Baustart Jahre entfernt

Zentralklinik: Klinikverbund stellt Wettbewerb-Modelle aus

Viel Licht und eine System-Architektur: (v.l.) Uwe Lorenz, Brigitte Bösch und Harald Schardelmann vor einem der zwölf Modelle für die Zentralklinik.
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Viel Licht und eine System-Architektur: (v.l.) Uwe Lorenz, Brigitte Bösch und Harald Schardelmann vor einem der zwölf Modelle für die Zentralklinik.

Die einen suchen Informationen über ihre zukünftigen Arbeitsbedingungen, die anderen haben die Patienten-Zimmer im Blick: Mitarbeiter des Klinikverbunds nutzen die Ausstellung mit den Entwürfen zur Zentralklinik in Borwede genauso wie interessierte Bürger – mögliche künftige Patienten – und Kommunalpolitiker. In der Aula des Twistringer Gymnasiums präsentiert der Klinikverbund noch Freitag und Samstag die zwölf Modelle, die im Architekten-Wettbewerb in die entscheidende Runde gekommen waren.

Twistringen – Klinikverbund-Geschäftsführer Uwe Lorenz ist zufrieden. Allein an den ersten drei Tagen seien rund 350 interessierte Besucher gekommen, erläutert er. Zur gleichen Zeit ist Friedrich Nordmann, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Twistringen, in die detaillierten Pläne zum Sieger-Modell vertieft. In der Aula gibt es Informationen aus erster Hand: „Es ist komplett das, was auch das Preisgericht gesehen hat“, erklärt Uwe Lorenz. Er nimmt sich bewusst Zeit, um die Fragen der Besucher zu beantworten. Zu jedem der zwölf Architekten-Arbeiten gibt es sechs großflächige Schautafeln und ein Modell – dazu Argumentationen und Begründungen.

Kleine Kliniken mit aufgeteilten Kompetenzen gelten nicht mehr als zeitgemäß

Mehrere Familien mit Kindern gehören zu den Besuchern – ebenso gestandene und altgediente Politiker, die jahrelang die Geschicke der Stadt Twistringen mitbestimmt haben. Unter den Besuchern auch zwei ehemalige Mitarbeiter des Klinikverbunds. Brigitte Bösch, die ehemalige kaufmännische Direktorin, ist mit Harald Schardelmann, dem ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden im Klinikverbund, in ein intensives Gespräch vertieft. Obwohl beide im Ruhestand sind, fühlen sie sich dem Klinikverbund noch immer eng verbunden.

Die Ausstellung

Die zwölf Modelle für die Zentralklinik sind noch Freitag und Samstag in der Aula des Twistringer Hildegard-von-Bingen-Gymnasiums zu sehen – von 10 bis 17 Uhr.

„Da geht kein Weg dran vorbei“, sagt Harald Schardelmann über die Zentralklinik. „An verschiedenen Standorten verschiedene Dinge anzubieten, ist nicht mehr zeitgemäß“, blickt er auf die aktuellen medizinischen Strukturen in den drei Kreiskrankenhäusern in Bassum, Diepholz und Sulingen. Uwe Lorenz nickt: „Die Zentralklinik dient der Zukunftssicherung.“ Denn für kleine Kliniken sehen Experten in der Zukunft keine Chance: „Die fallen weg.“ Gerade ältere Häuser mit hohem Investitionsbedarf würden schwer zu finanzieren sein – ganz zu schweigen von den Auswirkungen der Corona-Krise: „Geld und Mitarbeiter werden knapp“, fasst der Klinikverbund-Geschäftsführer zusammen.

Ludes Architekten gewinnen mit Zentralklinik-Entwurf ersten Preis

Lange bleiben manche Besucher vor den Stellwänden mit den Raumplanungen stehen, befassen sich mit Raumgrößen und den Aufteilungen der neuen Zentralklinik sowie den jetzt schon erkennbaren Erweiterungsmöglichkeiten. „Wir versuchen, jeden dort abzuholen, wo er gerade steht“, beschreibt Uwe Lorenz das Bemühen, keine Frage unbeantwortet zu lassen. Im Übrigen hat er auch Kollegen aus dem Landkreis Vechta in der Ausstellung begrüßt – genauso wie Fachplaner, die in der Twistringer Aula gebündelt Ideen für die moderne Klinikgestaltung finden.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Diepholz: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Den ersten Preis im Architekten-Wettbewerb für die Zentralklinik hatte das Krankenhaus-Planungsunternehmen Ludes Architekten Ingenieure aus Recklinghausen mit ihren Partnern erhalten (wir berichteten). Aber ob der Entwurf gebaut wird, ist noch unklar. Dafür muss noch ein ganzer Katalog von Kriterien genau abgeprüft werden. Erfahrung, Referenzen oder Honorarhöhe des gesamten Teams gehören beispielsweise dazu. Der erste Preis hat aber immerhin Gewicht, sprich eine Wirkung von 50 Prozent. Aber auch das zweitplatzierte Modell hat Realisierungschancen.

