Studie: Professor Peter Kruse entdeckt völlig unterschiedliche Lebenswelten

„Votum für Musterwechsel“

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Professor Peter Kruse analysiert menschliche Denkprozesse – oft in namhaften Unternehmen, diesmal in der Samtgemeinde Barnstorf zum Thema Lebensqualität. ·

Barnstorf - Von Anke SeidelKann die Politik Menschen in die Psychose treiben? Sie kann, sagt Professor Peter Kruse. Nämlich dann, wenn Mandatsträger die Parteiräson auf unterschiedlichen Ebenen mit völlig konträren Positionen vertreten. Sinnvoll für die Gemeinde, aber unsinnig für die Samtgemeinde – wenn diese Welten in einem Politiker aufeinander treffen, zahlt er einen hohen den Preis. Bürger geißeln ihn wegen Unglaubwürdigkeit.

Besagte Welten treffen in der Samtgemeinde Barnstorf, auf die Professor Kruse gezielt einen wissenschaftlichen Fokus gelegt hat, heftig aufeinander. Für eine Studie zum Thema Lebensqualität hat der Psychologe und Unternehmensberater Tiefen-Interviews mit 200 Bürgern geführt. Mit Hilfe eines mathematischen Verfahrens hat er eine Fülle von ganz persönlichen Empfindungen, Wünschen und Vorstellungen aus diesen knapp zweistündigen Befragungen zu einem virtuellen Kosmos geformt – für jeden einzelnen der 200 Befragten. Matritze nennt Kruse diese individuellen Lebenswelten, die sich mit Hilfe von Diagrammen in ihrer Wirkkraft virtuell darstellen lassen. Was ist positiv und was negativ, was ist attraktiv und was aversiv – und mit welcher Kraft wirkt das alles aufeinander? Das kann der Professor in leicht erfassbaren Grafiken darstellen. Vor allem aber kann er exakt erklären, in welcher Beziehung diese Elemente zueinander stehen: Ein wissenschaftlich fundiertes Bild einer Lebenswelt, in der keine Facette verloren geht. Durch das mathematische Verfahren ist sie frei von Emotionen und von subjektiven Interpretationen – und damit Handwerkszeug für alle Politiker.

Die konkreten Ergebnisse für den Lebensraum Samtgemeinde Barnstorf haben den Wissenschaftler selbst überrascht. Dort existieren „zwei Definitionen von Lebensqualität, die nichts miteinander zu tun haben“, wundert sich Professor Kruse. Denn dort stoße die ländlich organisierte Lebensform mit ihrer Natur, ihrem behüteten und kinderfreundlichen Umfeld auf die Idee eines regionalen Zentrums, „das sich bemüht, anregend zu sein und ein bisschen schillern will“. Es ist ein gegensätzliches Wertesystem, das der Psychologe in den Köpfen von 200 Bürgern gefunden hat – und mehr noch: „Die Stärken liegen in einem intakten Landleben und die Schwächen im regionalen Zentrum“, analysiert Kruse. Im Bereich Kultur und Grundversorgung – einem wichtigen Element des regionalen Zentrums Barnstorf – würden die Bürger große Lücken kritisieren. Besonders hart, so ergab die Auswertung, gehen sie mit der Politik ins Gericht: „Da war ich baff“, gesteht Kruse, „sie schimpfen auf die Politik, dass einem schlecht wird“. Begriffe wie „Machtklüngel“ und „Mafia-Tendenz“ oder „Richtung Diktatur“ fand der Wissenschaftler. Seine Schlussfolgerung aus den Bürger-Beiträgen: „Das ist ein relativ eindeutiges Votum für einen Musterwechsel, um Zukunft zu gestalten.“ Die Samtgemeinde Barnstorf mit ihren vier Gemeinden (Flecken Barnstorf, Drebber, Drentwede und Eydelstedt) sei „weit davon entfernt, wesentlich mehr als eine Verwaltungseinheit zu sein“. Die strategische Ausrichtung ohne Parteipolitik sei ein absolutes Muss. Professor Kruse mahnt: „Wenn der Druck steigt und die Identität fehlt, verschärft sich der Kampf um die zur Verfügung stehenden Ressourcen.“ Zu erwarten sei, dass die Steuereinnahmen sinken, während die Aufgaben, bedingt durch den demografischen Wandel, wachsen: „Im Moment stehen wir verhältnismäßig gut da und schöpfen den Rahm ab“, formuliert es der Wissenschaftler, „aber einen Milchtopf kann man nur einmal abschöpfen“.

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