„Fang bei Heiligenloh“: Klostermönche trifft Himmelsfluch

Verbannte Seelen tanzen als Irrlichter im Sumpf

Die Brücke über die Heiligenloher Beeke an der Henckemühle, unweit davon sollen die Mönche gelebt haben.

Bassum - HEILIGENLOH (tw) Es mag ein oder zwei Generationen zurück liegen: Es ist Herbst.

Über die Heiligenloher Beeke ziehen Nebelschwaden. Die Dorfbewohner erschrecken jedes Mal, wenn die ruhelosen Seelen der schuldig gewordenen Mönche über dem Sumpf auftauchen. Das einstige Kloster mitsamt den Glaubensbrüdern sei, so erzählt uns heute noch die schauerliche Sage „Der Fang bei Heiligenloh“, einst im Schlamm der reißenden Beeke versunken.

Wo direkt hinter der heutigen Grundschule das Gelände rapide abfällt, wo die Beeke sich durch die Niederung schlängelt und in den Teich der Henckemühle mündet, existiert seit dem 17. Jahrhundert „Des Pastors Fang“, zumeist im Besitz der örtlichen Pfarre. Pastor Movius schreibt damals an den Superintendenten in Sulingen und beklagt sich darüber, dass aufgrund des durch den Pächter der Henckemühle erhöhten Staus die Grünflächen überschwemmt, das Heuen und Weiden der Kühe gefährdet werden. Nach einem Jahrzehnte langen Rechtsstreit muss der Henckemüller zur Heuzeit den Wasserspiegel niedriger halten.

Bis ins 18. Jahrhundert zurück führen Überlieferungen der Sage, die sich um den „Fang“ rankt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stößt der Volksschullehrer Heinrich Gade aus Liebenau auf den erstmals 1252 urkundlich erwähnten Ort „hilegenlo“, was soviel bedeutet wie „Siedlung bei einem heiligen Wald“. Von einer heidnischen Kultstätte in germanischer Zeit ist auch die Rede, von einem großen Grabhügel aus der älteren Bronzezeit. Nach Gade soll an der Stelle des heutigen Pfarrhauses ein Kloster gestanden haben.

1925 veröffentlicht August Kuckuck, Lehrerssohn aus Heiligenloh, die Sage vom „Fang bei Heiligenloh“. Und danach entdecken missionierende Mönche auf ihrer Wanderung von Minden oder Sulingen aus das abschüssige, aber fruchtbare Gelände an der Heiligenloher Beeke. Sie bauen ein Kloster. Die frommen Brüder ernten, was fischreicher Bach und Landwirtschaft bescheren.

Der Abt des Klosters wendet sich an seine Mitbrüder, als ihnen einmal ein ganz besonderer Fang gelingt. Was er kund tut, hat auch Heimatforscher Bernhard Fies im „Twistringen“-Buch (1999) nacherzählt: „Wir finden alles, was wir fürs Leben brauchen. Hier wird uns alles geschenkt (...). Lasst uns als Zeichen unserer Dankbarkeit von jedem Fischfang den schwersten Hecht wieder zurück in die Beeke tauchen.“ Die Mönche legen sogar ein Gelübde ab.

Jahre später leitet ein Abt das Kloster, der den Genüssen dieser Welt mehr zugetan ist als Bußübungen. Auch seinen Mönchen gefällt das Leben im Überfluss besser. An ihr Gelübde denken sie nicht mehr, bis das Unheil über sie hereinbringt.

An einem unerträglich heißen Julitag trifft die gar nicht mehr so frommen Brüder der Fluch des Himmels. Es legt sich eine furchterregende schwarze Wolke über das Kloster, Petrus öffnet die Himmelsschleusen und lässt die beschauliche Beeke dramatisch anschwellen. Die fruchtbaren Äcker werden überflutet, Klostermauern und Mönche versinken spurlos im Schlamm.

August Kuckuck schließt 1925 mit dem Satz: „Über dem Kloster erwuchs der Erlenbruch, und Irrlichter tanzen in gewissen Nächten auf dem Sumpfgelände. Man sagt, es seien die ruhelosen Seelen der gebannten Mönche.“ Soweit zu dieser Sage.

Hier ein Nachtrag zu den „Zwergen bei der Essemühle“: Friedhelm Wessels aus Groß Ringmar hat uns dankenswerterweise berichtet, dass der Begriff „Windworp“ nichts mit Windwurf oder abgebrochenem Baum zu tun habe, sondern ein Maulwurf sei. In Twistringen kenne man „Winneworp“, im Emsland „Winnewarp“, in Lohne „Hunnewapps“, in Ostfriesland „Winneworpen“.

Mehr Informationen über die spannenden Twistringer Sagen und Touren gibt es aus dem Büro von Heike Harms im Rathaus, unter Tel. 04243/413-106, E-Mail: h.harms@twistringen.de

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