Zeitzeuge Günter Hammann erinnert sich

Bombenangriff 1945 erlebt

Günter Hammann
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Günter Hammann

Twistringen - Von Sabine Nölker. Wie kam die Fliegerbombe nach Twistringen? Das fragen sich viele seit der Sprengung am Mittwochabend am Markt. Günter Hammann von der Lindenstraße weiß es. Er erinnert sich noch genau an die Bombenangriffe der Engländer, die am 7. April 1945 die Stadt besetzten.

„Es war am Nachmittag“, erzählt der knapp 80-Jährige. Sein Vater Franz habe gegenüber der Germania, dem Ehrenmal, eine Esso-Station mit Kfz-Werkstatt betrieben. Hinter der Germania habe eine große Kanone oder Flugabwehrrakete gestanden. Sie sollte die englischen Bomber, die von Bremen kamen, vom Himmel holen. Als ein Bomber im Tiefflug auftauchte, versuchten die Soldaten vergeblich, ihn abzuschießen.

„Den Vater zum ersten Mal weinen sehen“

„Mein Vater sagte sofort, wir sollen alles Wichtige zusammenpacken, die kommen wieder.“ Denn wo Bomber flogen, waren auch die schützenden Jagdflieger nicht weit. Die Vorahnung des Vaters sollte sich kurz darauf bewahrheiten. Auch die Flugabwehr-Soldaten waren wohl gewarnt. Sie suchten das Weite.

Die Familie Hammann packte alles Wichtige auf einen kleinen Handkarren und wollte raus aus der Gefahrenzone. „Doch wir kamen nicht weit“, so Günter Hammann. Nur bis zur jetzigen Brunnenstraße. Als die Jagdflieger bereits zu hören waren, fanden die Hammanns Zuflucht in Bauer Kuhlmanns Keller.

„Und dann habe ich das erste Mal in meinem Leben meinen Vater weinen sehen.“ Durch ein kleines Kellerloch sahen sie Rauch über der Stadtmitte hochsteigen. „Das war ein Volltreffer“, dachten alle im Keller und hatten Angst, nach der Entwarnung nach Hause zu gehen.

Wie durch ein Wunder war nur der hintere Schuppen auf dem Grundstück, in dem ein Leichenwagen und alte Gummireifen standen, getroffen worden. „Das Haus selber war zwar von den Bordwaffen getroffen worden, wies einige Einschusslöcher auf, war jedoch noch bewohnbar“, schildert Günter Hammann weiter.

Doch an der Stelle, wo kurz vorher noch die Flugabwehr-Kanone gestanden hatte, befand sich ein fünf mal zehn Meter großer Krater im Boden. „An diesem Tag kam der Zweite Weltkrieg nach Twistringen“, so Hammann. Damals müsse die jetzt gesprengte Bombe, ohne zu detonieren, ins Erdreich eingedrungen sein.

Korrektur: In einer esten Version dieses Artikels wurde irrtümlich Bauer Buschmann erwähnt, in dessen Keller die Familie Hammann flüchtete. Richtig ist, dass sich die Zuflucht im Keller von Bauer Kuhlmann befand.

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