Kreistag vor Entscheidung

Gute Gründe für Zentralklinikum in Borwede: Fachfirma erläutert optimales Ergebnis 

Auf beiden Seiten der B 51 hält die Stadt Twistringen hinter dem rechts endenden Grundstück den Bau der Zentralklinik für möglich.  
Foto/Archiv: Theo Wilke
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Auf beiden Seiten der B 51 hält die Stadt Twistringen hinter dem rechts endenden Grundstück den Bau der Zentralklinik für möglich.
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    vonAnke Seidel
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Landkreis Diepholz – Es war die Vorbereitung einer historischen Entscheidung: Die Mitglieder des Kreistags haben sich am Montag die Ergebnisse der objektiven Standortsuche für das Zentralklinikum erläutern lassen – in einer internen Zusammenkunft im Syker Theater. Wie bereits berichtet, war das Fachunternehmen Andree Consult aus Siegburg nach Auswertung aller Standortbewerbungen zu dem Schluss gekommen: Das Areal in Twistringen-Borwede erfüllt die meisten der geforderten Kriterien. Es hatte 73,1 Prozent erhalten, das Grundstück in Twistringen-Mörsen 70,8 Prozent und das Angebot der Stadt Sulingen 69,5 Prozent.

Wie waren die Gutachter zu diesem Ergebnis gelangt? Und was fehlte Borwede am Ende zu 100 Prozent? Fred Andree, Geschäftsführer des beauftragten Unternehmens, nannte vor allem die Dynamik: Es sei mit 73,1 Prozent schon ein besonderer Wert, den sonst kaum jemand erreiche – und begründete genau das mit den charakteristischen Eigenschaften des Landkreises Diepholz gegenüber Großstädten. „80 Prozent schafft kaum einer.“

Denn, so die Botschaft bei diesem Thema, es ist eine Vielzahl von Kriterien und Eigenschaften, die für den Standort gewichtet werden müssen. Gefasst in Tabellen, Prozesse, Spalten.

Der beste Vorschlag wird durch den südlichen roten Kreis bei Twistringen-Borwede gekennzeichnet. In unmittelbarer Nähe liegt der zweitplatzierte Vorschlag in Mörsen.

Landrat Cord Bockhop drückte das in der Pressekonferenz nach der internen Kreistagszusammenkunft im Syker Theater so aus: „Wir haben einen wundervollen Landkreis. Aber er ist, wie er ist. Wir haben kein Zentrum mit 50.000 Einwohnern.“ Deshalb, so die Botschaft in der Pressekonferenz, kann auch ein Standort wie der im dünn besiedelten Borwede durchaus ein optimaler sein.

„Bei der Erstellung der Bewertungsmatrix durch die Firma Andree Consult und der entsprechenden Abstimmung im Kreisausschuss wurde das Kriterium des zu erreichenden Einzugsgebietes am stärksten gewichtet. Die dort vergebenen Bewertungspunkte machen 25 Prozent des Gesamtergebnisses aus“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landkreises. „Aber auch weitere Kriterien wurden in der Bewertung durch ihre Gewichtung hervorgehoben. Neben dem Einzugsgebiet spielt auch die Lage im Hinblick auf die Regionalität, die Nähe zu möglichen Wohnorten und die verkehrliche Anbindung sowie die Faktoren der Grundstücksbeschaffenheit und die bauplanerischen Eckdaten eine herausgehobene Rolle. In diesen Bereichen konnten die Offerten bei entsprechender Erfüllung besonders punkten.“

Womit überzeugte Borwede genau? In der Pressemitteilung heißt es: „Das 11,5 Hektar große Grundstück hat eine durchweg gute Bewertung erhalten. Es liegt direkt an der Verkehrsader B51 und bietet eine nahezu ideale Grundstücksgeometrie. Zudem ist eine ausreichende Flexibilität in Bezug auf die Grundstücksgröße gegeben. Innerhalb der vorgegebenen Fahrzeitzone von maximal 30 Minuten verfügt der Standort über das größte Einzugsgebiet im Landkreis Diepholz.“

Cord Bockhop freut sich mit Blick auf den Kreistag darüber, dass „sich alle auf den Weg gemacht haben“, die Gesundheitsversorgung im Landkreis Diepholz entscheidend zu verbessern. An einem Strang zu ziehen, ist wichtig: Die Unterstützung aus Hannover ist ein tragender Pfeiler. Aus dem Krankenhausstrukturfonds erhofft sich der Landkreis einen wichtigen Teil der Investitionen.

