Die Asendorfer Gymnasiastin Pakiza Cecilia Nurzei erhält ein „START“-Stipendium

„Von nichts kommt nichts“

Hat noch viel vor in ihrem Leben: Pakiza Cecilia Nurzei.

Asendorf - (ine) · „Bildung ist der Schlüssel“, sagt Pakiza Cecilia Nurzei. Die 17-jährige Asendorferin weiß, wovon sie spricht: Vor kurzem hat sie wie 17 andere Schüler mit Migrationshintergrund in Niedersachsen ein „START“-Stipendium bekommen.

Schulungen, Bildungsgeld, ein Laptop – „START“ bietet leistungsstarken Mädchen und Jungen viele Hilfestellungen auf dem Weg zum Abitur. Die „START“-Stiftung ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Pakiza Nurzei hatte durch Zufall davon erfahren: „Erst war ich skeptisch und dachte, meine Chance wären gering. Dann dachte ich aber: Vielleicht habe ich Glück.“

Das hatte die 17-Jährige – vor allem aber viel Können und Ehrgeiz scheinen sie so weit gebracht zu haben. Nach ihrem Realschulabschluss wechselte sie auf das Gymnasium in Bruchhausen-Vilsen. Dort besucht sie die 11. Klasse, ist Kurssprecherin des Lateinkurses und hat besonderen Spaß an Politik und Geschichte. In ihrer Freizeit hat sie schon drei freiwillige Praktika absolviert. Zudem jobbt sie einmal pro Woche in der Asendorfer Apotheke. Ihr Ziel hat die Gymnasiastin klar vor Augen: „Ich möchte gerne Medizin studieren.“ Falls das nicht klappt, steht auch Plan B bereits: „Dann würde ich Geschichte und Politik auf Lehramt studieren.“

Denn: Bildung steht in ihrer Familie obenan. Bevor ihr Onkel nach Deutschland kam, hat er in Afghanistan Deutsch studiert. Pakiza Nurzeis Großmutter, ihre Tanten und auch ihre Mutter sind Lehrerinnen. Pakiza ist sich gewiss: „Wenn man etwas erreichen will, muss man etwas tun.“ Das leben ihre Eltern ihr vor, seitdem sie mit ihr aus Kabul flohen. Damals war Pakiza gerade geboren. Über den Landweg verließen sie Afghanistan, durchquerten Pakistan und landeten schließlich für einige Monate in der russischen Hauptstadt Moskau, bevor die Reise nach Deutschland und in Richtung Bruchhausen-Vilsen weiterging, wo bereits Pakizas Onkel lebte. Ihre Eltern und ihre Großmutter haben jahrelang Deutsch gepaukt – den deutschen Pass haben sie mittlerweile in der Tasche.

Deutschland ist für alle zur Heimat geworden, insbesondere für Pakizas drei Brüder, die alle hier geboren sind. Ihnen hilft sie bei den Hausaufgaben, bis zum Wechsel aufs Gymnasium hat sie nach der Schule auch für sie gekocht. „Das geht jetzt zeitlich nicht mehr“, sagt Pakiza, denn ihre Tage haben oft bis zu acht, einmal wöchentlich sogar zehn Schulstunden. Also bleibt ihre Mutter zu Hause und geht erst dann putzen, wenn Pakiza wieder zurück ist. Ihr Vater arbeitet als Bäcker – allesamt haben sie sich in den vergangenen 16 Jahren voll integriert. Für Pakiza Nurzei ist genau das der richtige Weg. „Trotzdem ist es wichtig für mich, meine Kultur und Tradition nicht zu vergessen.“ Auch ihre Hobbies kommen nicht zu kurz: „Ich schreibe Gedichte und Songtexte und singe mit meinen Cousinen.“ Pakizas Traum: „Ich würde gerne Gesangs- und Klavierunterricht nehmen.“

Dieser Traum ist dank des „START“-Stipendiums in greifbare Nähe gerückt: Denn die Teilnehmer erhalten nicht nur Laptop und Drucker, sondern auch 100 Euro Bildungsgeld pro Monat. Dieses Geld können sie unter anderem für Klassenfahrten, Schulbücher und Busfahrten zur Schule einsetzen. „Das ist für meine Eltern schon eine große Erleichterung“, weiß die 17-Jährige, die seit drei Jahren mit ihrer Familie in Asendorf lebt.

Pakizas Ziel ist es, bis zum Abitur in der „START“-Förderung zu bleiben. Eine Bedingung dafür: die Teilnahme an Bildungsseminaren, die von der Stiftung ausgerichtet werden. Ihr erstes Seminar hat sie kürzlich in Springe absolviert. „Da war ich das allererste Mal von zu Hause weg“, erzählt die strebsame junge Frau noch immer sichtlich aufgeregt. Sie hat noch viel vor in ihrem Leben. Dass sie dafür einiges tun muss, weiß sie: „Von nichts kommt nichts.“

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