Wagenfeld

6,3 Hektar neue Waldfläche: Forstinteressentenschaft pflanzt 20. 500 Kiefern

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Der Sandabbau ist neben der Holzernte eine wichtige Einnahmequelle für die Forstinteressentenschaft Wagenfeld.

Auf einer etwa 63 000 Quadratmeter großen Fläche an der B 239 entsteht ein neuer Wald. Die Forstinteressentenschaft Wagenfeld brachte 20.500 Setzlinge aus.

Wagenfeld - Von weitem sind sie kaum zu erkennen, die winzigen Kiefern, die die Forstinteressentenschaft Wagenfeld im Dezember auf der etwa 63. 000 Quadratmeter großen Fläche an der B 239 zwischen Wagenfeld und Hemsloh gepflanzt hat. 8 .000 Setzlinge wurden pro Tag in die Erde gebracht – insgesamt 20. 500 Stück, wie Vorsitzender Wilfried Meyer während eines Ortstermins erläutert. Auf einem 44 Meter breiten Streifen am westlichen Rand wurden knapp 6 .400 Eichen gepflanzt. Insgesamt bilden sie die Basis für einen dichten Mischwald, der dort im Laufe der nächsten Jahrzehnte heranwachsen soll.

Die Fläche ist der jüngste Zuwachs des Areals an der Bundesstraße, das die Forstinteressenten im Auftrag der Gemeinde als Kompensation für Baumaßnahmen aufforsten. Die 6,3 Hektar früheres Ackerland bilden den Ausgleich für das neue Gewerbegebiet „Zur Mühle“, das an der Barver Straße entstehen soll. „Insgesamt haben wir in den vergangenen Jahren 24 Hektar zugekauft und bepflanzt“, berichtet Meyer.

Blühstreifen durchbrechen Anpflanzungen

Zwei jeweils 15 Meter breite Blühstreifen durchbrechen die neue Baumanpflanzung vom Altbestand bis zur B 239. Entlang der Bundesstraße entsteht eine Streuobstwiese. Sie hat gleich zwei Funktionen: Sie bietet Tieren Nahrung und bildet einen offenen Übergang vom Wald, damit das Wild nicht vom dichten Bewuchs unvermittelt auf die Straße läuft und im schlimmsten Fall vor einem Auto landet. Zwischen Obstwiese und Wald sollen Sträucher wie Wacholder oder Ginster, die laut Meyer auf dem Rückzug sind, Tieren Unterschlupf gewähren.

Dass die Anlage neuer Waldflächen vornehmlich mit Kiefern von einigen Menschen als Plantagenanbau kritisiert wird, ärgert den Vorsitzenden der Forstinteressentenschaft. Vielerorts habe man aufgrund der Bodenverhältnisse gar keine andere Wahl, erklärt er.

Wilfried Meyer, Vorsitzender der Forstinteressentenschaft Wagenfeld, hat an der B 239 in Wagenfeld 20 500 Kiefern als Basis für einen Mischwald anpflanzen lassen.

So haben die Forstinteressenten auf einer benachbarten Fläche Stieleichen gesetzt – mit mäßigem Erfolg, wie Meyer berichtet. Wo der Sandboden mit Kies und Lehm durchsetzt ist, wachsen sie, doch auf dem „Karnickelsand“ am Fuße des Kellenbergs, der kein Wasser hält, verdursten junge Eichen und Buchen bei Trockenheit leicht.

Darum wurden entlang der Bundesstraße, mit Ausnahme eines Streifens mit besseren Bodenverhältnissen, zunächst Kiefern gesetzt. In etwa 30 Jahren werden sie mit Eichen und Buchen unterpflanzt, die dann im Schatten der Nadelbäume gedeihen können. So soll langfristig ein Mischwald entstehen, wie es ihn heute bereits im benachbarten Altbestand gibt.

130 Jahre alte Kiefern geerntet

Dort haben die Forstinteressenten jüngst etwa 130 Jahre alte Kiefern geerntet, um für die nachwachsenden Laubbäume Platz zu schaffen. Dafür habe man einen speziellen Harvester kommen lassen, der die Bäume nicht an Ort und Stelle zerlegt, sondern mithilfe von zwei Armen auf die Rückegasse hebt, um die jungen Bäume durch die Fällarbeiten nicht zu schädigen, erläutert Wilfried Meyer.

Aber auch mit Kiefern haben die Forstinteressenten so ihre Probleme. Auf der 2017 angepflanzten Fläche hat ein Pilz die jungen und nach der langen Trockenheit geschwächten Bäume befallen. Erholen sie sich nicht schnell, müssen sie mit einem Fungizid gespritzt werden. Laut Meyer soll das aber möglichst vermieden werden.

Sandabbau wichtige Einnahmequelle

Eine gute Alternative zu Kiefern wäre nach seiner Einschätzung der Anbau von Douglasien. „Die sind robuster und als Bauholz sehr interessant.“ Aber die aus Nordamerika stammende Art sei hier nicht heimisch und darum nicht genehmigungsfähig. Denn die neue Waldfläche soll sich harmonisch in das Umland einfügen.

Neben der Holzernte ist der Sandabbau für die Forstinteressenten eine wichtige Einnahmequelle. „Als wir 1983 angefangen haben, waren etwa 2,6 Millionen Kubikmeter Sand abbaubar“, berichtet Vorsitzender Wilfried Meyer. Damals hatten die Forstinteressenten vom ehemaligen Kalksandsteinwerk ein etwa zwei Hektar großes Areal gekauft, auf dem derzeit das Hemsloher Unternehmen Wiechert Sand abbaut. Auf der aktuell freigelegten Fläche können laut Meyer noch etwa 200 000 Kubikmeter Sand gefördert werden. Im nächsten – und nach jetzigem Stand letzten Abschnitt –, der bereits zum Teil von Bäumen befreit ist, sind nach Meyers Einschätzung weitere 100 000 bis 150 000 Kubikmeter Sand zu holen. Nach dem Abbau sollen die Flächen langfristig mit Laubholz bepflanzt werden. Der Sandabbau bedeutet zwar einen Eingriff in die Natur, er bietet ihr aber auch neue Chancen. So brütet in der Ostwand der Sandgrube regelmäßig eine Kolonie Uferschwalben. Die Tiere sind auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten verzeichnet. Laut Nabu brüten in Deutschland etwa 100 000 bis 210 000 Paare. Sie sind laut Meyer auch der Grund, warum eine so große Fläche auf einmal abgebaut wird. So kann der Bereich, in dem die Vögel gerade brüten, unangetastet bleiben. Auch ein Uhu-Paar fühlt sich laut Meyer in der Grube wohl und lauert auf Hügeln sitzend auf Beute.

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