CDU will Rudel konditionieren

Wolf: Ausrotten oder akzeptieren?

Einer der sechs Wolfswelpen, die Friedrich Iven in Mäkel bei Barnstorf gesehen hat. Damit leben acht Wölfe im Landkreis.

Twistringen - Von Anke Seidel. „Wollen wir Wildtiere in der Region, die Menschen töten könnten?“ Diese Frage bewies am Dienstagabend in der Twistringer Penne erneut, wie sehr der Wolf polarisiert – und wie sehr er Menschen fasziniert und verunsichert.

Denn CDU-Landtagsabgeordneter und Kreistagsfraktions-Chef Volker Meyer zählte als Gastgeber statt der erwarteten 30 Zuhörer rund 100. Als Präsident der Landesjägerschaft analysierte Helmut Dammann-Tamke zunächst die Fakten, bevor er als agrarpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion klipp und klar forderte: „Wölfe, die durch wiederholte Nutztierrisse auffallen, müssen entnommen werden!“ Sprich: erschossen.

Nicht ausrotten - nicht akzeptieren

Der 56-jährige Referent gestand, „zwei Hüte aufzuhaben“. Denn als Präsident der Landesjägerschaft vertritt er einen der größten Naturschutzverbände in Niedersachsen, aber als agrarpolitischer Sprecher der CDU im Landtag die Interessen der Nutztierhalter. Also: Den Wolf ausrotten oder akzeptieren? „Beide Positionen sind falsch“, betonte er. Notwendig sei ein Konsens, bei dem zu berücksichtigen sei: „Der Wolf ist nicht in eine Natur-, sondern eine Kulturlandschaft zurückgekehrt.“

Denn 1904, so begann der Referent seinen Fakten-Vortrag, war der letzte deutsche Wolf ausgerottet worden – und erst nach einem Jahrhundert wieder eingewandert. Heute stehe er europaweit unter strengstem Schutz, aber nicht im Baltikum.

Will den Wolf langfristig im Jagdrecht haben: Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen.

Nach der Wolfs-Zuwanderung aus dem Osten war in Niedersachsen 2011/12 das erste Rudel nachgewiesen worden. Aktuell, im Monitoring-Jahr 2017/18, seien es bereits 16 Rudel – und deutschlandweit zwischen 70 und 75, erklärte Dammann-Tamke.

Nirgendwo wurden mehr Nutztiere gerissen

Das Barnstorfer Rudel, das aus zwei Elterntieren und sechs Welpen besteht, trägt im Monitoring die Nummer 10. „Die sogenannte Goldenstedter Wölfin ist eine Springerin“, charakterisierte Dammann-Tamke das Muttertier, das offenbar immer wieder Zäune überwindet.

Drangvolle Enge im Saal: Dreimal so viele Zuhörer wie erwartet verfolgten den Vortrag zum Thema Wolf.

Der Bereich Goldenstedt/Barnstorf sei landesweit Spitzenreiter bei den Nutztierrissen (104 sind nachgewiesen). Ein Wolf, der immer wieder durch Nutztierrisse auffalle, dürfe aber trotz seines Schutz-Status aus der Natur entnommen werden: „Man muss das politisch nur wollen. Aber dazu hatte man bisher nicht den Mut“, sagte der Referent.

Er war überzeugt, dass die Welpen die Jagdtechnik ihrer Mutter mühelos erlernen – und prophezeite: „Wir werden auf Dauer mit dem Wolf leben müssen. Aber das kann nur gelingen, wenn wir dem Wolf beibringen: Halte dich fern vom Menschen und von seinen Nutztieren.“

Konditionierung durch Abschuss eines Jungtieres

In einem Sieben-Punkte-Plan will die CDU den Umgang mit dem Wolf geregelt wissen. Sie fordert darin per Umkehr der Beweislast eine schnelle und unbürokratische Hilfe für geschädigte Nutztierhalter; zweitens die Entnahme der Wölfe, die sich mehrfach menschlichen Siedlungen nähern oder durch wiederholte Nutztierrisse auffallen. Drittens soll die Zahl der Rudel in Niedersachsen exakt festgelegt und viertens mindestens ein Wolf daraus mit einem Sender ausgestattet werden. Fünftens will die Union den Wolf ins Jagdrecht aufnehmen und sechstens die Bejagung abwandernder Jungwölfe und Einzelgänger gestatten. Und: Rudel, die sich immer wieder Menschen nähern oder Nutztiere reißen, sollen konditioniert werden – durch Abschuss eines Jungtieres.

Die Zuhörer hatten etliche Fragen – auch zum zeitnahen Abschuss der Goldenstedter Wölfin. Sie stehe zurzeit unter Mutterschutz und dürfe nicht entnommen werden, so der Präsident der Landesjägerschaft. „Und ein schwer verletzter Wolf nach einem Verkehrsunfall?“, fragte ein Jäger nach. „Lassen Sie bloß die Finger davon!“, warnte Dammann-Tamke. Auf Abschuss eines Wolfes stehe eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren – auch, wenn der Schuss Leid beenden solle. Das dürfe nur ein Polizist.

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