Ausbombung und Evakuierung: Familie Lezak kam 1944 auf den Hof Linderkamp in Bockhop

Verbindung in fünfter Generation

Brigitte und Ralf Lezak, Wera und Willi Kleinlarfeld, Noah, Sandra mit Christian Schlebusch, Ilse und Heinrich Linderkamp, Rolf und Karin Linderkamp (stehend v.l.); Finn Linderkamp, Linus Schlebusch, Lasse Linderkamp (vorn v.l.).

Sulingen - BOCKHOP (mks) · Heinrich Linderkamp (70) und Ralf Lezak (68) haben sich als Kleinkinder im Sommer 1944 kennen gelernt. Mittlerweile hat ihre Freundschaft, deren Grundstein ihre Eltern Dora und Fritz Linderkamp und Else und Karl Lezak legten, weite Kreise gezogen: Heute sind vier Generationen stolz auf die 65-jährige Familienfreundschaft.

„Ich weiß vieles nur aus Erzählungen meiner Mutter, aber an unsere Ankunft bei Linderkamps mit dem Pferdewagen erinnere ich mich noch genau“, erzählt Ralf Lezak von den ersten Eindrücken der Einquartierung auf dem Hof in Bockhop, der nach der Ausbombung seiner Familie in Moers am Niederrhein für die folgenden acht Jahre sein Zuhause war. In Borstel wurde er eingeschult, hier kam im Jahr 1946 seine Schwester Wera zur Welt. Dass Dora Linderkamp die Patenschaft übernahm, zeigt die schon damals enge Verbundenheit der Familien.

Lezaks waren vier von 22 Flüchtlingen, die während des Krieges auf dem Hof einquartiert waren, die Beziehung war von Anfang an eine besondere. Während Karl Lezak als reisender Händler von Fisch, Obst und Gemüse – erst mit Fahrrad und Anhänger, dann mit einem dreirädrigen Tempo-Mobil – den Lebensunterhalt der Familie verdiente, brachte sich Else Lezak in der Landwirtschaft ein. 1952 zogen die „Rheinländer“ wieder zurück nach Moers zu den Großeltern, da sich für Karl Lezak die Möglichkeit ergab, seinen ehemaligen Beruf wieder aufzunehmen.

Für Wera und Ralf Lezak blieb Bockhop „ein Stück Heimat“, auch wenn die Kontakte in den ersten Jahren nach dem Rückzug lockerer wurden. „Man hatte nicht die Möglichkeiten wie heute“, sagt Heinrich Linderkamp. Sechs Jahre später stand sein Freund aus Kindertagen wieder vor der Tür. Ralf Lezak verbrachte als Sechzehnjähriger seinen ersten Urlaub bei Linderkamps. Gäste und Gastgeber erinnern sich an gemeinsame Feiern, aber auch an viele Arbeitseinsätze in den vergangenen Jahrzehnten. „Da haben die Bockhoper gestaunt, dass wir Städter auch zur Kartoffelernte taugen“, erzählt Wera Kleinlarfeld lachend.

Dafür, dass nicht nur Geschichten von früher die Runde machen, sorgen die jüngsten beiden Generationen. Inzwischen sieht man sich hüben oder drüben mehrmals jährlich. Zum Jahreswechsel genossen Ralf und Brigitte Lezak, Wera und Willi Kleinlarfeld, deren Tochter Sandra und Schwiegersohn Christian Schlebusch mit den Kindern Linus (10) und Noah (13) die Gastfreundschaft von Heinrich und Ilse Linderkamp, Sohn Rolf, Schwiegertochter Karin und den Enkeln Finn (11) und Lasse (8).

„Wir haben uns immer viel zu erzählen“, beteuert Ilse Linderkamp. Sie freut sich, dass Kinder und Enkel beider Familien sich gut verstehen und die Freundschaft „vorbildlich weiterführen“. „Nicht weil wir müssen, sondern weil wir wollen“, bekräftigt Sohn Rolf. Eigentlich könne man auch einmal zusammen Weihnachten feiern, lautet der Vorschlag von Sandra, mit dem sie Zustimmung erntet. Aber vorher gibt es einige andere Anlässe für (Groß-)Familientreffen.

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