Schüler werden selbst aktiv

Hungerstreik als Hilferuf

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In ihrer Familie führt Lisa (2.v.r.) allem Anschein nach ein harmonisches Leben. Doch im Geheimen hat sie Probleme.

Twistringen - Von Ilka Rickers. Mit Essproblemen haben vor allem viele Mädchen und junge Frauen zu kämpfen. Oft werden die Probleme nicht erkannt.

Die Betroffenen ziehen sich immer mehr zurück. Auf diese Schwierigkeiten will die Wilde Bühne aus Bremen mit ihrem Stück „Hungerstreik“ aufmerksam machen. Das Besondere: Das Ensemble besteht aus ehemaligen Drogensüchtigen. Mit deren Hilfe wurden nun die Neunt- und Zehntklässler des Hildegard-von-Bingen-Gymnasiums mit dem Thema Essstörung konfrontiert. Zum Inhalt: Lisa lebt in einer „ganz normalen Familie“. So zumindest beschreibt es ihr Bruder Max. Sie ist gut in der Schule sowie in der Leichtathletik, hat mit Julia eine beste Freundin und wird von ihren Eltern verwöhnt. Zu ihrem Bruder hat sie jedoch kein gutes Verhältnis.

Eines Tages gibt es in Lisas Leben einen Wendepunkt. Zu Hause merkt keiner was von ihren Problemen. Nur ihr Lehrer, Herr Bergmann, bittet Lisa nach einigen Monaten um ein Gespräch. Er fragt sie, was mit ihr los sei und warum sie sich so zurückziehe. Der Lehrer sagt Lisa auch, dass sie sehr dünn geworden sei. Doch die Schülerin streitet alles ab. Nach einem Telefonat mit Lisas Mutter macht diese sich ebenfalls Sorgen, doch sie findet auch keinen Zugang zu Lisa. Von ihrem Mann bekommt sie keine Unterstützung. Zum Schluss sagt Max: „Ich bin froh, dass Lisa im Moment nicht da ist.“

Doch, wo ist Lisa hin? Mit dieser Frage konfrontieren Jana Köckeritz und Michaela Uhlemann-Lantow, Gründerinnen der Wilden Bühne, die Jugendlichen. Einige rufen: beim Sport oder in einer Klinik für Essgestörte. Das Ende bleibt offen.

Nach der Aufführung werden die Schüler selbst aktiv. Sie sollen jetzt Möglichkeiten aufzeigen, was anders gemacht werden kann, um die Situation zu retten. Viele beanstanden die Rolle des Vaters, des Bruders und der Freundin. Sie hätten besser auf Lisa eingehen, mit ihr über Probleme reden und sie nicht immer unter Druck setzen sollen.

Schließlich sollen die Schüler in einer Improvisation die Szenen neu erfinden. Tabea, Michelle, Feo und Alex trauen sich und gestalten diese nach ihren Vorstellungen. Aber auch das scheint nicht so einfach zu sein. Teilweise sind auch sie nicht konsequent genug und können ihr Vorhaben nicht durchsetzen. Doch einige Rollen scheinen nun besser zu funktionieren.

Der Verein „Change my Way“ sponsert dieses Stück der Wilden Bühne. Seit 2006 hilft er Mädchen und jungen Frauen bei Essstörungen. „Essstörungen nehmen immer mehr zu“, betont Ingrid Kathmann von „Change my Way“. Es handle sich dabei um eine schwere psychische Krankheit. Je schneller Hilfe komme, desto eher stelle sich der Erfolg auf Heilung ein.

Im Anschluss konnten sich die Gymnasiasten Informationsmaterialien zum Thema Essstörungen mitnehmen.

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