Otto und Margarethe Rasche aus Marhorst blicken auf 65 gemeinsame Ehejahre zurück

„Wir haben sehr viel Glück im Leben gehabt“

Otto und Grete Rasche feiern ihre eiserne Hochzeit am Wochenende in Marhorst – ohne großes Fest. Foto: Theo Wilke

Marhorst - Von Theo Wilke. „Wir haben sehr viel Glück im Leben gehabt“, betont Otto Rasche aus Marhorst. Dabei schaut der 90-Jährige seine Frau Margarethe (89) liebevoll an. Bereits seit 65 Jahren sind die beiden verheiratet. Auf ihrem Sofa halten sie sich die Hände und bedauern kurz, dass aufgrund der Corona-Krise das längst geplante große Fest zur eisernen Hochzeit an diesem Wochenende ausfallen muss.

Aber Otto und Margarethe denken positiv. Sie klagen auch nicht über die verordneten Corona-Einschränkungen. Sie freuen sich umso mehr, dass sie kurzfristig am Abend anlässlich ihres Ehrentages doch noch den Festgottesdienst in der Marienkirche feiern dürfen.

„Wir werden gut versorgt“, sagt die Jubiläumsbraut. Und meint damit ihre Kinder. Vier hat das Paar, außerdem neun Enkel – „und zwei Urenkelinnen“, meint Margarethe Rasche stolz. Jeden Tag geht das Paar noch mehrmals von der Marienstraße aus „um den Pudding“, erzählt der eiserne Bräutigam. Er liest viel – die Kreiszeitung auch schon seit 65 Jahren – und ist stets ein bisschen im Garten beschäftigt. Dort gibt es inzwischen mehr Blumen als Gemüsebeete. Der Garten ist riesig und prächtig angelegt. Vor Jahren konnten sie noch alles allein machen und setzten viele Ideen um. Sie brachten es zu weit mehr als 100 Rosenbüschen und an die 1 000  Tulpen.

Margarethe liebt heute Rätselaufgaben, auch Sudoku und Knobeln. Und sie kocht noch regelmäßig, wenn auch nicht mehr viel. Jeden Tag kommt eines ihrer Kinder zur Unterstützung. Außerdem eine Haushilfe.

Das eiserne Paar erinnert sich noch genau an seine erste Begegnung 1949 in der Schule am Markt. Die Twistringer Kolpingsfamilie suchte Schauspieler für ihr Bühnenstück.

Seine soziale Ader hat das Paar unter anderem mit einer privaten Hilfsaktion für Polen bewiesen, etwa in Kattowitz. Seit 1981 hat es an die 4000 Pakete geschnürt – und dabei auch Freunde fürs Leben gefunden. „Wir waren vor sieben Jahren zuletzt in Polen. Aber der Kontakt ist geblieben. Wir telefonieren einmal in der Woche“, sagt Otto Rasche.

1930 in Neuenmarhorst geboren, hat Rasche nach der Schule für einen Landschaftsarchitekten gearbeitet. Eigentlich sollte er 1944 eine Gärtnerlehre beginnen, aber damals wollte keiner ausbilden. Nach dem Einmarsch der Engländer half er drei Jahre in der Landwirtschaft und im Gartenbau des Gasthauses Lehmkuhl.

Im Juni 1948 wechselte Otto Rasche zur Ziegelei. „Ich musste doch, sonst gab es keine Lebensmittelkarten.“ Er war in allen Bereichen beschäftigt, vom Ziegelofen bis zu den Maschinen, und „das war Knochenarbeit und sehr heiß“.

1956 begann der Marhorster in Bremen eine Umschulung zum Maschinenschlosser, legte 1964 seine Facharbeiterprüfung ab. Anschließend arbeitete er 30 Jahre als Dreher in der Maschinenfabrik Kramer und Buschmann an der Bahnhofstraße. Als Rasche 1993 in Rente ging, machte er sich selbstständig als Garten- und Grundstückspfleger. „Es war eine schöne Zeit“, meint Rasche heute.

Als eines von sieben Kindern einer Landwirtsfamilie in Stöttinghausen endete für Margarethe die Volksschule, als die Alliierten kamen. „Ich wollte Verkäuferin werden.“ Der Lehrherr wollte sie aber in die Küche stecken, was Gretes Mutter ablehnte. Daraufhin arbeitete die Tochter für 15 Mark im Monat bei einer Holzschuhmacherfamilie, danach zwei Jahre in einem Schuhgeschäftshaus in Scharrendorf.

1949 zurück auf dem elterlichen Hof, lernte sie Otto Rasche kennen, das Paar verlobte sich 1952 und baute vor der Hochzeit 1955 das eigene Heim. Grete versorgte die Kinder, den Haushalt, den Garten, daneben half sie in der Landwirtschaft – und später verdiente sie sich ein „Zubrot“ bei Stöver in Aldrup und danach noch auf einer Pilzfarm in der Nähe.

Die ersten gemeinsamen Jahre bedeuteten für das junge Paar sehr viel Arbeit und Mühen, erinnert sich Margarethe Rasche. Aber sie hätten auch viel Glück gehabt. „Wir sind heute zufrieden“, meint die 89-Jährige.

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