Berufsweltorientierung an Oberschule

Achtklässler tasten sich an Arbeitswelt heran

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Jonas, Leonie und Jolina (v.l.) mischten an der Station des Diepholzer Unternehmens Lebensbaum ihren eigenen Tee.

Wagenfeld - Es ist eine Frage, die das Leben eines jungen Menschen entscheidend beeinflusst: Welchen Beruf ergreife ich nach der Schule? Die Antwort fällt umso schwerer, wenn man gar nicht weiß, welche Möglichkeiten sich einem überhaupt bieten. An der Oberschule Wagenfeld kommen die Schüler darum schon ab der achten Klasse in Kontakt mit Arbeitgebern aus den unterschiedlichsten Bereichen von Handwerk und technischen Berufen über Dienstleistungen bis hin zu Verwaltung und öffentlichem Dienst.

Gestern Morgen stand wieder der jährliche Berufsweltorientierungstag an, bei dem sich acht Unternehmen aus der Region vorstellten. Kreissparkasse Grafschaft Diepholz, Polizei, Gemeindeverwaltung Wagenfeld, Hauskrankenpflegedienst Immoor, Polyutheran Technik Wagenfeld (PTW), Hennig und Obenhaus, Lebensbaum und Kolbus hatten Vertreter geschickt, die den einzelnen Schülergruppen jeweils in etwa 20 Minuten Aufgaben und Anforderungen ihrer Berufe erklärten.

Die Aktion ist für beide Seiten ein Gewinn. Die Schüler bekommen einen ersten Einblick in Berufsfelder jenseits des Studiums und die Unternehmen können für sich werben. Die Jugendlichen seien zwar noch sehr jung, aber es sei gut, dass sie schon einen Überblick bekommen, begrüßte Jens Hasenkamp, Ausbilder beim Rahdener Buchbindereimaschinenhersteller Kolbus, die Aktion der Schule. Das Unternehmen bietet elf Ausbildungsberufe vorwiegend im technischen Bereich an. Nach seiner Erfahrung wird es immer schwieriger, Auszubildende zu finden. „Die Zahl der Bewerbungen ist in den vergangenen Jahren geringer geworden“, so Hasenkamp. „Immer mehr junge Leute wollen Abitur machen und ins Studium gehen.“ Aus seiner Sicht nicht immer der beste Weg. Wer etwa Architekt werden wolle, sei vielleicht besser beraten, nach der Oberschule zunächst eine Ausbildung im Handwerk zu absolvieren und danach zu studieren.

Hans-Jürgen Hennig informierte die Achtklässler über den Beruf des Anlagenmechanikers SHK und erklärte, was bei der Arbeit bei einem Kunden wichtig ist.

Dass die enge Zusammenarbeit mit der Oberschule auch für Unternehmen ein Gewinn ist, bestätigte Hans-Jürgen Hennig, der den Schülern unter anderem erklärte, womit sich ein Anlagenmechaniker SHK (Sanitär, Heizung, Klima) beschäftigt. „Wir müssen wirklich viel Aufklärungsarbeit leisten. Die meisten kennen das Berufsbild gar nicht“, so Hennig. Er und sein Partner Bernd Obenhaus gewähren Jugendlichen der Oberschule regelmäßig im Rahmen eines Praktikums einen Einblick in ihren Beruf. Der ein oder andere von ihnen bewerbe sich später für einen Ausbildungsplatz, berichtete Hennig.

Auch die Praktikumsplätze der PTW sind bei den Wagenfelder Oberschülern gefragt, wie Geschäftsführer Ralf Hünecke am Rande einer Vorstellungsrunde erklärte. Vor allem für Unternehmen im ländlichen Raum sei es wichtig, frühzeitig um Nachwuchs zu werben. „Ich glaube, dass die Oberschule hier auf dem richtigen Weg ist“, so Hünecke.

Nach ihren Berufswünschen befragt, haben einige Schüler schon ganz konkrete Vorstellungen, andere dagegen noch keine Idee. Auch Amelie ist noch unschlüssig, findet den Berufsweltorientierungstag nach eigener Aussage aber sehr interessant. „Ich finde es gut, dass die Schule das macht und dass wir die Chance bekommen, uns zu informieren.“

Einblick in verschiedene Branchen bekommen

„Uns ist wichtig, dass alle Schüler alle Branchen kennenlernen, um frühzeitig falsche Vorstellungen von Berufsfeldern auszuräumen“, betonte der für die Berufsorientierung verantwortliche Lehrer Peter Schneekönig. Zu diesem frühen Zeitpunkt gehe es noch nicht darum, einen konkreten Berufswunsch zu formulieren, sondern einen ersten Kontakt zu den verschiedenen Berufsfeldern herzustellen.

Auf dieser Basis können die Jugendlichen dann in den kommenden Schuljahren in insgesamt drei Praktika austesten, in welche Richtung es gehen soll. Am Ende soll sich ein konkreter Berufswunsch herauskristallisieren. „Das Ziel ist auch, die Zahl der Ausbildungsabbrecher zu reduzieren“, erläuterte Schneekönig weiter.

Alle Informationen und Unterlagen, die die Jugendlichen im Laufe der Zeit sammeln, sowie eine selbst erstellte Musterbewerbung werden in einem Berufswahlordner gesammelt, den laut Schneekönig jeder Schüler führen muss. An ihm können sich die Jugendlichen orientieren, wenn es ernst wird, und sie ihre ersten richtigen Bewerbungen für ihren Traumjob verfassen.

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