Zuviele Brunnen und Verunreinigung durch Öldeponien?

Bürger sorgen sich um das Wasser

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Kritische Zuhörer: Elf Bürger während der Beratungen im Fachausschuss für Kreisentwicklung und Umwelt.

Twistringen - Von Anke Seidel. Bürger aus dem Landkreis Diepholz sorgen sich um das Wasser – und haben deshalb sowohl die Öl- und Bohrschlammdeponien im Landkreis als auch das neue Regionale Raumordnungsprogramm kritisch im Blick. Fragend begleiteten sie die Beratungen im Fachausschuss für Kreisentwicklung und Umwelt, der unter der Leitung von Elmar Könemund (Grüne) im Twistringer Rathaus tagte.

„Wieso genehmigt der Landkreis so viele Brunnen zur Feldbewässerung?“, wollte Cornelia Segelke aus Ströhen wissen – und präsentierte eine mit Standorten übersäte Karte. Die Konsequenz könne nur ein sinkendes Grundwasser sein, vermutete die kritische Bürgerin. „Ich finde es erschreckend, wenn bei 30 Grad der Mais bewässert wird, der dann anschließend in der Biogas-Anlage landet“, erklärte sie den Politikern – und erfuhr von Franz Vogel, Leiter des Landkreis-Fachdienstes Umwelt und Straße: „Wasserrechtlich sind Brunnen nicht genehmigungsfähig.“ Will heißen: Brunnenbauer müssen keine Anträge stellen. Aber: „Die Entnahme von Wasser aus dem Brunnen muss genehmigt werden“, so Vogel. Es sei in der Tat so, bestätigte er die Einschätzung der Zuhörerin, dass die Zahl der Brunnen im Landkreis deutlich zugenommen habe. Doch laut Wasserrahmenrichtlinie sei im Landkreis Diepholz noch alles im „grünen Bereich“. Grundwasseraufkommen und Entnahme seien im Gleichgewicht.

„Wie ist das messbar?“, hakte die Frau aus Ströhen nach. Berechnungen auf Landesebene würden mit den wasserrechtlich genehmigten Entnahmemengen abgeglichen, antwortete Vogel.

Kritisch hinterfragte ein anderer Bürger die Tatsache, dass im Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) für das Unternehmen Rodekohr, sprich Vilsa Brunnen, und den Wasserbeschaffungsverband Syker Vorgeest im Bereich Bruchhausen-Vilsen ein Wasserschutzgebiet ausgewiesen ist – nicht aber für das Unternehmen Lütvogt, sprich Auburg-Quelle, in Wagenfeld. Warum, begründete Erster Kreisrat Wolfram van Lessen mit einem umfassenden Gutachten. Genau das habe das Unternehmen Rodekohr vorgelegt.

Das Unternehmen Lütvogt habe dem Landkreis Teilgutachten vorgelegt, die aber für die Ausweisung eines Schutzgebietes nicht ausreichen würden.

Gefahr droht, so befürchteten zwei Bürger aus dem Raum Sulingen, dem Grundwasser durch Bohrschlamm- und Öldeponien. Das stellten sie im Fachausschuss unmissverständlich klar. Zumindest eine der 53 Deponien liege in einem Wasserschutzgebiet bei Bahrenborstel, erklärte ein Bürger. Doch das bestätigte sich während der Beratungen nicht, es gibt also noch Klärungsbedarf.

Einstimmig empfahlen die Ausschussmitglieder allerdings die gezielte Untersuchung dieser 53 Plätze, auf denen in der Zeit zwischen 1958 und 1988 Grabungs- und Bohrrückstände aus der Erdöl- und Erdgasförderung abgelagert worden waren. Die Exxon nutzte dabei 41 Plätze, Wintershall zwölf.

Bis 2021 will der Landkreis alle untersucht haben – und rechnet mit bis zu 80 Prozent Zuschuss. Grundlage dafür: eine Vereinbarung des niedersächsischen Umweltministeriums und des Wirtschaftsverbands Erdöl- und Erdgasgewinnung (wir berichteten).

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