Stadt und Agenda setzen auf Wegeseitenränder-Schutz / Landwirte in der Kritik / Konzeptvorschlag

Vogel, Hase und Rebhuhn in Not

Wegeseitenränder: Ulrike Ehlers und Manfred Diephaus in Stelle, Ecke „Zum Jericho“. Hier ist alles noch vor dem 30. Juni abgemäht worden, weiter hinten sind wenigstens noch einige Beerensträucher stehen geblieben.

Bassum - TWISTRINGEN (tw) Knicks, Gebüsch oder auch Gehölzstreifen: die letzten Biotope. Sie werden in der heute weitgehend ausgeräumten Feldmark durch Wegeseitenränder vernetzt. Die Twistringer Agenda-Beauftragte, Ulrike Ehlers, muss allerdings häufig feststellen, dass Randstreifen noch in der Brut- und Setzzeit, weit vor dem 30. Juni, gemäht oder gemulcht werden, obwohl unverzichtbar als Nahrungsquelle für viele Vogelarten, Feldhasen und Rebhühner.

„Wegeseitenränder gehören zu den wenigen Rückzugsmöglichkeiten für Gräser, Kräuter, Wildstauden sowie Spinnen, Insekten und Kleinsäuger“, erklärt Ehlers. Gemeinsam mit dem Sprecher der Agenda-Gruppe „Stadtentwicklung und Landschaftspflege“, Manfred Diep haus, hat sich die Beauftragte aus dem Rathaus in Stelle umgeschaut und viele Landwirte für ihr vorbildliches Verhalten gelobt. „Bis auf wenige Ausnahmen klappt das hier. So würden wir uns das auch in anderen Ortschaften wünschen“, betont Diephaus.

Die beiden haben aus gutem Grund verstärkt ihr Augenmerk auf Wegeseitenränder gelegt, die sich schließlich in Stadteigentum befinden, aber häufig rücksichtslos kurz gehalten werden. „Am Wegesrand gibt es mehr Nützlinge als Schädlinge. In Stelle haben wir gute Beispiele gesehen, aber mit manchen Landwirten kann man gar nicht reden. Da wird schon im April das Mähwerk eingesetzt. Außerdem nimmt der Feldklau jedes Jahr noch zu. Ursprünglich waren viele Wege viel breiter“, weiß Ulrike Ehlers.

Manfred Diephaus schüttelt auch den Kopf: „Warum kann man es in freier Landschaft nicht einfach wachsen lassen?“ Einmal im Jahr mähen, nach dem 30. Juni, sei vollkommen ausreichend. Im benachbarten Bassum schreite die Stadtverwaltung rigoroser ein, um Wegeseitenränder zu schützen.

Rückendeckung erhalten Ehlers und Diephaus von Leo Harms, Verwaltungsvorstand im Rathaus. Harms, auch Hegeringleiter, appelliert: „Es sollte im Interesse eines jeden Landwirtes sein, ein ausgeglichenes Verhältnis zur Natur zu haben.“ Ulrike Ehlers weiter: Gerade durch eine immer intensivere Flächenbewirtschaftung und weniger Rückzugsmöglichkeiten für Flora und Fauna sei es um so wichtiger, die Wegeseitenräume zu schützen. Einem fortschreitenden Artensterben könne man nur begegnen, in dem man bereit sei, auch Zugeständnisse an die Natur zu machen und nicht alles „tot zu pflegen“.

Agenda und Stadt setzen nun auf eine gemeinsame Lösung von Landwirten, Jägern und Naturfreunden, auf ein Konzept, das jedem Landnutzer gerecht wird. Im Gespräch ist ein Plan, der beschreibt, wann welche Wegeränder wie gepflegt werden müssen.

Berücksichtigt werden könnten auch Grabenrandstreifen. „Auf Dauer wäre der Natur geholfen, und auch der Geldbeutel würde durch weniger Pflegeaufwand entlastet“, so Harms.

Wie heißt es doch so treffend im Niedersächsischen Naturschutzgesetz: „Jeder hat sich so zu verhalten, dass Natur und Landschaft nicht mehr als nach den Umständen unvermeidbar beeinträchtigt werden (...). Der Naturgenuss anderer (...) darf nicht unnötig beeinträchtigt werden.“

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