Kita-Leitungen kritisieren Minister in offenem Brief

„Wir wünschen uns, dass wir Erzieher gesehen werden“

Kitas sind Bildungseinrichtungen und brauchen entsprechend Personal, sagen Kita-Leiterinnen im Landkreis.
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Kitas sind Bildungseinrichtungen und brauchen entsprechend Personal, sagen Kita-Leiterinnen im Landkreis.

Twistringen – In einem offenen Brief an den Niedersächsischen Kultusminister Grant Henrik Tonne machen Kita-Leiterinnen aus dem Landkreis ihrem Ärger Luft. Sie kritisieren, dass das Ministerium Erzieherinnen und Erzieher nicht ausreichend vor dem Coronavirus schützt. „Viele Erzieher gehören zur Risikogruppe und wir mussten peu à peu mehr Kinder aufnehmen. Wir können den Abstand gar nicht einhalten“, berichtet die Leiterin der Kita „Pusteblume“, Roswitha Hormann. Sie und ihre Kolleginnen waren daher nicht begeistert, als sie hörten, dass es am 22. Juni mit einem eingeschränkten Regelbetrieb wieder losgehen sollte.

Sie nennt den Anlass für das Schreiben: „Herr Tonne hat das Kita-Gesetz in Corona-Zeiten ausgehebelt und den Personal-Kind-Schlüssel verändert.“ In dem Schreiben schildern die Betroffenen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit bis zu 25 Kindern alleine oder mit einer ungelernten Kraft „unter den herausfordernden Hygienemaßnahmen arbeiten mussten“. Das zeige, dass dem pädagogischen Fachpersonal in Kindertagesstätten kaum Wertschätzung entgegengebracht werde.

Hormann betont, dass Kitas eine Bildungseinrichtung sind. „Es kann doch auch nicht einfach ein Bäcker in der Schule als Lehrer anfangen.“ Sie sagt weiter: „Wenn der Minister das Gesetz innerhalb kürzester Zeit aushebeln kann, dann soll es überarbeitet werden.“ Das niedersächsische Kindertagesstättengesetz sei über 20 Jahre alt. „Seit Jahren versuchen wir, das Gesetz zu verändern. Erst hieß es, es wird verändert. Dann wurde es wieder auf Eis gelegt.“ In der Vergangenheit seien immer neue Herausforderungen auf das pädagogische Personal zugekommen. Sie nennt Beispiele: „In unserer Kita haben 40 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund und es sind immer mehr dabei, die entwicklungsverzögert sind.“

Vonseiten des niedersächsischen Kultusministeriums heißt es: „Flexibilität beim Personaleinsatz erhalten die Träger, sollten nicht ausreichend Fach- und Betreuungskräfte verfügbar sein: Einmalig je Gruppe kann vorübergehend anstelle einer Fachkraft eine andere geeignete Person mit der Wahrnehmung von Aufsichtspflichten betraut werden, sofern mindestens eine sozialpädagogische Fachkraft in der Gruppe zeitgleich tätig ist.“ So könne möglicher Personalmangel aufgefangen werden.

Hormann und ihre Kolleginen wünschen sich, dass die Gruppen kleiner werden, mehr Personal eingestellt werde und dass dieses auch angemessen bezahlt werde. „Wir wünschen uns, dass wir Erzieher gesehen werden, weil wir Erziehungsarbeit leisten. Es wurde immer nur über Schulen und Lehrer berichtet, aber wir sind die erste Bildungseinrichtung, die ein Kind besucht.“    lat

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