Ziel ist Unterbringung in Jugendhilfeeinrichtungen/Konzept für Gastfamilien

Allein auf der Flucht: 78 Minderjährige aufgenommen

Twistringen - Von Anke Seidel. 16 plus X – das ist die Altersgruppe der unbegleiteten minderjährigen Ausländer, um die sich der Landkreis Diepholz kümmern muss. Bisher sind es ausschließlich junge Männer, die nach ihrer Flucht untergebracht und betreut werden müssen. Ein Teil von ihnen lebt jetzt in vier Klassenräumen, die direkt an die Notunterkunft in Twistringen grenzen.

„So können wir die Logistik nutzen“, blickt Kreisrat Markus Pragal auf die Verpflegung und Betreuung der jungen Männer. Für sie sind die umfunktionierten Klassenräume an der Hohen Straße nur eine Durchgangsstation. Bei der Unterbringung dort achten die Helfer genau auf die Nationalitäten, um möglichen Konflikten vorzubeugen. Ziel ist es, die minderjährigen Flüchtlinge so schnell es geht in anerkannten Jugendhilfeeinrichtungen unterzubringen. „Bei einigen ist das auch schon geschehen“, sagt Detlef Klusmeyer als Leiter des Fachdienstes Jugend.

78 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge hat der Landkreis bereits aufgenommen. Allein 42 von ihnen kommen aus Afghanistan, 18 aus Syrien. „Die anderen haben andere Nationalitäten“, so Klusmeyer.

Für ihn und seine Mitarbeiter ist es eine große Herausforderung, in so kurzer Zeit Plätze in geeigneten Jugendhilfeeinrichtungen zu finden. Denn genau die sind ohnehin knapp – aber zurzeit unverzichtbar, um die jungen Flüchtlinge angemessen betreuen und den Sprach- sowie Schulunterricht ihren Fähigkeiten entsprechend organisieren zu können.

Allein 30 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge seien dem Landkreis aus Bremen zugewiesen worden, berichtet Kreisrat Markus Pragal. Der Grund: Die Aufnahme-Quoten sind bundesweit geregelt. Hat eine Kommune ihr Soll erfüllt, muss eine andere übernehmen.

Unterbringung der jungen Flüchtlinge in einer Familie – auch das ist für den Landkreis eine Option. Aber eine, die sorgfältig vorbereitet sein will: „Wir sprechen bewusst von Gastfamilien“, sagt Jugendamtsleiter Detlef Klusmeyer. Denn der Aufenthalt der jungen Flüchtlinge in diesen Familien sei altersbedingt zeitlich begrenzt.

Trotz des Zeitdrucks hat sich der Fachdienst Jugend ganz bewusst gegen Aktionismus und für ein gut durchdachtes Konzept entschieden. So will das Jugendamt verhindern, dass Aufenthalte in den Familien nach kurzer Zeit abgebrochen werden – beispielsweise, weil gegenseitige Erwartungen nicht erfüllt werden.

In dem neuen Konzept will das Jugendamt genau regeln, welche Bedingungen die Gastfamilien für die Aufnahme eines minderjährigen Flüchtlings erfüllen müssen – und was sie dafür erwarten können. „Damit wollen wir dann an die Öffentlichkeit gehen“, sagt Detlef Klusmeyer. Dann informiert der Landkreis interessierte Familien auch darüber, an wen sie sich wenden können.

Rubriklistenbild: © dpa

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