Spielkreis: Kündigungist rechtens

Twistringen / Nienburg - Von Theo Wilke. Der Vorsitzende Richter sprach von Meinungsverschiedenheiten, „sittenwidrig“ habe der SV Mörsen-Scharrendorf (SVMS) aber nicht gehandelt, sondern ordentlich und nicht fristlos gekündigt: Auf einen Vergleich einigten sich gestern vor dem Nienburger Arbeitsgericht die im Dezember entlassene Miniclub-Leiterin Susanne Heuermann und Vereinsvertreter.

Der geringfügig beschäftigten Erzieherin aus Ringmar werden vier Monatsverdienste (insgesamt 1600 Euro) nachgezahlt, sie erhält eine Abfindung in Höhe von 800 Euro brutto für den Verlust ihres Jobs. Ihr Arbeitszeugnis wird angepasst. Die Verfahrenskosten, vom Vorsitzenden Richter mit 2 400 Euro beziffert, trägt der Verein.

Ende Januar war ein Gütetermin in Nienburg gescheitert. Daraufhin hatte der Richter den Kammer-Termin angesetzt.

Auslöser des Zerwürfnisses war im Herbst 2012 eine Geldspende in Höhe von 5 000 Euro von der Kreissparkasse Syke, zweckgebunden für den Miniclub. Der Vereinsvorstand wollte das Geld noch nicht freigeben, sondern sich zunächst mit der Gesamtsituation des rund 1 200 Mitglieder starken Sportvereins und der Entwicklung 2013 und darüber hinaus befassen. Dies verärgerte Susanne Heuermann, die sich sehr für die Zuwendung von der Sparkasse eingesetzt hatte.

Die Vereinsseite vertrat dagegen den Standpunkt, dass der Vorstand über die Verwendung der Spende entscheide. Damit konnte und wollte sich die Miniclub-Erzieherin nicht abfinden. Anfang Dezember eskalierte der Konflikt und ihr wurde gekündigt, sie freigestellt und ihr fortan der Gang ins Vereinshaus verwehrt. Laut Heuermanns Rechtsbeistand Harald Weymann fühlte sie sich zu Unrecht „abgestraft“ und „rausgeworfen“.

Das sah der Vorsitzende Richter Dr. Rinck gestern aber nicht so. „Ja, es gab Meinungsverschiedenheiten wegen der Geldspende von der Kreissparkasse, die Kammer kann auch die Verärgerung der Klägerin verstehen“, hieß es. Das Gericht stellte zudem fest, dass der Sportverein in 2012 insgesamt 4200 Euro für Spielmaterial zugunsten des Miniclub-Spielkreises ausgegeben habe und die vom Spendengeld der Kreissparkasse geplante Spiel-Empore inzwischen auch angeschafft worden sei.

Nach der Verhandlung vor der 2. Gerichtskammer äußerte sich Susanne Heuermann zufrieden. Vor allem auch, weil der anwesende Vereinsvorsitzende Andreas Siegmann und Fachanwalt Uwe Kamper von Helms und Partner freiwillig einer Verlängerung der Kündigungsfrist vom 31. Januar auf den 31. Mai zustimmten.

Die Gerichtskammer hatte eingangs festgestellt, dass die Erzieherin seit 1999 im Miniclub beschäftigt ist, auf 400-Euro-Basis. Ihr sei am 3. Dezember 2012 ordentlich gekündigt worden.

Streit im Sportverein ist beigelegt

Der SVMS als Arbeitgeber habe der Erzieherin vorgeworfen, Interna nach außen getragen zu haben. Ob dies schon vereinsschädigend gewesen sei, könne man unterschiedlich sehen, so der Vorsitzende Richter. Andererseits schieße die Klägerseite mit dem Vorwurf „sittenwidriges Verhalten“ gegen den Verein sicher übers Ziel hinaus. Eine „zu vehemente Bewertung“, erklärte der Kammer-Vorsitzende.

Anwalt Weymann kritisierte noch, dass Sportvereine wie der in Mörsen mit ihren vielfältigen Kursangeboten unter anderem eine Konkurrenz zu Fitnessclubs, letztlich zu Wirtschaftsbetrieben, darstellen würden.

Die Gegenseite ging darauf nicht ein, sondern signalisierte ihre Bereitschaft zum Vergleich. Für einen gemeinnützigen Verein, so Anwalt Kamper, sei dieses Einlenken „finanziell schon hart“. Und wenn der Vereinsvorstand den Eindruck einer fristlosen Kündigung erweckt habe, sei dies „keine böse Absicht“ gewesen. Wollte der Verein zunächst 400 Euro Abfindung zahlen, stimmte man schließlich einer Verdoppelung zu.

Für Andreas Siegmann ist der Streit auch beigelegt. Er betonte noch: „Wir sind kein Verein im Verein. Das Gemeinwohl geht vor dem des Einzelnen. Der Stärkere setzt sich für den Schwächeren ein.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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