Architektenwettbewerb läuft / Spitzenverbände fordern mehr Geld vom Land

Zentralklinik: Bald schon Modelle

Neubau auf der grünen Wiese: In Borwede soll die Zentralklinik entstehen. Auf das gesamte Kreisgebiet bezogen ist dieser Standort am besten erreichbar, haben Fachleute errechnet.
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Neubau auf der grünen Wiese: In Borwede soll die Zentralklinik entstehen. Auf das gesamte Kreisgebiet bezogen ist dieser Standort am besten erreichbar, haben Fachleute errechnet.

Landkreis  Diepholz. Die geplante Zentralklinik im Landkreis Diepholz nimmt langsam Formen an – auch wenn der erste Spatentisch noch lange nicht gesetzt ist: Architekten aus zwölf verschiedenen Büros erarbeiten zurzeit konkrete Konzepte für das Gebäude. Der Landkreis hat über seinen Klinikverbund einen Architektenwettbewerb gestartet. Die Teilnehmer müssen dabei auch Modelle im Maßstab 1 :

 500 anfertigen. Welches am Ende in Borwede realisiert wird, entscheidet eine Jury. Noch in diesem Monat will sie – ähnlich wie vor wenigen Jahren beim Goldhort-Museum – eine Entscheidung treffen. „Wir wollen das Ergebnis in Twistringen öffentlich vorstellen“, betont Landrat Cord Bockhop.

In der Jury wirken namhaften Architekten aus dem Krankenhausbereich sowie Vertreter des Landkreises Diepholz mit. Das Ziel ist es, den bestmöglichen Generalplaner für das Zentralklinikum zu finden – sprich ein Team aus Architekten, Unternehmen aus den Bereichen der technischen Gebäudeausstattung, Medizintechnik sowie Landschaftsarchitekten. Hand in Hand sollen alle arbeiten.

Unabhängig davon zieht der Landkreis Diepholz jetzt mit drei kommunalen Spitzenverbänden (Städte- und Gemeindebund, Städtetag und Landkreistag) sowie der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft an einem Strang. Gemeinsam kritisieren sie zu knappe Mittel für Krankenhausinvestitionen in Niedersachsen – und sehen dringend Handlungsbedarf in Hannover.

Das Geld reicht nicht

Denn der mit 400 Millionen Euro gefüllte Topf für besagte Investitionen reicht hinten und vorne nicht. Bildlich gesprochen ist die Decke für den „Patienten“ Krankenhaus, also für zukunftsfähige Kliniken, viel zu kurz.

An vielen Standorten in Niedersachsen stehen bedeutende Projekte im Krankenhausbau an, heißt es in einer Stellungnahme dazu. „Wir wollen den Bürgerinnen und Bürgern in unserem Landkreis eine zukunftsfähige qualitativ hochwertige medizinische Versorgung bieten. Dazu bedarf es zielgerichteter Investitionen“, sagt Landrat Cord Bockhop mit Blick auf das Projekt Zentralklinikum im Twistringer Ortsteil Borwede.

Aber auch die Landkreise Aurich, Heidekreis und Vechta würden „sehr aktiv“ zentrale Klinik-Neubauten zur Sicherung und Gestaltung der zukünftigen Krankenhausversorgung für die Bevölkerung planen.

Muss der Landkreis Diepholz also mit deutlich weniger Geld oder gar keiner Zuwendung des Landes rechnen? Landrat Cord Bockhop verneint – und verweist auf positive Rückmeldungen aus Hannover: „Wir sind sehr gut aufgestellt.“ Denn schon vor knapp zwei Jahren hatte der Landkreis für den Bau eines Zentralklinikums mit 340 Betten eine Summe von 187 Millionen Euro beantragt, außerdem für die Option einer Kinderklinik mit 30 Planbetten weitere 16,5 Millionen Euro. Damit wäre also schon die Hälfte der landesweit zur Verfügung stehenden Mittel ausgeschöpft.

„Die Finanzierung von Erhaltungs-, Modernisierungs- und Strukturmaßnahmen ist grundsätzlich Aufgabe des Landes und müsste eigentlich mit dort veranschlagten Mitteln gewährleistet werden“, heißt es in der Stellungnahme aus dem Diepholzer Kreishaus. Tatsächlich stelle sich die Situation allerdings anders dar: „Die vom Land vorgesehen Fördermittel reichen lediglich aus, um begonnene Maßnahmen fortzuführen, nicht aber für die Berücksichtigung neuer Maßnahmen.“ Die Enquetekommission Medizinische Versorgung habe dies in ihrem Abschlussbericht gleichlautend und deutlich kritisiert.

„Politik muss Konsequenzen ziehen“

„Nun muss die Politik daraus Konsequenzen ziehen“, lautet die Forderung der Spitzenverbände und der Krankenhausgesellschaft. Dies gelte einerseits für die Notwendigkeit, zusätzliche Mittel für Krankenhausinvestitionen zur Verfügung zu stellen. Andererseits: „Für eine Reihe von größeren, politisch bedeutsamen Umstrukturierungen, aber auch für dringend notwendige Anpassungs- und Erhaltungsmaßnahmen stehen aktuell auf Landesebene keine Finanzierungsmittel bereit.“

Deshalb sei eine „deutliche Anhebung des jährlichen Investitionsprogramms“ notwendig. Denn der aktuelle Investitionsstau müsse aufgelöst werden. Die Enquetekommission Medizinische Versorgung schlage einen eigenen, landesweiten Krankenhausstrukturfonds vor – mit dem Ziel einer passgenauen Förderung von zukunftsfähigen Strukturprojekten. Der Landkreis Diepholz begrüße das, heißt es in der Stellungnahme.

Indes nimmt der Landkreis für die Zentralklinik selbst Geld in die Hand, 20 Millionen Euro für die Ziel- und Umsetzungsplanung. 2023 möchte der Landrat den ersten Spatenstich setzen und die Klinik 2026 eröffnen.

Von Anke Seidel

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