Tierschützer – oder nicht?

Das Archivfoto stammt vom Einsatz auf dem Hof in Dörrieloh aus dem November des Jahres 2010.

SULINGEN. 103 Hunde, Katzen, Pferde, Ziegen, Hängebauchschweine und Degus. Etliche Tiere darunter, die krank sind, trächtige Hündinnen und zwei Hündinnen mit Welpen: Kann ein Ehepaar diese Vielzahl an Tieren artgerecht halten und jedes einzelne passgenau versorgen? Oder muss dem Ehepaar ein generelles Tierhaltungsverbot ausgesprochen werden?

Diese Frage wird derzeit im Amtsgericht Sulingen geklärt. Gestern vertagte Richterin Katja Pahl-Klenner die Verhandlung – es konnten nicht alle Zeugen vernommen werden.

Die Anklage gegen das Ehepaar B. aus dem Varreler Ortsteil Dörrieloh ist umfangreich. Der Räumungsaktion im November 2010 sind verschiedene Besuche des Veterinäramtes vorausgegangen, mit mehrfachen Beteuerungen des Ehepaars, für Besserung zu sorgen und – den Bestand an Tieren zu verringern. Als das nicht geschieht, greifen die Veterinäre des Landkreises Diepholz ein und evakuieren 97 Hunde vom Hof. In einer zweiten Aktion im März 2011 werden weitere Hunde abtransportiert (wir berichteten).

Bevor sich Richterin Pahl-Klenner jedoch den Vorwürfen nähert, lässt sie sich vom Ehepaar B. schildern, wie es in diese Situation kam. Die berufliche Vorgeschichte der ehemaligen Schausteller enthält keinerlei Ausbildung in Richtung Tierhaltung. Man habe aber „immer Tiere gehabt“. Hunde gezüchtet hat das Paar auch schon einmal.

1986 erleidet Frau B. einen Arbeitsunfall, in dessen Folge sie sich einen sechsstelligen Betrag als Rente auszahlen lässt. Das Paar „wechselt“ in den Tierschutz. Immer noch ohne Ausbildung, wie Pahl-Klenner nachhakt. Tatsächlich arbeitet das Paar nach eigenen Angaben mit einem Münchner Verein zusammen, der Futter stellt, Strom und Wasser bezahlt sowie den Eheleuten ein „Taschengeld“ von 500 Euro monatlich. Alle weiteren Kosten, unter anderem für den Tierarzt, bestreitet das Paar aus der Vermittlung von Hunden. Mit dem Münchner Verein arbeite man nicht mehr zusammen, dafür aber nach eigenen Angaben mit einer „Haus- und Wildtierhilfe“. Über „Animals Hope“ in Wehrbleck und das Tierheim in Dickel seien Tiere vermittelt worden.

Vernachlässigte Tiere, kranke Tiere werden dem Ehepaar, so hört es sich an, von überall her vor die Türe gelegt. Andere „retten“ Tiere im europäischen Ausland und leiten sie weiter an das Ehepaar B., das agiert nach dem Motto: „Wo die anderen satt werden, wird der eine auch noch satt.“ Stetige Helfer auf dem Hof zur Versorgung der Tiere gibt es scheinbar nicht. Das Ehepaar sieht sich in der Tierhaltung versiert genug, man habe etwa teures Werkzeug angeschafft für die Hufpflege der Pferde und sich diese zeigen lassen. Richterin Pahl-Klenner allerdings entlässt das Ehepaar nicht aus der Verantwortung und fragt immer wieder: „Ist das artgerecht?“

Es gibt eine Vielzahl von Aussagen der Veterinäre in der Anklage, die werden durch das Ehepaar bestätigt, bei anderen behauptet es empört das Gegenteil. Ja, die Zustände seien nicht optimal gewesen. Doch, man habe die Tiere medizinisch versorgt. Einen Teil der Anschuldigungen weist das Paar zurück mit dem Hinweis darauf, dass man angesichts des „Überfallkommandos“ die tägliche Versorgung der Tiere nicht habe durchführen können. Doch die Tierärzte im Veterinäramt des Landkreises Diepholz, die vor Ort waren, Dr. Konrad Dams und Leiterin Dr. Anja Eisenack, schließen kategorisch aus, dass Verletzungen, Erkrankungen und Verschmutzungen kurzfristig erfolgten.

In der Vernehmung der beiden Tier-Fachleute wird deutlich, was das Ehepaar B. nicht ist: Tier-Profi. Kein Futterkonzept, kein Haltungskonzept, insbesondere für kranke Hunde. Zu gut sind einige Hunde ernährt, schlecht wiederum andere, einzig den Ziegen scheint es bestens zu gehen.

In zwei Wochen wird die Verhandlung fortgesetzt. Dann geht es um die medizinische Versorgung der Tiere. n sis

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