Alter Sitzungssaal im Syker Amtsgericht erlebte viele denkwürdige Prozesse

Unerwartete Amtshilfe als es um die Wurst ging

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Der heutige Altbau des Syker Amtsgerichts in einer farbigen Illustration von 1870. Grafik: Stadtarchiv

Syke - Von Dieter NiederheideMit seinem alten Sitzungssaal verliert das Amtsgericht Syke im neuen Jahr ein Stück seiner Geschichte. Nur noch bis Ende Januar sollen dort Strafprozesse abgehalten werden. Danach wird im neuen Sitzungssaal im Neubau verhandelt.

Große und kleine Gauner, Betrüger, Schwerstkriminelle, Verkehrssünder und Raufbolde sind im Laufe von vielen Jahrzehnten im mehrfach restaurierten  Sitzungssaal verurteilt  worden.

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg diente das 1843/44 zunächst als Gefangenenhaus gebaute Amtsgericht und sein Sitzungssaal den Militärrichtern des XXX. Britischen Korps unter Major Hendry, einem Schotten. Die Urteile wurden unter dem Union Jack, der britischen Fahne, gesprochen.

Auch in späteren Jahren wurden noch Zuchthausstrafen verhängt, und als Nebenfolge einer Verurteilung konnte sogar der Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte angeordnet werden. Das wurde erst mit der Ersten Strafrechtsreform von 1969 abgeschafft.

Aber in früheren Zeiten wie auch heute noch gab und gibt es eine andere Seite der Gerichtsbarkeit: Strafprozesse, bei denen ruhig auch mal geschmunzelt werden darf, hat der alte Sitzungssaal im Amtsgericht zur Genüge gesehen.

Im Dezember 1952 wurde ein Syker wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, Hausfriedensbruchs und Nötigung zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Er hatte auf der Polizeiwache in Syke gedroht, alle Scheiben einzuschlagen.

Im gleichen Jahr war auch die Verhandlung gegen eine aus Schlesien stammende „mittelgroße rundliche Frau“, wie der Berichterstatter damals aus dem  Gerichtssaal schrieb, die in Okel vier Mettwürste gestohlen haben sollte. Dem Bericht zu Folge soll die Frau ganz baff gewesen sein, als ihr der Amtsgerichtsrat unvermittelt ihren Strafregisterauszug aus Schlesien vorhielt – hauptsächlich Eigentumsdelikte. Die Behörden jenseits des Eisernen Vorhangs hatten unerwartet Amtshilfe geleistet und die Vorstrafenlatte der Frau nach Syke  geschickt.

Dennoch kam sie vor Gericht ungeschoren davon. Die Verhandlung ergab: Die Angeklagte war zwar um die Tatzeit herum im Hause, um Strümpfe gegen Lebensmittel einzutauschen. Und als sie entschwand, verschwanden auch die Würste. Aber der Richter stellte fest, dass die Tür zum Bauernhaus in Okel jederzeit offen stand. Und somit hätte sich jeder an den Würsten, die an der Decke hingen, gütlich tun können.

Wegen falscher Anschuldigungen gab es für eine  Sykerin 180 Mark Strafe. Sie hatte nach einem Brand, bei dem an der Schlossweide eine Frau zu Tode kam, den Hausbesitzer in einem Brief an die Polizei in Verruf gebracht.

1956 überholte ein Lastwagenfahrer auf der Herrlichkeit so rücksichtslos ein Motorrad mit Beiwagen, dass er vom Amtsgericht zu einem Monat Gefängnis ohne Bewährung verurteilt wurde und seinen Führerschein für ein Jahr abgeben musste.

Handfeste Prügeleien auf Volksfesten gab es immer schon. Ein Amtsgerichtsrat mahnte nach eeiner Schlägerei auf einem Schützenfest: „Es geht darum, den fröhlichen und ungestörten Verlauf der Volksfeste vor Schlägereien und Streitereien zu schützen.“ Der Schläger, der einem Gast ein Bierglas auf den Kopf gehauen hatte, bekam eine saftige Geldstrafe.

Die Zahl der Strafprozesse stieg an, als die Amtsgerichte Bassum (1974) und Bruchhausen- Vilsen (1973) nach Syke  kamen.

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