Zahnarzt Gerhard Kanne in den Grundschulen: „Mittelschwere Katastrophe“

Zu viel Karies, zu wenig Mundhygiene

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Gerhard Kanne untersucht der Reihe nach alle Kinder.

Twistringen - Von Maik Hanke. „Wisst ihr, wie man richtig Zähne putzt?“, fragt Gerhard Kanne in die Runde. „Jaaaa!“, rufen die Schulkinder einstimmig zurück. Bei der anschließenden Reihenuntersuchung des Zahnarzts ergab sich jedoch ein erschreckendes Bild. Der Zahnzustand der Viertklässler sei eine „mittelschwere Katastrophe für deutsche Verhältnisse“, sagt Kanne.

Zu viel Karies, zu wenig Mundhygiene – das ist Kannes Urteil. „Das führt dazu, dass die Zähne, die ich heute noch gesund gesehen habe, nächstes Jahr schon kaputt sind.“

Am Montag war Kanne als Vertreter des Mundhygienevereins Diepholz-Nord in der Grundschule in Scharrendorf zu Gast, um die Kinder zu informieren, sie zu motivieren, zum Zahnarzt zu gehen, und ihre Zähne in Augenschein zu nehmen.

Es ist die erste Reihenuntersuchung in Twistringen „seit bestimmt 30 Jahren“, sagt Kanne. Der Oldenburger mit einer Praxis in Twistringen ist ein Macher. Seit Jahren engagiert er sich auch in der Freizeit für gesunde Zähne. Die Stempelaktion „Löwenzahn“ geht jetzt ins dritte Jahr: Kinder, die den Zahnarzt besuchen, können sich einen Zettel abstempeln lassen. Je mehr Kinder in der Klasse mitmachen, desto höher ist die Chance auf einen Preis.

Dass tatsächlich die ganze Klasse daran teilnimmt, passiert eigentlich nie, sagt Sonja Brinkmann. Zusammen mit Katja Schorsch unterstützt sie Kanne als Prophylaxehelferin. Sie besuchen mittlerweile regelmäßig die Schulen und Kindergärten im Nordkreis.

Kanne und seine Helferinnen können noch so aktiv sein in der Schule – zu Hause sind die Eltern gefragt. „Wenn zu Hause nichts kommt, schläft das wieder ein“, sagt Brinkmann.

Oft besonders schlecht seien die Zähne der Kinder mit Migrationshintergrund, sagen die Experten. Viele Eltern hätten Prophylaxe und die Kultur des jährlichen Zahnarztbesuchs nicht gelernt.

Dabei ist das Wissen um die richtige Zahnpflege bei den Kindern eigentlich weit verbreitet. „Es hapert an der Praxis – die Theorie ist bekannt.“ Kanne findet es problematisch, dass nicht einmal im Kindergarten gemeinsam Zähne geputzt werden. Was das angeht, sei Twistringen „ein Entwicklungsland“.

Das gemeinsame Zähneputzen wäre dabei so wichtig, meint der Mediziner. Dadurch gebe es „eine ganz andere Gruppendynamik. Die ist viel wirkungsvoller als das Putzen alleine zu Hause“. Und selbst wenn die Kinder in der Schule nur ganz kurz die Bürste in die Hand nehmen: „Husch husch ist besser als nichts.“

Aber auch in dieser Hinsicht macht Kanne nun einen Schritt nach vorn. Die Lehrerinnen Barbara Zumsande und Sigrid Schwenker von der Grundschule am Markt wollen das gemeinsame Zähneputzen im Klassenverbund jetzt mit ihren Grundschulkindergartenkindern testen. Dazu verteilte Kanne jetzt Zahnbürsten und Wasserbecher.

Kanne wird weitermachen – und will seine Aktionen ausweiten. Dafür braucht es allerdings Geld. Die bisherigen Zuschüsse der Krankenkassen für den Mundhygieneverein reichen kaum. Kanne wirbt daher um Spenden und erteilt weitere Informationen unter Telefon 04243/2323.

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