„Wir sind stark“: Polizei coacht Schüler für Gewaltprävention und Zivilcourage

Wer anfeuert, ist Mittäter

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David (l.) und Max simulieren einen bewaffneten Kampf.

Twistringen - Von Sabine Nölker. Bereits von Weitem hört man die Anfeuerungsrufe von Kindern. „Max! Max!“ und „David! David!“. Dazu Grölen und Klatschen. So manch Passant auf der Bahnhof- und der Bernhardstraße dürfte verwundert seinen Kopf gedreht haben. Doch nirgendwo ist jemand zu sehen. Der Grund: die Jungen und Mädchen der Haupt- und Realschule befinden sich im evangelischen Gemeindehaus. Sie simulieren unter dem Motto „Wir sind stark“ in Rollenspielen, was passiert, wenn Gewalt eskaliert, und sie lernen, wie sie Zivilcourage zeigen können.

Kurz zuvor: Es ist still unter den 27 Schülern der Klasse R6b, denen Kriminalkommissar Ingo Müller gemeinsam mit Klassenlehrer Holger Hertwig und Schulsozialpädagogin Maren Menke das nächste Szenario erklärt. Max und David, zwei Mitschüler, warten im Flur.

„Ihr werdet euch gleich in zwei gleichgroße Gruppen aufteilen und Mauern bilden“, erläutert Müller. Eine Seite soll Max anfeuern, wenn Max und David mit „Eisenstangen“ – in Wirklichkeit Schaumstoffstangen – aufeinander losgehen, die andere Seite David. Aber abwechselnd und auf Handsignale vom Kommissar. Auf ein weiteres Zeichen soll absolute Ruhe herrschen.

Dann kommen die beiden Jungen in den Raum, zögern und schlagen zunächst vorsichtig aufeinander ein. Als „Max! Max!“-Rufe ertönen, reagiert dieser sofort mit kräftigeren Schlägen. Ebenso kurz darauf David, als sein Name laut gerufen wird. Ein Handzeichen von Müller – plötzlich Stille. David und Max stehen da, sehen sich an und wissen nicht, was sie machen sollen. Der Kampf ist beendet.

Maren Menke stellt die Frage in den Raum: „Wie haben die beiden reagiert?“ Ein Mädchen hebt die Hand. „Sie haben nur gekämpft, wenn wir sie angefeuert haben.“ Eine andere Mitschülerin sagt, dass „ich mich nicht wohlgefühlt habe, weil das ja auch eine Art Gewalt von mir war“.

Max und David geben zu, dass sie, solange sie angefeuert wurden, das Gefühl hatten, weitermachen zu müssen. „Wir haben erst aufgehört, als die anderen uns nicht mehr angefeuert haben.“

Das Fazit der Gruppe: „Anfeuerer“ haben die Macht, den Kampf weitergehen zu lassen oder zu beenden. Sie treffen eine Vereinbarung: „Nur ‚dabei gewesen‘ gibt es nicht. Wer dabei ist, muss was tun!“ Dass es für die, die daneben stehen und Kämpfende anfeuern, Strafen geben kann, erläuterte der Kommissar der Syker Polizei gleich im Anschluss. „Zeugen werden, wenn sie umzustehen und anfeuern, anstatt zu helfen, zu Mittätern.“

So wie in diesem Szenario lief es für alle Sechstklässler der Haupt- und Realschule bei der zweitägigen Veranstaltung im Klassenverband. Das Projekt wird immer von Müller und Menke geleitet und findet stets an einem schulexternen Ort statt.

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