Corona: Twistringer Wiro entwickelt Luftreiniger, Masken und Desinfektionsmittel

„Wir sehen uns auch als Problemlöser“

Erfolgreiche Innovation nicht nur in Zeiten der Pandemie: Stefan Rohlfs und Sohn Dominik setzen auf ihren neuartigen Luftreiniger.
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Erfolgreiche Innovation nicht nur in Zeiten der Pandemie: Stefan Rohlfs und Sohn Dominik setzen auf ihren neuartigen Luftreiniger.

Twistringen – Ein ungewöhnliches Firmengebäude in Form eines „Frachters“ sorgt schon mal für Aufsehen. In Zeiten von Corona sind es dagegen kreative Lösungen zum Infektionsschutz. Ein Beispiel dafür steht im Bauch des „Frachters“ der Firma Wiro am Südkamp in Twistringen: Sieht zunächst aus wie ein Getränkeautomat mit Schacht und großem Display, brummt kaum hörbar, ist mannshoch. Der Rundling sticht metallic-blau ins Auge. Und was ist das? Stefan Rohlfs lacht. „Unser neuer Luftreiniger Vitapoint.“ Den habe man nach dem Lockdown zum Schutz gegen Corona gemeinsam mit Geschäftspartnern aus Neu-Ulm entwickelt.

Ziel: Infektionsrisiko drastisch senken

Der Seniorchef des Unternehmens Wiro Technischer Großhandel erklärt weiter, durch solch einen Luftreiniger werde das Infektionsrisiko in geschlossenen Räumen, etwa Großraumbüros, Kongresssälen, Tagungszentren, Kitas, Schulen, Rathäusern und ähnlichen Einrichtungen drastisch gesenkt. Davon sei sogar der Münchner Immunologe Dr. Jan Kranich mit seiner Expertise überzeugt. Wiro denkt auch an die Gastronomie, an Hotelketten, Kliniken, Fitnessstudios und den Einzelhandel. Im Gespräch ist man mit einer Firma, die die Neuheit für alle Bundesliga-Standorte bundesweit vertreiben möchte.

Ein Berliner Gastronom hat sich den Vitapoint angeschafft, mit schwarzer Folie ummantelt. Die Gäste dürfen darauf mit Kreide schreiben. In Abständen wird das Resultat ins Netz gestellt und danach entfernt. Dann dürfen die nächsten Gäste sich verewigen. Der Wirt nimmt von jedem Gast einen Euro für die gefilterte Luft im Lokal.

Der Basketballclub Rasta Vechta überlegt die Anschaffung des Luftreinigers. „Das ist unser Alleinstellungsmerkmal“, sagt der 60-jährige Rohlfs stolz. Die Ideen und den eingebauten Desinfizierungsschacht für die Hände habe Wiro geliefert.

Das von der extra gegründeten Tochterfirma Xtraction am Standort des Absaugwerks in Ulm produzierte Gerät sauge die Raumluft ab, reinige sie über zwei Filterstufen, die hygienisch saubere Luft fließe danach zurück in den Raum. Stefan Rohlfs steht vor dem großen Display, das Kunden etwa auch für eigene Videopräsentationen, zu Werbezwecken und beim Online-Marketing nutzen können. Das Display informiert über Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit und CO2-Wert. Werden die Idealwerte nicht eingehalten, wird gegengesteuert. Das Filtersystem bindet laut Rohlfs nahezu alle Partikel und Keime, unter anderem Bakterien und Viren.

Nach dem Lockdown im Frühjahr stellte Wiro sofort auf die Produktion von Mund-Nasen-Schutz um, für Daimler-Beschäftigte produziert der Twistringer Betrieb sogar Schutzmasken mit Kordelstopper. Mithilfe der Uni Bremen und einer chemischen Fabrik entwickelt der Mittelständler ein eigenes Desinfektionsmittel – ohne Alkohol. „Das schädigt nur die Haut“, erläutert Stefan Rohlfs. Es werden ein Pflege- sowie ein Duftstoff zugesetzt.

„Wir haben gleich 1000 Liter Desinfektionsmittel für die Delmewerkstätten gespendet und selbst an alle Niederlassungen ausgeliefert.“ Von Schaustellern sei man angesprochen worden. Deshalb liefere Wiro verschiedene Weihnachtsmischungen zur Desinfektion – wahlweise mit Aromen von Zimt, Marzipan, Mandeln oder weiteren Duftnoten.

Als dritte Innovation überlegten sich die Twistringer mit dem Geschäftspartner im Absaugwerk in Ulm einen Luftreiniger für große Flächen. In drei Baustufen und bis 300 Quadratmeter. In diesem Bereich sei bislang nichts Vergleichbares auf dem Markt gewesen, so Rohlfs.

Der Technik-Großhändler, der unter anderem für große deutsche Autobauer wie Daimler, Porsche, VW und Opel oder auch Schiffswerften und die Textilindustrie arbeitet, hat sich in der Vergangenheit breit aufgestellt – von A wie Absaugtechnik bis W wie Werkzeuge und Werkzeugbau. Wiro steht für Metall und industriellen Roboterschutz gegen Staub und andere Stoffe.

Stefan Rohlfs hat Wiro 1992 mit Reinhard Wiese gegründet – daher Wiro. Zunächst in Köbbinghausen ansässig, seit 2001 läuft der Betrieb am Twistringer Südkamp. Eigentlich wollten die Hobby-Bootsfahrer dort einen Leuchtturm bauen. Das passte platzmäßig allerdings nicht.

Stefan Rohlfs hat seinen Geschäftsführerposten inzwischen an Sohn Dominik (26) abgegeben. Der studierte Betriebswirtschaftler hat als weiteren Arbeitsbereich die Zerspanung, also Dreh- und Fräsarbeiten, eingeführt. „Wir haben gut zu tun“, sagt der Junior.

Es geht dabei um Sonderanfertigungen, beispielsweise wenn veraltete Maschinenteile ersetzt werden müssen, die 30 Jahre und älter gehalten haben. Die Hersteller existieren nicht mehr. „Dann kommen wir ins Spiel“, fügt der Senior hinzu. „Wir sehen uns auch als Problemlöser.“

Nächste Woche zur Fachmesse in Erfurt

Als der Corona-Lockdown im Frühjahr auch die Wirtschaft abrupt lähmte, „da war der Schock erst mal groß. Nach den Osterferien ging es langsam wieder los“, schildert Dominik Rohlfs. Und Vater Stefan: „Ich hätte nicht gedacht, dass es so schlimm wird“, erinnert er sich. Sofort habe man Schichtdienst eingeführt und den Außendienst sowie Mitarbeiter im Innendienst ins Homeoffice geschickt.

Die Firma Wiro hat rund 1000 Kunden, darunter gut ein Drittel Großkunden, nicht nur bundesweit, teils auch in den USA und Mexiko. Nächste Woche werden das Twistringer Unternehmen auf der virtuellen „Pro.vention“ in Erfurt vertreten sein – einer Fachmesse mit Konferenz zu Schutzmaßnahmen gegen Viren, Testsysteme, Luftfilteranlagen, Aus- und Weiterbildung.

Mehr Infos

www.wirotech.de

Von Theo Wilke

Der „Frachter“ – Firmensitz der Twistringer Firma Wiro am Südkamp ist ein echter Hingucker.

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