Zukunft der Alten Ziegelei

Fraktionen im Rat: Unterstützung ja, Kauf nein

Gebäude der Alten Ziegelei in Twistringen
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Die Nachricht vom geplanten Verkauf der Alten Ziegelei hat Wellen geschlagen. Die Freunde der Ziegelei wollen die Konzertstätte erhalten.

Die Zukunft der Alten Ziegelei in Twistringen als Kultur- und Veranstaltungsstätte ist ungewiss. Wie berichtet, soll das Ensemble in Kürze zum Verkauf angeboten werden. Die düstere Prognose von Bürgermeister Jens Bley, der meint, dass die Stadt aufgrund der angespannten Finanzlage nicht als Käufer auftreten könne, wird von den Fraktionsvorsitzenden des Rates bestätigt. Das ergab eine Umfrage dieser Zeitung.

Twistringen – Wie lange steht die Alte Ziegelei in Twistringen noch als Veranstaltungsstätte zur Verfügung? Die Eigentümerin muss das Gebäude verkaufen. Die Stadt kann aus finanziellen Gründen den Kauf nicht tätigen. Das hat Bürgermeister Jens Bley im Gespräch betont. „Da hat er leider recht“, erklärt Ulrich Helms von den Freien Wählern. Würde Twistringen finanziell gut dastehen, wäre der Erwerb eine einfache Sache.“ Da sind sich die vier Fraktionsvorsitzenden alle einig.

„Nach den Haushaltsberatungen sehe ich einfach keinen finanziellen Spielraum mehr“, nimmt Bernhard Kunst, Fraktionsvorsitzender der CDU, Stellung. „Das muss auf privater Ebene laufen“, erklärt auch Ansgar Wilkens von der FDP. Er und Kunst sichern jedoch Hilfe zu, auf Bundes- und Landesebene Fördertöpfe aufzuspüren. „Da können wir unterstützen.“ Eine Unterstützung sagt auch Helms zu, sollte ein gutes finanzielles Konzept vorliegen. „Dann werden wir uns in der Fraktion auch weiter mit dem Thema befassen.“ Schließlich gebe es keinerlei Alternativen, um das Flair und die familiäre Atmosphäre andernorts widerzuspiegeln. „Der Standort muss einfach erhalten bleiben, er ist kulturell einfach zu wichtig für die Stadt.“

„Es wird sehr schwer sein, einen Käufer für das Areal zu finden“, vermutet Hermann Niederwestberg von Bündnis 90/Die Grünen. „Das muss schon ein Liebhaber sein.“ Er sehe den Verkauf auch als Privatsache der Familie Grohe an. „Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass es für die Freunde der Alten Ziegelei weitergehen kann.“

Es gibt viele verschiedene Ideen – vom Crowdfunding bis zum Angebot, Eigentumsanteile zu erwerben.

Diese Hoffnung haben auch deren Vorsitzende René Beckmann und Maik Theißen. „Dass die Resonanz auf den Artikel so intensiv sein wird, damit habe ich wirklich nicht gerechnet“, freut sich Theißen. Unzählige Anrufe, Mails und WhatsApp-Nachrichten hätten die beiden erreicht. „Es gibt viele verschiedene Ideen – vom Crowdfunding bis zum Angebot, Eigentumsanteile zu erwerben“, so der zweite Vorsitzende. Sogar Hamburger, die das Ziegelei-Open-Air regelmäßig besuchen, hätten angeboten, zu helfen. „Der Artikel hat hohe Wellen geschlagen, und die Twistringer machen sich Sorgen“, erklärt Beckmann. „Wir als Verein beschäftigen uns intensiv mit einem möglichen Kauf oder der Gründung einer Eigentümergemeinschaft“, möchte er diese beruhigen. Aber dies sei alles eng verknüpft mit zukünftigen Nutzungsmöglichkeiten. „Vieles muss erst noch mit den zuständigen Behörden abgeklärt werden.“

Weithin sichtbar: Der Schornstein der Alten Ziegelei.

Den Verkauf der Alten Ziegelei in den einzelnen Fraktionen zum Thema zu machen, sieht nur Kunst als gegeben an. „Natürlich werden wir darüber sprechen, denn der Verein hat alle Unterstützung verdient.“

Fraktionen sichern Unterstützung zu

Niederwestberg sieht das anders. „Darüber brauchen wir gar nicht nachdenken, denn Twistringen hat ganz andere Prioritäten.“ Für Wilkens sei das eher eine Aufgabe, die parteiübergreifend angegangen werden sollte. Man könne seiner Meinung nach vonseiten des Rates an die Landesregierung herantreten und um Fördermittel bitten. Außerdem regt er die Gründung einer Genossenschaft an. „Denn es geht ja nicht nur um den Erwerb, sondern auch um die anschließende Betreibung und Unterhaltung.“

Kunst spricht sogar von einem Zwei-Säulen-System. Spenden für den Kauf und im Anschluss Einnahmen durch Bewirtschaftung und Events für den laufenden Betrieb. „Ich glaube, dass die Alte Ziegelei sich inzwischen so etabliert hat, dass sich da der eine oder andere Euro verdienen lässt“, ist sich Niederwestberg ebenfalls sicher. Die Diskussion sei laut Kunst nun angestoßen. Es liege an allen Beteiligten, Ideen zu entwickeln und diese umzusetzen.

Kommentar von Sabine Nölker

Die Alte Ziegelei muss als Kulturstätte erhalten bleiben! Dies sollte gleichermaßen ein Muss für Politik und Verwaltung sowie für die Bürger sein. Der Wille scheint von allen Seiten da zu sein, nur fehlen die finanziellen Mittel. Hier könnte das spenden-basierte Crowdfunding (Gruppenfinanzierung) greifen. Also Spenden, ohne materielle oder finanzielle Gegenleistungen.

Zwei Parteien haben bereits signalisiert, dass sie den Freunden der Alten Ziegelei mit dem Aufspüren von Fördertöpfen unterstützend zur Seite stehen wollen. Mehr ist laut aktueller Haushaltslage nicht möglich.

Vielleicht auch ein Signal an die heimische Wirtschaft unterstützend mitzuwirken, denn Kultur hat sich inzwischen als ein wichtiger Standortfaktor etabliert.

Und nicht zuletzt muss durch eine dauerhafte Bewirtschaftung ein Plus für die laufenden Kosten herauskommen. Es wird viele verschiedene Köpfe brauchen, damit am Ende für alle die Sache gut ausgeht.

Für die Familie Grohe, die den Entschluss sicher nicht leichten Herzens getroffen hat.

Für die Freunde der Alten Ziegelei, die in unzähligen Stunden diesen Kultstandort stetig attraktiver gemacht haben sowie für die Fans der Alten Ziegelei, die hier weiterhin ihre kleinen aber feinen Open-Airs sowie Konzerte feiern möchten.

Ein Großprojekt, das beweisen kann, dass die Twistringer an einem Strang ziehen und für ihre Alte Ziegelei kämpfen.

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