Video-Wettbewerb „Cold Water Challenge“ treibt zur kreativen Höchstform

Virus infiziert Feuerwehren

Feuerwehr Lemförde kämpft gegen Darth Vader .
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Feuerwehr Lemförde kämpft gegen Darth Vader .

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Was verleitet gestandene Feuerwehrleute dazu, sich vor der Video-Kamera bis auf die Unterhosen zu entblößen? Gegen Bösewichte wie Darth Vader zu kämpfen? Oder voller Glücksseligkeit im Löschschaum zu baden?

Es ist ein Virus namens „Cold Water Challenge“, der zurzeit nicht nur im Landkreis Diepholz eine Wehr nach der anderen infiziert – und sie zur kreativen Höchstform treibt.

Das beweist die Flut von Video-Clips bei Youtube im Internet, in denen Feuerwehren und andere Hilfsorganisationen mit viel Humor – manchmal auch Klamauk – zeigen: „Wir verstehen Spaß!“ Schon bis gestern Abend hatten 63 der 119 Ortsfeuerwehren aus dem Landkreis Diepholz ihr Spaß-Video eingestellt. Mit jedem verbreitete sich das Virus schneller.

Denn „Cold Water Challenge“ funktioniert nach dem Kettenbrief-System: Wer einen Clip gedreht und eingestellt hat, nominiert bis zu drei andere Gruppen für den Jux-Wettbewerb. Die Benannten müssen binnen 24 oder 48 Stunden selbst einen pfiffigen Clip produzieren. Die Regeln: Eine Gruppe von mindestens vier Personen muss in einem Gewässer buchstäblich baden gehen, eine kräftige Dusche nehmen oder Spritztalent beweisen – auf möglichst kreative Weise. Schafft sie das nicht, muss sie eine Grillparty organisieren – und zwar für die Truppe, der sie die Nominierung zu verdanken hat.

Sehen Sie hier: Die Youtube-Videos der "Cold Water Challenges" der Feuerwehren der Region

Wer sich das Ganze ausgedacht hat, weiß offensichtlich niemand: „Ich würde auch gern mal wissen, wer diese Lawine ausgelöst hat“, sagt Feuerwehr-Pressesprecher Matthias Thom. Eines aber weiß er genau: Eine Grillparty musste noch keine Wehr im Landkreis organisieren, alle haben die Bedingungen erfüllt. Wenn in einigen Wehren Trauer herrscht, hat das einen anderen Grund: „Sie sind traurig darüber, dass sie noch nicht nominiert worden sind“, sagt Thom, der das gut verstehen kann: „Kameradschaftlich gesehen ist das ein tolles Event, bei dem alle riesigen Spaß haben.“ Das kann Bernd Segelhorst von der Feuerwehr Bassum nur bestätigen. Am vergangenen Freitag kam die Nominierung für Bassum. Nach einem Aufruf über den Internet-Dienst „What‘s app“ waren blitzschnell 15 Bassumer Einsatzkräfte zur Stelle. Ein demoliertes Auto, das noch am Tag zuvor als Rettungsübungsobjekt gedient hatte, bildete die Kulisse für den Video-Clip. Die Symbolik: Ein ohnmächtiger Schwerverletzter muss aus dem Wrack befreit werden. Weil das gelingt, freuen sich das – nun höchstlebendige – Opfer und seine Retter unbändig über das Leben. Nach dem Ringelpietz mit Unfallopfer entblättert sich eine Einsatzkraft nach der anderen und rutscht in einen Pool. „Schierschandudel“, lacht Bernd Segelhorst – und schwärmt noch immer: „Was wir für einen Spaß hatten!“ Dass manche Menschen Filmchen dieser Art mit dem Daumen nach unten bewerten, kränkt ihn nicht: „Wir sind 365 Tage im Jahr rund um die Uhr für die Bevölkerung da. Auch wir wollen mal unseren Spaß haben.“

Negative Reaktionen darauf, wie sich die Feuerwehr als kommunale Einrichtung im Internet präsentiert, kennt auch Matthias Thom: Trinkwasserverschwendung, Gefährdung von Einsatzkräften und Straßenverkehrsgefährdung lauten die Kritikpunkte.

Das will der Pressesprecher so nicht stehen lassen: .„Alarmfahrten werden zum Teil nachvertont!“ Die Wehren seien nicht mit Martinshorn unterwegs. Auch würde nach Möglichkeit Brunnenwasser genutzt, „und Gefahren haben wir jeden Tag vor Augen“. Deshalb würden die Einsatzkräfte auch beim Wettbewerb Verantwortung beweisen.

Wie bewertet Landrat Cord Bockhop die Clips? Er gönne den Feuerwehren den Spaß, weil der eben auch das Gemeinschaftsgefühl stärke. „Man sollte es natürlich nicht übertreiben und sich nicht selbst gefährden.“ Aber die Feuerwehr bei Youtube mal anders zu zeigen, könne einen positiven Effekt haben: „Da sehen jüngere Leute mal, wieviel Spaß man bei der Feuerwehr haben kann“, so Bockhop. Das stärke die Werbung für das Ehrenamt.

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