Experten und erfahrene Pilzesammler geben Tipps

Verwechslung kann tödlich enden

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Pilze sammeln ist nicht ungefährlich, da viele Speisepilze giftigen Exemplaren sehr ähnlich sehen. ·

Landkreis - Von Anne Schmidtke. Der Wald ruft: Viele Menschen sind zurzeit in der Natur unterwegs, um Pilze zu suchen. Auch im Landkreis Diepholz ziehen Sammler mit Körben bewaffnet los. Doch die Freizeitbeschäftigung ist nicht ganz ungefährlich.

„Beim Sammeln von Waldpilzen sollte große Vorsicht geboten sein. Wer sich nicht auskennt, sollte lieber die Finger davon lassen“, betont Apotheker Gerhard Sundermann. Der 67-jährige Diep holzer ist geprüfter Pilzberater. Wer bekömmliche Exemplare nicht von giftigen unterscheiden könne, der könne schnell eine Vergiftung erleiden.

Aus einer Pressemitteilung der Johanniter geht hervor, dass in Deutschland ungefähr 10 000 Pilzarten bekannt sind – davon werden rund 250 als Speise- und ebenfalls 250 als Giftpilze eingestuft. Alle anderen 9 500 Arten sind ungenießbar, bitter, zu klein oder aufgrund der Konsistenz schlicht nicht essbar.

„Einer der gefährlichsten Pilze ist der Knollenblätterpilz“, erklärt Martin Ebbecke. Er ist stellvertretender Leiter des Giftinformationszentrums Nord, das für die Bundesländer Bremen, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein zuständig ist. Nach dem Verzehr könne es zum Versagen der Leber und somit zum Tod kommen. „Wirksame Hausmittelchen gegen eine Pilzvergiftung gibt es nicht. Nur ein Arzt im Krankenhaus kann helfen“, so der Experte. Gefährlich sei auch der Pantherpilz, der leicht mit dem Gedrungenen Wulstling zu verwechseln, im Gegensatz zu diesem aber hochgiftig sei.

Laut Sundermann reicht es daher nicht aus, sich bei der Zuordnung der Pilze auf Internetbilder oder Bücher zu verlassen. Seiner Meinung nach sollten die Personen, die keine botanischen Kenntnisse hätten, im Supermarkt gezüchtete Champignons kaufen.

Heinz-Dieter Wilken aus Heiligenrode geht seit seiner Kindheit regelmäßig Pilze sammeln. Eine ältere Dame aus der Nachbarschaft habe ihm als Kind alles Wissenswerte beigebracht. Seine Erfahrungen und Kenntnisse gebe er nun an seinen elfjährigen Enkel weiter, der ihn oft beim Pilzesammeln begleite. „Man muss die Pilze kennen und sollte nichts Zweifelhaftes einsammeln“, so der 67-Jährige. Er lege in sein Körbchen vor allem Maronen, Steinpilze, Pfifferlinge oder Butterpilze. „Es ist wichtig, die Pilze nicht in einen Klarsichtbeutel zu legen, sondern sie luftig zu lagern“, weiß der Hobby-Mykologe.

Heiko Janßen, Mitglied der Nabu-Ortsgruppe Weyhe, ergänzt, dass die sehr proteinhaltigen Fundstücke niemals in einer Plastiktüte transportiert werden dürfen. In ihr würden die Fundstücke zerquetscht werden. Zudem gebe es keine Luftzirkulation, so dass die sehr wasserhaltigen Pilze anfangen würden, zu schwitzen. Dadurch beschleunige sich die Eiweißzersetzung und der Pilz werde rasant verderblich, so dass man sich schnell eine Lebensmittelvergiftung zuziehen könne. Der Hobby-Pilzsammler aus Melchiorshausen zieht am liebsten mit seiner Frau und Freunden los. Die Gruppe achte darauf, die Pilze abzuschneiden. „Verantwortungsbewusste Menschen reißen die Exemplare nicht aus. Schließlich sollen die Myzelien nicht zerstört werden, damit der Pilz weiter leben kann“, sagt der 70-Jährige. Er interessiere sich allerdings nicht nur für die heimischen Speisepilze, sondern auch für asiatische Pilze. „Die werden dort nicht nur für die Lebensmittelindustrie, sondern auch für die Medizin gezüchtet. Bestimmte Exemplare sollen schließlich Heilmittel enthalten“, erklärt Janßen seine Faszination. Am liebsten esse er den Steinpilz.

„Mit Zwiebeln, Pfeffer und Salz gebraten ist der Pilz auf Brot einfach nur köstlich“, schwärmt auch Heinz-Dieter Wilken.

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