Die elementaren Voraussetzungen für die Bewerbung in kürzester Zeit geschaffen zu haben, „das macht mich schon ziemlich stolz“, so der Landrat. Denn Schnelligkeit könnte die Chancen bei der Vergabe der Landeszuschüsse erheblich verbessern. „Die Gesundheitsversorgung ist das viel diskutierte Thema in den politischen Gremien“, so der Landrat.

Die Zentralklinik ist also ein Herzstück für die Zukunftsgestaltung des Landkreises. Sie soll rund 340 Betten umfassen – wenn möglich 30 weitere in der Pädiatrie, der Kinderheilkunde. Das erläuterte Erster Kreisrat Wolfram van Lessen.

Wie stehen die Mitarbeiter des Klinikverbunds Landkreis Diepholz, die aktuell in drei verschiedenen Krankenhäusern arbeiten müssen, zu der Zentralisierungsstrategie? „Wir können sehr gut damit leben“, erklärt Uwe Lorenz als Geschäftsführer des Klinikverbunds. Der jetzt favorisierte Standort der Zentralklinik sei innerhalb von 30 Minuten von allen Kommunen im Landkreis Diepholz zu erreichen. Nicht jeder der angebotenen Standorte erfülle diese Voraussetzung, so Lorenz. Die Mitarbeiter würden durchaus eine gute Erreichbarkeit nach Borwede sehen, so der Geschäftsführer des Klinikverbunds.

Aber welche Perspektiven haben nach Inbetriebnahme einer Zentralklinik die Krankenhausbauten in Bassum, Sulingen und Diepholz? „Wir wollen diese Gesundheitsstandorte weiter entwickeln“, so Landrat Cord Bockhop Will heißen: Die Krankenhäuser in Bassum, Sulingen und Diepholz könnten Ärzten mit speziellen Fachangeboten viel Raum bieten.

Das nächste entscheidende Datum ist der 22. Juni. Dann muss der Kreistag über den Standort der neuen Zentralklinik entscheiden. In dem Wissen: „Die für den Grundstückserwerb notwendigen Haushaltsmittel stellt der Landkreis Diepholz zur Verfügung.“

Kommentar von Anke Seidel: Ein Akt der Vernunft

Wo finden die mehr als 217.000 Einwohner des Landkreises Diepholz am schnellsten Hilfe, wenn sie ins Krankenhaus müssen? Wo ist der kürzeste Weg für alle? Wo werden alle optimal versorgt? Brennende Fragen für die Lebensweltgestaltung.

Und viele Bürger haben – je nach eigenem Wohnort – eine schnelle Antwort parat. Im Nu ist klar: Bei uns natürlich, in unserem Heimatort muss die Klinik gebaut werden! Ob dort alle Fristen der Erreichbarkeit erfüllt sind, der Platz ausreicht, zügig gebaut und später bei Bedarf erweitert werden kann, ob die Wegstrecke für die meisten Mitarbeiter akzeptabel ist und ob alle juristischen Hürden bewältigt werden können: Das sind die elementaren Fragen, um die es in diesem Findungsprozess geht. Sie sind nicht im Nu zu beantworten. Deshalb darf eine solche Entscheidung kein Schnellschuss sein.

Notwendig ist ein Akt der Vernunft. Ohne fachliche Begleitung geht es nicht. Selbstverständlich haben alle Beteiligten und auch die Bürger das Recht auf absolute Transparenz. Die – ehrenamtlich tätigen – Kreistagabgeordneten tragen eine enome Verantwortung. Es ist angesichts der mittlerweile fast unüberschaubaren Anforderungen nur verantwortungsvoll zu entscheiden, die Entscheidung Fachleuten zu überlassen. Um etwaigen Klagen, Verzögerungen und allen nur denkbaren Problemen aus dem Wege zu gehen – um so das Optimale für alle Kreisbewohner zu realisieren.

Fakt ist: Nur eine objektive Entscheidung ist eine echte Zukunftsentscheidung. Das gilt für Politiker ganz genauso wie für Bürger. Bleibt zu hoffen, dass die offensichtlich unvermeidlichen Kirchtürme der Lokalpatrioten nicht allzu dunkle Schatten werfen.

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