Klinikverbund: Vertrabsabschluss mit Generalplaner-Team für Oktober erhofft

Gemeinsam mit seinem Partner, dem Beratungsunternehmen Andre Consult, sowie Juristen und Vertretern des niedersächsischen Landesamts für Bau und Liegenschaften haben sich die Vertreter des Klinikverbunds einen Tag lang mit den beiden Siegermodellen und ihren Schöpfern befasst. „Es gab viele, viele Fragen“, so der Klinikverbund-Geschäftsführer. Jetzt folgt eine minutiöse Aufarbeitung. Erklärtes Ziel: Im Oktober soll der Vertragsabschluss mit dem Generalplaner-Team erfolgen.

Dann könnte die Generalplanung für das Zentralklinikum Ende 2022 stehen. Baustart ist dann jedoch noch lange nicht: 2023 müsste der Landkreis auf Grundlage der Generalplanung noch einen detaillierten Förderantrag an das Land stellen – auch wenn es bereits grundsätzlich grünes Licht für das Zentralklinikum gegeben hat. Aber erst nach dem detaillierten Förderantrag kann ermittelt werden, welche Kosten das Land für die Zentralklinik trägt. Ziel ist es, das neue Krankenhaus Ende 2027 in Betrieb nehmen zu können. Gebaut wird auf einem etwa neun Hektar großen Gelände im Twistringer Ortsteil Borwede. Fachplaner hatten ermittelt, dass die meisten Einwohner des Landkreises Diepholz diese Klinik innerhalb einer Fahrtzeit von längstens 30 Minuten erreichen können.

Kommentar von Anke Seidel ‒ Klares Bekenntnis zur zeitgemäßen Gesundheitsversorgung

Ja, der Abschied von den traditionellen Krankenhäusern in Bassum, Sulingen und Diepholz wird schwer fallen. Aber solange die Zentralklinik in Borwede noch nicht gebaut und eröffnet ist, versorgen die Mitarbeiter dieser Häuser weiterhin die Patienten im Landkreis Diepholz – im sogenannten Ein-Haus-Prinzip mit unterschiedlichen medizinischen Sparten in den einzelnen Häusern.

Ein Modell, das sich nach Überzeugung von Experten längst überholt hat. Alle Sparten unter einem Dach, kurze Wege, möglichst attraktive Bedingungen für Mitarbeiter – das sind die Kriterien, die im Wettbewerb um Patienten ebenso wie um Fachkräfte mittlerweile zählen. Vor allem aber geht es ums Geld. Wie dünn die Finanzdecke im Gesundheitswesen ist, beweist aktuell der Hilferuf der gesetzlichen Krankenkassen, die ein Defizit von 15 Milliarden Euro erwarten. Und der Investitionsstau im Krankenhausbau ist laut Niedersächsischer Krankenhausgesellschaft mit 2,2 Milliarden Euro so hoch wie nie zuvor. Der Landkreis kann sich also glücklich schätzen, sein Zentralklinik-Projekt schon so weit entwickelt zu haben.

Ihm sind seine Kliniken lieb und teuer. In den vergangenen Jahren musste er allein den laufenden Betrieb Jahr für Jahr mit bis zu acht (!) Millionen Euro bezuschussen. Eine unverzichtbare Finanzspritze und ein klares politisches Bekenntnis zur Gesundheitsversorgung.

Dass die Bürger in Sulingen, Diepholz und Bassum die Klinik vor der Haustür schmerzlich vermissen werden, ist verständlich. Zusammen haben 46.000 Einwohner dieses Privileg – bei 218.000 Kreisbewohnern, die sich im Ernstfall hoffentlich für das Angebot im Landkreis und nicht für eines außerhalb entscheiden: Wer laut eine leistungsstarke Gesundheitsversorgung im Landkreis fordert, der muss sie dann auch nutzen.

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