Eva Böller: „Eine spannende Reise ins Ungewisse“

Urlaub auf einem Frachter

In Mannheim hat der Kapitän Dieter Last bei der BASF Düngergranulat geladen.

Weyhe - (sie) Zwölf Kilometer pro Stunde – das ist exakt die Geschwindigkeit, mit der die Landschaft vorbeizieht.

Die Weyher Gleichstellungsbeauftragte Eva Böller hat sich für den Urlaub mit ihrem Partner ein ganz besonderes Fortbewegungsmittel ausgesucht, um Deutschland innerhalb von zwei Wochen zu bereisen: den 80 Meter langen Binnenfrachter mit dem Namen „Mo-Bay“. „Ich war in einer schnuckeligen Ferienwohnung untergebracht, die sich am Bug des Schiffes befand. Dort hatten früher die Schiffsjungen ihre Kajüte.“

Ein besonderer Reiseweg ist deshalb nicht buchbar, weil es eben kein Kreuzfahrtschiff ist und der Kapitän nicht im voraus wisse, wo er eine Ladung aufnimmt und wo sie gelöscht wird, erklärt Böller. Sie bestieg im holländischen Lochem in der Nähe von Hengelo das Schiff. Die Reise begann mit einer „Bergfahrt“ nach Mannheim. Dort sollte der Kapitän Düngergranulat der BASF laden. Der Weg führte über einige Kanäle bis auf den Rhein. „Wir legten in Köln und Lahnstein Zwischenstopps ein“, sagt Böller. Es sei eine herrliche Tour gewesen: „Während Intercity-Züge der Bahn AG nur an den Ortschaften und Weinbergen vorbeihuschten, konnten wir viele Details ganz genau betrachten.“ Zwischen den Mahlzeiten („Die Frau des Kapitäns war eine begnadete Köchin“) und der Lektüre von Büchern, hatte sie viel Zeit, Freunde entlang der Strecke anzurufen. „Man hat Muße zum Reden und kann die Seele baumeln lassen“, erzählt sie. In Mannheim konnte jedoch die Fracht nicht sofort aufgenommen werden. Der Frachter musste für etwa eineinhalb Tage eine Parkposition einnehmen. Per Transportförderband kam das Düngergranulat direkt aus Güterwaggons. Der Kapitän hatte den Auftrag erhalten, seine Fracht bis zur Löschstation Lesering bei Nienburg zu bringen. „Über Rhein, Ruhr, Rhein-Herne-Kanal, Dortmund-Ems-Kanal, Mittellandkanal und Weser erreichten wir unser Ziel“, blickt Böller zurück, die besonders der Aufenthalt in Schleusen unterschiedlicher Bauart genossen hatte. „Schleusen sind spannend“, erläutert die Gleichstellungsbeauftragte. „Die Wände links und rechts sind nass. Und es ist ein toller Anblick, wenn sich die Tore weiten oder sie hoch- oder heruntergelassen werden.“ Sehenswert sei auch die Oberschleuse in Minden gewesen, in der ein Schiff wie in einer Badwanne hoch- oder hinunter befördert wird. „Wenn man auf einem Schiff ist, bekommt man ein Gefühl für Gewichte und für die Kräfte des Wassers“, weiß Böller jetzt aus eigener Erfahrung.

Über die Wirtschaftskrise hätten sie mit dem Kapitän Dieter Last sowie mit seiner Ehefrau und Steuerfrau Monika auch gesprochen. Eva Böller: „Die Kapitäne können bei einer zentralen Stelle angeben, wo in welcher Region sie sich befinden.“ Wer einen Frachtauftrag zu vergeben hat, meldet sich bei den dort registrierten Schiffen. Kündige sich ein Übersee-Schiff mit Getreide in Bremerhaven an, so versuchten mehrere Kapitäne, dort einen Auftrag zu ergattern, berichtete der Schiffseigner Last vom harten Konkurrenzkampf.

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