Ausstellung im Schaufenster des ehemaligen Geschäftes Mersmann

Zeitreise: Das alte Uhrmacherhandwerk

Ein Bild von Franz Nobis und seiner Frau Katharina. Dahinter: eine Uhrräder-Walzmaschine.
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Ein Bild von Franz Nobis und seiner Frau Katharina. Dahinter: eine Uhrräder-Walzmaschine.

Twistringen – Wieder ist ein Jahr vorbei. Wie die Zeit doch vergeht! Das mag sich auch manch einer denken, der am Schaufenster der ehemaligen Räume des Geschäftes Mersmann an der Bahnhofstraße in Twistringen einen Moment innehält. Hinter den Scheiben sind alte Uhrmacherwerkzeuge ausgestellt. Sie laden ein zu einer kleinen Zeitreise.

Schon 1944, damals war er zehn Jahre alt, zerlegte Franz Mersmann einen kleinen Wecker – ein rundes Exemplar mit fluoreszierenden Zeigern und Flügelschrauben auf der Rückseite. Ihn faszinierten die Zahnräder, die Antriebsarten, das ganze Zusammenspiel. Es blieb nicht nur beim Auseinandernehmen. Franz Mersmann setzte den Wecker auch wieder akkurat zusammen. Schnell war klar: Er ist der richtige, um später das Uhrengeschäft seiner Familie in dritter Generation zu übernehmen. Gegründet hatte es sein Großvater Franz Nobis im Jahre 1896, damals noch an der Langen Straße.

In der Ausstellung im Schaufenster ist ein Bild des Firmengründers zu sehen, nebst Frau Katharina (geborene Funke): er mit Zylinder in der Hand, sie mit Schleier im Haar. Die gerahmte schwarz-weiß Aufnahme lehnt an einer alten Maschine mit einer Art Handkurbel. Ein kleines Infoschild verrät: Es handelt sich um eine Walzmaschine zum Nachfräsen von verschlissenen oder unrund laufenden Kleinuhrrädern.

Hier ist eine Spiritus-Lötlampe mit Mundblasrohr zu sehen. Im Hintergrund ist noch eine Schreibmaschine zu erahnen.

Viele andere Gerätschaften reihen sich aneinander, darunter ein Gewindeschneider für die feinen Schrauben einer kleinen Uhr oder ein Poliergerät. Die Werkzeuge wurden über Jahrzehnte aufbewahrt, zum Teil sorgsam verstaut in hölzernen Schatullen. Sie zeugen von einem filigranen Handwerk und Liebe zum Detail. Fast schon lieblos erscheint da der Blick auf die digitale Anzeige eines Smartphones, das wohl viele Menschen in der Silvesternacht einer Armbanduhr vorziehen werden, um den richtigen Moment zum Zuprosten abzupassen.

Der Name Mersmann stand nicht nur für das Uhrmacherhandwerk, sondern auch für Schmuck und Optik. So ist im Schaufenster unter anderem auch ein Gesellenstück Franz Mersmanns aufgeführt: eine Brille, gefertigt für sein eigenes Gesicht. Er sägte die Teile der Fassung aus, feilte, fräste, polierte sie und versah sie anschließend mit Glasstärken. Mersmann hat die Brille jahrelang gerne getragen.

Eine Feindrehbank mit Schwachstrommotor ist ebenfalls Teil der Ausstellung im Schaufenster.

Auch Meisterbriefe und Auszeichnungen sind im Schaufenster zu sehen, ebenso wie Zeitungsseiten und alte Werbung, in denen das Geschäft zu Nobis’ Zeiten neben Schmuck und Uhren auch Fahrräder und Nähmaschinen anpries. Ein Kleinuhren-Reparaturbuch mit vergilbten und ausgefransten Seiten ist ebenfalls Teil der Ausstellung. Es steht im Kontrast zu der heutigen Wegwerfgesellschaft.

Von 1934 bis 1971 hatten Ferdinand Mersmann und seine Frau Lucia (geborene Nobis) das Geschäft inne, daran schloss sich die Zeit von Franz Mersmann mit seiner Frau Hildegard an. Sie übertrugen das Geschäft schließlich an Manfred und Elisabeth Pille.

Im Jahr 2018 folgten dann ein neuer Standort mit dem neuen Namen: Seitdem bietet das Geschäft Pille an der Großen Straße Optik, Schmuck und Uhren an.

Von Katharina Schmidt

Eine Trieb-Niet-Maschine für Kleinuhren (rechts) und ein Schraubenkopf-Poliergerät (links).

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