Landkreis überprüft systematisch sichere Aufbewahrung / Nachfragen und phantasievolle Angaben

Waffenschrank im Schornstein?

Freiwillige Waffenabgabe – dieses Angebot nutzten in der Vergangenheit zahlreiche Bürger.

Landkreis - (sdl) · Rund 4 500 Bürger im Landkreis Diepholz besitzen Waffen. Aber werden alle so sicher aufbewahrt, wie es der Gesetzgeber verlangt? Das überprüfen zurzeit die zuständigen Mitarbeiter im Fachdienst Sicherheit und Ordnung des Landkreises – flächendeckend.

In Siedenburg, Schwaförden und Bruchhausen-Vilsen haben alle Waffenbesitzkarten-Inhaber bereits Post aus dem Kreishaus erhalten – mit der Aufforderung, umgehend die sichere Aufbewahrung ihrer Waffen zu dokumentieren. „Das kann mit einer Quittung über den Kauf eines Waffenschrankes oder mit Fotos geschehen“, erläuterte Alfred Domroese, der zuständige Teamkoordinator für den Bereich Waffen und Gefahrenabwehr, gestern auf Anfrage dieser Zeitung. Etliche Belege haben Domroese und seine Kollegen bereits erhalten – aber auch phantasievolle Antworten und Informationen. Beispielsweise über einen vermeintlich sicheren Waffenschrank in einem stillgelegten Schornstein, das Ganze in 2.30 Meter Höhe. „Das müssen wir uns jetzt anschauen“, so der Teamkoordinator. Selbstverständlich gehören Kontrollen vor Ort zu dieser flächendeckenden Sicherheitsüberprüfung – der größten seit 1973, als alle Schusswaffen per Waffenbesitzkarte behördlich registriert werden mussten. Überprüfungen folgten in fünfjährigen Abständen. Aber: „Wer nicht negativ aufgefallen ist, hat nie wieder was von uns gehört“, so Domroese. Nur bei einem Straftatbestand, einem Umzug oder bei Tod schritt der Landkreis ein.

Immer wieder war das Waffenrecht angepasst, aber nach dem Amoklauf von Winnenden erheblich verschärft worden. Öffentlich riefen Polizei und Landkreis dazu auf, nicht mehr benötigte Waffen abzugeben. Bilanz: Über 500 Exemplare waren von Landkreis-Bürgern bei den Behörden abgegeben worden.

Andere hatten zu völlig anderen Methoden gegriffen, wie die aktuelle Sicherheitsüberprüfung jetzt ans Tageslicht brachte: „Ein Besitzer hat mitgeteilt, dass er sein Gewehr in eine Güllegrube geworfen hat, die anschließend zubetoniert wurde“, so war vom Teamkoordinator zu erfahren. Ein anderer habe eine Waffe zersägt und dann in den Müll geworfen, sie liege jetzt in dem großen Berg bei der AWG in Wedehorn.

Bei einem dritten Bürger offenbarter ein unangenehmer Vorfall Sicherheitsmängel. Nach einem Einbruch habe der Mann die Polizei gerufen, so der Landkreis-Mitarbeiter. „Dabei ist aufgefallen, dass der Mann Waffen hatte. Die waren alle registriert, aber nicht ordnungsgemäß aufbewahrt.“

Haben alle Waffenbesitzkarten-Inhaber auf das Anschreiben des Landkreises reagiert und Belege geschickt? „Die meisten melden sich“, so die Erfahrung von Alfred Domroese und seinen Kollegen. „Einige müssen wir erinnern.“ Erfolge daraufhin keine Reaktion, verhänge der Landkreis ein Bußgeld. Und: „Wer darauf nicht reagiert, bekommt Besuch...“ Mussten Landkreis-Mitarbeiter schon Waffen beschlagnahmen? „In zwei Fällen ist das vorgekommen.“ Aber bei 90 Prozent der registrierten Waffenbesitzer sei alles in Ordnung, schätzt Domroese nach den Erfahrungen der ersten Überprüfung. Dringender Handlungsbedarf bestehe bei einem bis zwei Prozent der Überprüften, und bei den anderen müssten noch verschiedene Fragen geklärt werden – beispielsweise die, ob ein nicht genormter Stahlschrank die Sicherheitsanforderungen erfüllt oder nicht. Etliche Nachfragen von Waffenbesitzern hatte es im Kreishaus gegeben – auch Kritik an den neuen Sicherheitsvorschriften. Wer sie nicht erfüllen könne, der könne seine Waffe durchaus an Jäger, Sportschützen oder Waffenhändler verkaufen, zeigt Domroese eine Lösungsmöglichkeit auf. Natürlich bestehe nach wie vor die Möglichkeit, sie abzugeben.

Fortsetzen will der Landkreis die flächendeckende Überprüfung nun in Kirchdorf, Syke und Sulingen, anschließend in den anderen Städten und Gemeinden.

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