergte an diesem Sonntagabend Paris, Wien, Berlin, London, aber auch das ferne Ufer der Donau und Wolga. Und den Exkurs in die Klassik. Mit Chopins „In mir klingt ein Lied“, unsterblich mit Rudolf Schock als Interpret verbunden. Schellack, Electrola und kratzende Nadeln an Grammophon-Erinnerungen auch zum Kultsong mit Willy Fritsch und Lilian Harvey „Ich tanze mit Dir in den Himmel hinein“ ein Walzer aus dem Tonfilm „Sieben Ohrfeigen“ von 1933. Franz Lehár komponierte für die Operette „Der Zarewitsch“ ein einsames Lied: „Es steht ein Soldat am Wolgastrand“ (Wolgalied), der hält Wache für sein Vaterland und ist allein und einsam. Solidarisch die Tränen in Wagenfeld.

Zur großen Bühne im Geiste wurde die Bühne in Wagenfeld zur Übergabe von Blumen ganz spontan als Dank für den wundervollen Sonntagabend eines Fans aus dem Publikum. Zwar nicht geworfen, aber stilvoll überreicht. Nicht umsonst war Lohaus in Eliza Doolittle aus „My Fair Lady“, in die Marie aus „Schlösser, die im Monde liegen“ oder in den Film „Die schwedische Nachtigall und den Track „Mein Schatz der Postillon“ geschlüpft. Leta beschrieb die alten Schwarzweißstreifen,: „Diese Filme haben eine ganz eigene Aura, die bleiben in Erinnerung, einfach. I love them.“ Dabei ist gerade Operette gar nicht so ganz ihr Genre, aber ihre Recherche und witzige Art, Hintergrund und Interpretation einbauen zu können, ließen auch die Augen der Pianistin leuchten und feucht werden. Zurück ließen die Zwei ein erwartungsvolles Publikum auf ein neues Projekt.

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